Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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Ansprache des Großmeisters in Lourdes

14/05/2018 


H.M.E.H. Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, Lourdes, 5. Mai 2018, 21:00 Uhr

Eure Eminenzen, Eure Exzellenzen, liebe Ordensbrüder, liebe Freiwillige und liebe Pilger!

Willkommen zur 60.Internationalen Pilgerreise des Malteserordens nach Lourdes!
Willkommen, herzlich Willkommen!

Unser hochachtungsvoller Gruß gilt dem Sonderbeauftragten Seiner Heiligkeit, Seiner Exzellenz, dem Hochwürdigsten Mons. Angelo Becciu und den Eminenzen und Kardinälen Renato Raffaele Martino und Prosper Grech. Ich begrüße außerdem unseren Prälaten, Mons. Jean Laffitte sehr herzlich.

Dies ist meine 23.Pilgerreise zu diesem heiligen Ort. Aber wie Ihr bereits wisst, ist es aus ganz verschiedenen Gründen eine ganz besondere Reise.
Der Große Staatsrat hat mich am 2.Mai in das Amt des Großmeisters berufen. Ich danke den Kapitelmitgliedern, die mich gewählt haben, für Ihr Vertrauen in meine Person. Ich werde mich ganz unserem Orden widmen. Allerdings werde ich ohne Ihre ständige Unterstützung keine Ergebnisse erzielen können. Ich werde Euer Engagement und die Gebete jedes Einzelnen von Euch zur Unterstützung benötigen.

In den vergangenen Tagen haben wir bewiesen, dass der Orden mit seiner außergewöhnlichen Tradition und einer fast 1000-jährigen Tradition heute mit Mut und großer Vitalität in die Zukunft blickt. Wir haben gezeigt, dass wir unsere Verfassung überarbeiten möchten und dadurch unser Regierungssystem stärken möchten, um so für die Herausforderungen der modernen Gesellschaft und die Bedürfnisse der Welt gewappnet zu sein. Wir müssen unseren Orden mit einem Regelwerk ausstatten, dass uns nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft meistern lässt.

Unsere Vorgänger mussten sich im Laufe der Jahrhunderte dergleichen Herausforderung stellen, als sie die Statuten des Ordens überarbeiten mussten.

Ich hatte bereits die Gelegenheit zu betonen, dass diese Reform uns auch die Möglichkeit gibt, die traditionelle Besonderheit unserer religiösen Institution zu schützen, die ihm eigenen Charismen zu bewahren, seine Identität zu wahren und den Einsatz für den Nächsten zu garantieren. Ich halte es für notwendig zu betonen, dass der religiöse Charakter des Ordens nicht in Gefahr ist. Es ist auch nicht das Schicksal des Ordens, sich in eine NGO zu verwandeln.

Genau hier in Lourdes – speziell zum 160.Jahrestag der Erscheinungen und zum 60.Jahrestag unserer Internationalen Pilgerreise – steht das Motto Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum im Mittelpunkt und findet seinen größten Ausdruck.

Nehmen wir uns kurz Zeit für ein paar Zahlen. Unter unseren 7.500 Pilgern begrüßen wir 1.500 kranke Mitmenschen. Mit der Flagge des Malteserordens vertreten wir 45 Nationalitäten. Darunter befinden sich auch Nationen aus Fernost: Australien, Hong Kong, Singapur und Südkorea.
Aus Afrika: Senegal und Togo. Aus Nord-, Mittel- und Südamerika: Argentinien, Brasilien, Kuba, Panama, Peru, Uruguay und die Vereinigten Staaten, sowie auch unsere geschätzten Ordensbrüder aus Nahost, insbesondere dem Libanon.

Wir schätzen die Anstrengungen unserer werten Ordensbrüder und der Kranken, die sich von weit her auf diese Pilgerreise gemacht haben, um mit uns in diesem wichtigen Moment zu beten. Lasst uns füreinander beten, für unsere Kranken, unsere Familien, unsere Freunde und für die Welt im Allgemeinen.
Werter Mons. Becciu, ich bitte Sie, Papst Franziskus mitzuteilen, wie nahe wir ihm stehen. Versichern Sie ihm, dass jeder von uns während dieser Pilgerreise im Sinne des Summus Pontifex beten wird, damit der Heilige Geist seinen Weg erleuchte und ihn in jedem Moment seiner Mission zu unserem und zum Wohleder Menschheit führen möge.

Es gab in den vergangenen zwölf Monate zahlreiche Krisen und Tragödien – Grausamkeiten von Menschen gegen Menschen – die viel Leid in viele Teile der Erde gebracht haben. Abgesehen von unserer Hilfe für Menschen in Not fordert die gewichtige Stimme des Ordens weiterhin von der internationalen Gemeinschaft die Wahrung der Menschenrechte von Kriegs- und Vertreibungsopfern und Menschen, die aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten gezwungen sind, ihr Land zu verlassen.

Wir fordern die Internationale Gemeinschaft weiter auf, die Würde dieser unschuldigen Opfer zu respektieren. Wir rufen dazu auf, Migranten, Flüchtlinge und Vertriebene in ihren Heimatländern und auf ihrer Reise, die sie oft unter Bedingungen größter Gefahr auf sich nehmen, zu unterstützen. Gleiches gilt für die Gastländer, in denen die Integrationsprogramme lebenswichtig für ihre eigene Zukunft und für die der Bevölkerungen sind, welche eine Aufnahme ermöglichen können. Hier greift unsere Hilfe, so wie übrigens in allen hundert Ländern weltweit, wo unsere Arbeit im Dienste derer, die sie benötigen – seien es Behinderte, alte Menschen, Kranke oder Arme – ohne Unterbrechung weiter geht.

Während wir hier gemeinsam in Lourdes sind und den positiven Einfluss auf uns spüren, meditieren wir über das Wunder der Heiligen Bernadette und über die Wunder, die hier passiert sind. Seit dem Moment, als die kleine Vierzehnjährige im Jahr 1858 die wunderbaren Erscheinungen der Jungfrau Maria hatte, haben diese eine starke Wirkung auf die gesamte Welt gehabt.

Lasst uns darüber nachdenken, was ein Wunder ist. Es könnte sich dabei nicht nur um eine Heilung von einer schweren Krankheit oder Behinderung handeln, sondern um eine Gnade, die allen Pilgern zuteil wird, die hierher kommen. Das Wunder der Heiterkeit in der Liebe zur Jungfrau Maria, das Wunder der bedingungslosen Güte gegenüber dem Nächsten, das Wunder der Toleranz, das Wunder der Akzeptanz unserer Schwierigkeiten.
Das Wunder, uns als Teil einer großen, spirituellen Familie zu sehen. Eine einzigartige Familie, die sich Malteserorden nennt. Das alles hilft uns zu verstehen, dass das Wunder von Lourdes hier jedem von uns zur Verfügung steht. Es reicht, sein Herz zu öffnen.

Wie jedes Jahr gilt unser Dank dem Wallfahrtsort Lourdes, der Gastfreundschaft, dem Präsidenten der französischen Assoziation Thierry de Beaumont Beynac, Alain de Tonquedec und an sein unermüdliches Team hier und an die große Mannschaft, die wir im Großmagisterium haben. Eine besonderer Dank an die Großpriore, Procuratori, Präsidenten, Hospitaller, an die Ärzte und Freiwilligen, unsere Kapläne und an alle von Euch.

Bevor ich zum Abschluss komme, möchte ich, dass wir einen Moment lang über das Wetter nachdenken. Warum? Weil es interessant ist, kurz über die Auswirkungen des Wetters nachzudenken, das wir hier jedes Jahr in Lourdes vorfinden. Manchmal regnet es nur leicht, manchmal in Strömen, manchmal scheint die Sonne. Ich erinnere mich auch an ein Jahr, in dem es geschneit hat. Wir finden jedes erdenkliche Klima hier in Lourdes vor.

Diese Bedingungen sind wie das Leben selbst. Es gibt Stürme, aber es scheint auch die Sonne. Es gibt dunkle Zeiten, aber es gibt auch Momente voller Licht. Maria lässt uns durch Bernadette ihre Mutterliebe zu Teil werden. Gehen wir diesem Licht gemeinsam entgegen.

Liebe Pilger, ich wünsche Euch eine Pilgerreise, die reich an spirituellen Eindrücken ist. Möge das Licht der Heiligen Jungfrau Maria auf Euch scheinen.

MALTESER Wallfahrt nach Lourdes 2018

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