Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

6. Sonntag der Osterzeit (C), 30. April / 1. Mai 2016

07/06/2016 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Einen Tempel sah ich nicht in ihr.“ Kein Tempel! Keine Kirche! Kein Stress! Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes spricht eine verbreitete Hoffnung an. Ein bestimmtes Milieu in der Kirche beruft sich gern auf solche Texte. Die Hoffnung ist: kein Getue mehr um „heilige“ Dinge, keine ehrfurchtsvollen Mienen mehr; keine langweiligen, steifen Gottesdienste in besonderen Räumen und kein Sonntagsstaat. Stattdessen einfach ein guter Mensch sein und andere gute Menschen treffen. Also, wenn gerade Zeit ist und man Lust hat; nicht reglementiert, jeden Sonntag und so. Und „gut“ bedeutet natürlich „nett“. Kurz, von einer Kirche mit allerhand heiligem Larifari zu einer Kirche neben dem Heurigen, ganz menschlich und fröhlich.

Wer aufmerksam auf die heiligen Worte dieses Sonntags hört, dem geht allerdings auf: Da wird der Tempel, da werden die Kirche und der Gottesdienst nicht gestrichen, wie manche hoffen, sondern verlagert. Nicht ferner rückt der Kult, sondern näher. Ganz nahe. Der eigentliche Gottesdienst findet in unserem Innersten statt; darauf wollen Lesung und Evangelium hinaus. Einen Tempel gibt es nicht mehr, weil Gott im Herzen Wohnung nimmt: “Wer mich liebt, wird mein Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“

Wozu dann noch diese Kirche und die vielen, vielen anderen, die dieses Land prägen? Weil das Sichtbare an das Unsichtbare erinnern muss, das Äußerliche an das Innerliche. Kirche und Gottesdienst sind nicht mehr „heilsnotwendig“, wie es der große Tempel in Jerusalem für die Juden war. Katholiken können auch ohne Peterskirche und Lourdes und Stephansdom in den Himmel kommen. Aber schwerlich ohne die Sakramente, die dort gefeiert und geschenkt werden. Und sicher nicht ohne Gnade: nicht ohne den Heiligen Geist.

Kirchen und Gottesdienst sind also nützlich. Wir haben „heilige“ Orte, damit wir das Heilige nicht vergessen. Denn das Heilige ist so verborgen, so zart, so still… es vergisst sich leicht.

Wozu ist also der Gottesdienst da? Um uns zu lehren und zu erinnern. Wie soll einer, der nur einmal im Jahr in die Messe kommt, mit Christus vertraut werden? Den Glauben kennenlernen? Ohne Vertrautheit mit Jesus Christus aber geht der Mensch verloren. Wir spielen hier nicht. Es ist ernst, und wir setzen unsere Hoffnung nicht in Mauern und Möbel, sondern in den Heiligen Geist, der sich herablässt, Orte und Räume zu erfüllen, für eine Zeit. Immer nur für eine Zeit. Wir brauchen den Heiligen Geist, der uns „alles lehren“ und „an alles erinnern“ wird, wie es im Evangelium heißt, und der so die Kirche heilig macht. Deswegen, des Heiligen Geistes wegen, ist die Kirche heilig und unfehlbar.

„Lehren“, das bedeutet doch aufbauen, gestalten, formen. Und „erinnern“, das bedeutet anbinden, Halt geben, damit wir nicht treiben und irren. Lehren und erinnern: damit ist die Kirche beschrieben. Das ist es, was eine Pfarre oder eine Ordensgemeinschaft ausmacht. Lehren und erinnern gehören unbedingt zusammen. Im schlechten Fall ist Lehren nämlich nur eigene Meinung, selbst Erarbeitetes, Egoismus. Das Erinnern an den Ursprung, an die Quellen, an Christus bewahrt genau davor. Das betrifft Prediger, Eltern, Ordensobere, Religionslehrer… Wenn einer in der Kirche Eigenes treibt, wird er abfallen, früher oder später; wenn einer liebt, dann wird Gott in ihm wohnen. “Wer mich liebt, wird mein Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“

Die Grundfrage an den Menschen ist also: Willst du die Nähe Gottes? In deinem Inneren? Wenn wir Gott zulassen, dann wird in uns der wahre Gottesdienst gefeiert; dann spiegelt dieser Gottesdienst hier den inneren wider. Dann werden wir von innen heraus verwandelt.

Wie pflege ich die Gegenwart Gottes in mir? Das steht fest: Durch die Sünde wird sie geschwächt oder ganz ausgelöscht. Haben Sie Acht auf sich! Sehen Sie, wie kostbar der Seher die himmlische Stadt beschreibt? So ist Ihre Seele, wenn Gott in ihr wohnt. Reich, farbig, eine herrliche Stadt voller Vielfalt. Eine Stadt, die das Licht von Sonne und Mond nicht braucht. Keine Erleuchtungen, keine Erkenntnisse, keine Gefühle. Gott genügt. „Euer Herz ängstige sich nicht!“ Seid einfach innerlich still, seid innerlich. Dort, wo der Heilige Geist lehrt und erinnert.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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