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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dreifaltigkeitsfest 2017

11/06/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Welt, Leben, Liebe, Sohn, einzig, verloren, ewig, Gericht, Rettung: Dieses kurze Evangelium, ein Sprach- und Gedankenwirbel. Wie damit umgehen?

Es gibt verschiedene Zugänge zur Religion: echten Glauben natürlich, Eifer (gerne engstirnig), Gleichgültigkeit (häufig), Abwinken (noch häufiger). Das Fest der Dreifaltigkeit ist das Hochfest des Abwinkens. Dreifaltigkeit, das ist doch kompliziert und lebensfern; das überfordert die Leute, sagen sie. In der Twitter-Welt geht das gar nicht mehr.

Der Jesus der Evangelien überfordert die Leute ständig. Was er sagt, ist oft schwierig und hat mit dem Alltagsleben nicht gleich zu tun. Trotzdem trifft es ins Herz, nicht alle, aber viele. Es ist heute das Fest der Dreifaltigkeit, ich will das nehmen, wie es ist. Mich nähern.

Was erkenne ich, wenn ich Sie und mich ansehe? Der Mensch ist der, dem etwas fehlt. Keiner hat alles, was er braucht; keiner ist der, der er sein könnte. Deswegen suchen wir. Menschen suchen im Weinglas, im Fußballstadion… Wir hier suchen vor Gott.

Was fehlt am meisten? Wo einem der entglitten ist, der, der man sein könnte; wo sich abzeichnet, dass das Leben verfehlt sein wird, da fehlt die Wahrheit. Der Mensch ist der, der die Wahrheit verfehlt. Der nicht stimmt.

Wenn da Gott auftaucht, geschieht etwas Seltsames: Vor Gott wird die Enttäuschung brüchig. Das, was fehlt, wird zur offenen Tür. Vor Gott wird es weit; der Mensch erhebt das Haupt und blickt auf. So ein Moment des Aufschauens ist am Anfang der Messe: Ohne Einleitung und Begründung erhebt sich der Gesang des Kyrie, dem dreifaltigen Gott. Gott schlägt auf. Wir werden am Anfang der Messe verwandelt in Betende. Wir erwachen zu Leben und Bewusstsein.

Das Kyrie stammt aus Rom. Der Stiftungstag des Sonnentempels, der 25. Dezember, war zum Geburtsfest der unbesiegbaren Sonne geworden, und mit dieser Sonne setzten sich die römischen Kaiser gleich. Ihnen galt der Ruf des Volkes: „Kyrie eleison!“ Da kamen die Christen – und machten aus dem 25. Dezember den Geburtstag Jesu Christi. Das Kyrie sangen sie an ihren Sonntagen nicht dem Kaiser, sondern dem dreifaltigen Gott. Sie griffen die Ordnung an, nur im Feiern und Singen. Für Christen ist keine bestehende Ordnung heilig, denn alles ist vorläufig. Christen glauben: Der Tag des Christus wird anbrechen. Wo Gott sich zeigt, gerät es in Bewegung.

Wer von der Dreifaltigkeit redet, versucht, Ordnung zu schaffen im Geist. Auch, Grenzen zu ziehen. Man versucht zu erklären. So sei die Dreifaltigkeit: Wie wenn drei Kerzen einen Raum erleuchten, und es ist darin ein Licht. Immer wieder: Dreifaltigkeit ist wie wenn: Wir reden von Dingen, von denen wir eigentlich nichts wissen können. Unbeholfen. Wir müssen aber davon reden, denn die Schrift sagt: „Geht und lehrt und tauft.“ Wir tasten uns durch Bilder in einen offenen Raum. Irgendwann fangen wir an, darin zu tanzen und zu schweben.

In der Lehre über die Dreifaltigkeit heißt es: „Einer in drei Personen.“ Schon das kann man nicht denken. Da geht es geht um Hervorgänge, Hinneigungen, Namen. Je mehr man sich vertieft, desto klarer wird es: Da ist höchste Bewegung.

Gottes-Bewegung: Gott ist verborgen und offenbar und Gott wirkt.

Verborgenheit: der Vater. Offenbarung: der Sohn. Wirken: der Hl. Geist.

Gott ist höchste Bewegung … und das keineswegs nur in Gedanken. Das alles wird schnell konkret. Wo Gott „Vater“ genannt wird, geraten die Hierarchien ins Gleiten, von der Familie bis in den Staat. „Nur einen sollt ihr euren Vater nennen, den im Himmel.“ Ein Wort gegen alle Ansprüche. – Sobald Gott „Sohn“ genannt wird, ist die Herkunft, die Geschichte wichtig. „Sohn“: der Name gegen die Vereinzelung und Numerisierung des Menschen. – Sobald Gott „Geist“ genannt wird, geht es um Vermittlung, Erkennen, Freiheit, Wahrheit. „Geist“: ein Name gegen die Lüge.

„Gott.“ Dieses Wort legt über das Leben ein Koordinatensystem, in dem sich Zusammenhänge völlig anders darstellen. Wo vieles viel zu eng wird, Hoffungslosigkeit genauso wie Fortschrittsglaube: beides zu eng für Gott.

Wenn wir uns eingerichtet haben in dieser Welt wie in einer Spiegelkammer, wenn alles, was wir sehen letztlich immer nur das eigene Gesicht ist, dann sprengt das Fest der Dreifaltigkeit diesen engen Stolz.

Und diese Dynamik geht ein ins Alltagsleben. „Liebe“, das war eines der Wörter im Evangelium. Gott ist in sich eine Liebesgemeinschaft. Einer in drei Personen. Drei von gleicher Würde. Wir sehen daran etwas für unsere Beziehungen: Liebe achtet die geliebte Person, statt sie für austauschbar zu halten. Das bedeutet konkret: Wer seinen Partner wegen der Karriere wechselt, die Frau, den Mann durch ein neues, besseres Modell ersetzt, der wendet die Regeln der Wirtschaft auf sein Privatleben an. Die Wirtschaft sagt: immer mehr, immer besser. Das gilt dann auch für den Partner. Liebe aber macht sich unabhängig von Schulbildung, Vermögen, Posten, Körpergewicht und Alter. Eheleute, die unbeirrbar einander festhalten, entziehen sich den Gesetzen des Marktes. Beinahe ein Akt der Subversion…

Die Kraft dazu finden sie vielleicht im dreifaltigen Gott: Bewegung und Bleiben, eine Liebe in drei Personen.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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