Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Lesungen vom Dienstag der 31. Woche im Jahreskreis, Predigt am Montag, 5. 11. 2018

05/11/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Wie läuft Ihr Leben? Läuft es in alle Richtungen, mal hierhin, mal dorthin? Oder ist es gefasst wie in einem stillen Brunnen? Ist Ihr Leben am Steigen? Merken Sie vielleicht, dass Ihr Körper zwar schwächer wird, Ihre Seele aber an Stärke gewinnt?

Die Lesung aus dem Philipperbrief drängt unser Leben in eine Richtung, die wir nicht wollen.

Im Evangelium ging es nur um die richtigen Prioritäten: Die Einladung zum großen Festmahl ist wichtiger als die Besichtigung eines Gebrauchtwagens, so ungefähr. Das ist etwas, was sich entscheiden lässt, mit dem Kopf. Und dann Punkt. Eine Entscheidung fällen, – und der Rest, ich selbst, kann außen vor bleiben. Die Entscheidung betrifft mein Inneres, mich selbst nur am Rand, so scheint es.

Die Lesung hingegen drängt uns an Christus heran, der sich erniedrigt hat. Absteigend soll unser Leben sein, gehorsam, weg von dem, was wir sind, weg von uns selbst, hin zu etwas, was wir nicht kennen und nicht kennen wollen: Abstieg. „Wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“ Christus, der „wurde wie ein Sklave“.

Darum geht es: Bleiben wir Christen Beobachter des Lebens Jesu oder werden wir Nachahmer? Besser: Lebensgefährten. Werde ich meinem Leben die gleiche Richtung geben wie Jesus? Bin ich bereit, hinunter zu gehen? Wie Er? Und was hieße das konkret?

Die Lesung lässt uns ahnen, dass Christsein mehr ist als Gutes tun und in die Messe gehen. Es geht uns auf, was Nachfolge wirklich bedeutet. Nachfolge bedeutet Abstieg. Also, so schwer es mir fällt: Erniedrigung. Nicht festhalten. Nicht aufsteigen.

Und was heißt das konkret? Nach einer schlechten Note oder einem verpatzten Einsatz das Gespött der Schulkameraden ertragen. Sie haben ja Recht. Das Gerede der Arbeitskollegen über meinen Glauben mir nicht irgendwie schön tricksen, sondern als echten Abstieg hin zum Herrn nehmen. Es bedeutet: Das Leben leben. So wie es ist, nicht wie ich es gerne hätte. Nüchtern werden. Gerade. Die Illusionen abräumen. Auch die Hoffnungen. Alle, jede Hoffnung aufgeben, bis auf eine einzige. Sterben kann man nicht mit vielerlei Hoffnungen. Am Ende bleibt nur eine einzige.

Akzeptieren, vielleicht sogar gutheißen, dass das Leben ganz von selbst absteigt. Unser Körper wird nicht stärker, unser Geist nicht wacher. Unsere Verbindungen gehen dahin, einfach weil die sterben, die wir kannten oder weil wir im Alter nicht umgänglicher werden. Unsere soziale Bedeutung erledigt sich. In all dem sehe ich keine Hoffnung. Nur Aufschübe. Am Schluss ist nur eines, was nicht absteigt, nicht schwächer, nicht weniger wird: Das ist die Seele. Das ist die eine Hoffnung.

Finden Sie das pessimistisch? Ich nicht. Pessimismus kennt keine Hoffnung, Nüchternheit schon. Ich erkenne in dieser Einsicht die Nüchternheit der Bibel, der ersten Christen, der Weisen aller Zeiten… Für mich geht es um Nüchternheit gegen Illusionen. Um Wahrheit gegen Täuschungen. Oder wollen Sie eine Kirche, die sich neben Hollywood, neben die Werbung und neben die geleckten Bilder auf Instagram stellt, eine Kirche, die sich zu den großen Lügen-Tröstern unserer Zeit zählen lässt? Für mich geht es nach der Konfrontation mit diesem Text um Abstieg statt Anspruch.

Ist das nun ein Weg in die Trostlosigkeit? Wie sollte das gehen, wenn ich auf diesem Weg Jesus begegne? Der Weg, den Paulus da beschreibt – „seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht“ – dieser Weg ist doch kein einsamer Weg. Die anderen gehen mit, Christus geht mit. Und: Der Abstieg ist nicht das Ziel. Er ist nur Etappe. „Darum hat ihn Gott erhöht“, – weil Jesus bereit war; weil er nicht um jeden Preis festhalten musste, weil er die Erniedrigung des Lebens tragen wollte – und zwar für andere. Für uns. „Um unseres Heiles willen.“ – „Darum hat ihn Gott erhöht.“

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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