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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fest des seligen Gerhard Mecatti von Villamagna, 18. Mai 2015

12/06/2015 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen!“ – Auf solches Wort hin wurden ritterliche Menschen. Dienst, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit Tag und Nacht standen am Anfang des Weges, wenn sieben-, achtjährige Buben antraten, um Knappen zu werden. Knappendienst musste tun, wer einmal ein Ritter sein wollte. „Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen!“ Wenn zum Dienst der Wachsamkeit noch Mut und Treue kamen, konnte der Ritterschlag  sein.

Der Selige des Malteser-Ritter-Ordens, den wir heute feiern, Gerhard Mecatti, wurde um 1174 in der Nähe von Florenz geboren. Er war solch ein Knappe und folgte seinem Ritter nach Palästina. In den Kämpfen wurde er von den Sarazenen gefangen genommen. Nach seiner Freilassung pilgerte er nach Jerusalem und schloss sich dort dem Orden des heiligen Johannes an als „dienender Bruder“. Irgendwann kehrte er in seine Heimat zurück. Er habe den hl. Franz von Assisi getroffen, wird erzählt. Eine Begegnung, die seinem Leben endgültige Richtung gibt: Er wird nun als Einsiedler leben. Seine Lebensaufgabe: Gebet und Buße. Gerhard Mecatti starb wohl an einem Mai-Tag des Jahres 1245. In Villamagna, wo seine Reliquien gezeigt werden und im ganzen Souveränen Malteser-Ritter-Orden feiert man sein Fest am heutigen 18. Mai.

Gerhard wurde also nicht zum Ritter geschlagen. Nicht die vorgesehene Laufbahn. So wie Franziskus kein reicher Geschäftsmann wurde. Es gibt Leben, die nicht nach Plan gehen. Jedenfalls nicht nach den Plänen der anderen, nicht nach den Plänen der Welt oder unseren eigenen Plänen. Es gibt Leben, die nach dem Plan Gottes gehen.

Gerhard bleibt im Ritter-Orden, aber „Karriere“ macht er dort nicht. Er lebt die Ideale der Franziskaner, aber in die Klostergemeinschaft tritt er nicht ein. Er tut etwas ganz Eigenes. Seine Berufung.

„Was dir zugewiesen ist, magst du durchforschen, doch das Verborgene hast du nicht nötig.“ Die Lesung des Festes sagt uns fremde Worte, und Gerhard zeigt uns ein Leben, das in unsere Zeit nicht passt. Dass uns ein Leben zugewiesen sei, ist heute eine fast skandalöse Idee. Die allgemeine Überzeugung ist: Das Leben machen wir, nach unseren Wünschen. „Ja, wir können!“ Jede junge Frau, jeder junge Mann hat die Wahl zwischen endloser Selbstoptimierung und Aufstieg oder dem gesellschaftlichen Nichts. Und Karriere bedeutet vor allem eines: Geld.

„Je größer du bist, um so mehr bescheide dich.“ Mindestens in seinen Heiligen lebt der Malteser-Ritter-Orden nicht nach den allgemeinen Gesetzen von Aufstieg und Besitz. Die Idee, etwas werden zu müssen, steht im Orden nicht an erster Stelle. Gerhard bescheidet sich. Er muss nur eine Aufgabe tun, seine, nicht alle. Er muss das Richtige tun; nicht das, was andere erwarten; nicht nur das, was nützt; nicht das, was „man“ eben tut.

„Aus einem Leben voller Tätigkeit“ geht er in die Einsamkeit, so formuliert es das Tagesgebet. Einsamkeit, nicht um Ruhe zu haben vor den Leuten: um zu beten und um Buße zu tun. Was hat er gesehen und miterlebt? Was hat dieser Soldat vielleicht sogar selbst getan? Denn das war er ja: ein Soldat. Soldat und Ritter, das sind Namen, die der nicht tragen darf, der nur noch einen Computer bedient, um die ferne Schlacht zu gewinnen; der den Gegner nie sieht. Soldaten gibt es, wo einer dem König dient oder der Kirche oder dem Land, wo es um Treue geht und um Ehre. Wenn es aber nur noch um den Staat geht, wenn Juristen und Geschäftsleute die Regeln machen, dann gibt es nur noch Militärs. Der Malteser-Orden ist ein Ritter-, ein Soldaten-Orden.

„Ein Leben in Buße und Gebet“, das klingt abgedroschen. Das übliche Gerede der Heiligen-Viten. Aber wer auch nur einen Augenblick hinschaut auf solches Leben, der versteht: Da geht es um Tapferkeit. Gerhard ist ein Einsiedler-Ritter, der gegen den schlimmsten Feind Gottes kämpft: das Ego.

Buße und Gebet brauchen Tapferkeit. Denn wird Gebet je eine milde Gewohnheit? Ist nicht Gebet für immer Kampf? Ein Kampf, der das Gesicht des Beters oder der Beterin abnutzt, bis es erinnert an ein altes Messbuch oder an die halbverwischten Gesichter auf den Grabplatten. Wer in die Einsamkeit geht, wird die Angst zu spüren bekommen. Die Beter sind Soldaten in einem Kampf. Bei Bernanos steht der beunruhigende Satz: „Die unaufhörliche Furcht vor der Angst, die Angst vor der Angst, formt das Gesicht des Tapferen.“

 

Und am Ende? Gelöste Heiterkeit. Der Sieg über die Welt und sich selbst macht nicht hart und nicht stolz. Eines Tages wird alles ganz leicht. Als Gerhard schon alt und krank war, schickte man Ordensschwestern, die ihn pflegen sollten. Eines Tages fragte ihn eine der frommen Frauen, ob er einen Wunsch habe. „Ja, Kirschen!“ Es war ein Tag im Januar. Natürlich denkt die Schwester, der alte Einsiedler deliriere. Aber immerhin geht sie vors Haus – und findet den Kirschbaum, der da steht, voll roter, süßer Früchte! Wer Gott gefunden hat, braucht nur noch Kirschen.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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