Hochfest der Epiphanie
Hochfest der Epiphanie Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Fremde aus dem Osten, wie schön! Fremde bringen Neues, Fremde sollte man anhören, Fremde muss gut behandeln. Letzteres sagt die Bibel. Es ist für echte Christen nach wie vor gültig, auch wenn die Fremden der biblischen Zeit anders sind als die, die heute aus dem Morgenland kommen. Nur: Geht es in diesem Evangelium um die Fremden? Es ist wichtig herauszufinden, worum genau es geht. Es ist wichtig zuzuhören. Es ist wichtig, den anderen verstehen zu wollen, in der Kirche und da draußen in Ihrem Leben. Die Fremden im Evangelium gehen wieder heim, diese weisen Männer oder „Magier“ oder „Sterndeuter“ wie sie auch genannt werden. Geht es in diesem Evangelium also um Weisheit? Um Wissen und Bildung? Wenn überhaupt, geht es am Ende um Erkenntnis. Die Männer erkennen etwas. Jemanden. Da ist noch Herodes. Geht es also um die Mächtigen? Mächtige kann man nicht trauen. Stimmt, vermutlich. Aber geht es in diesem Evangelium um Herodes? Herodes ist nur eine Randfigur. Vielleicht ist es gar nicht wie es im Fernsehen aussieht; vielleicht sind die Mächtigen in Wahrheit immer nur Randfiguren, am Rand des eigentlichen Geschehens. Vielleicht geschieht in dem einfachen Haus, das die Sterndeuter betreten, Größeres als im Palast. Geht es um die Völker und die Nationen, wie es die Lesung aus dem Propheten Isaias nahelegt? Ja, auch. Aber die Völker sind nur interessant, sofern sie zu Gott finden. Die Wandlungsworte der Messe bringen das ins rechte Licht: „Mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“ „Viele“, so heißt es wörtlich im Evangelium. „Viele“, das meint alle Völker der Erde. Für sie alle wird das Kind in der Krippe eines Tages sterben. Geht es um den Stern oder um die berühmten Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhe? Der Stern und die Gaben sind nur Zeichen. Es gibt Zeichen Gottes in der Welt – ja. Aber Zeichen gibt es nicht um der Zeichen willen. Der Stern und die Geschenke erklären, wer dieses Kind ist. „Es ist der Herr.“ Um was genau geht es im Evangelium dieses Festes, das im Volksmund „Dreikönig“ genannt wird und von der Kirche „Epiphanie“: Das bedeutet Erscheinen, Aufscheinen, Klarwerden. Wer oder was scheint auf? Die Göttlichkeit des Kindes. Dreikönig macht Weihnachten klar. Erst durch die Sterndeuter aus dem Osten, durch die Taufe Jesu im Jordan, durch das Wunder bei der Hochzeit von Kana, erst durch diese drei Ereignisse wissen wir, wer dieses Kind ist. Und nur darauf kommt es an. Es ist so wichtig, dass Sie richtig lesen, richtig zuhören, richtig verstehen. In der Kirche und daheim und in der Arbeit. Deswegen die Frage: Worauf genau kommt es an in diesem Evangelium? So lernen wir zuhören und verstehen. „Ich verstehe dich“ bedeutet nicht: „Ich kenne das auch.“ Wirkliches Verstehen bedeutet, dass ich geistig zum anderen hingehe und sein Problem mit seinem Blick sehe. Das Evangelium läuft auf diesen einen Moment hin: „Sie sahen das Kind, sie fielen nieder und huldigten ihm.“ – „Adoraverunt eum“; sie beteten an. Das tut man nur für Gott. Jesus ist Mensch und Gott zugleich. Das lehrt in der Kirche kaum noch einer oder eine. Die Leute argumentieren, sehr gut sogar, sehr kundig, aber wenn sie fort sind, bleibt das Evangelium, das so ganz anders spricht als die Leute. Man kann das Evangelium auch einfach nicht lesen, aber man kann nicht verhindern, dass es die Heilige Schrift gibt in unserer Welt und dass sie „nein“ sagt, wo alle „ja“ sagen. Wer die Bibel liest und die Kirche hört, ist manchmal sehr allein. Jesus ist Mensch und Gott zugleich. Beides ganz, beides unvermischt, ungetrennt. Das bleibt immer eine Herausforderung. Jeder Gläubige ist in der Gefahr, nur die eine Seite zu sehen, um es sich leichter zu machen. Aber die Spannung müssen Sie schon aushalten. Das müssen Sie wagen: glauben, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Und dass auch seine Lehre spannungsvoll. Denn es gibt in ihr die Einheit von radikaler Forderung und radikaler Liebe. Das wird für immer das Problem der Kirche und jeder Pfarrei und jedes Getauften sein: entweder die Forderung zu betonen („du musst!“) und Liebe, Verständnis und Barmherzigkeit zu vergessen oder aber nur den „lieben Gott“ zu sehen, der sich allen zuwendet und dabei zu vergessen, dass es im Glauben irgendwann um Leben und Tod geht, um Entweder-oder. FÜRBITTEN Wir beten zu Christus, der heute der Welt erschienen ist: Lass mich deine Herrlichkeit sehen. Herr, du hast die Weisen als erste aus den Heiden zu dir gerufen: Durch den Stern hast du die Weisen auf ihrem Weg geführt: Als die Weisen dich fanden, war ihre Freude riesengroß: Du bist der König der Herrlichkeit: Wir beten für unsere Kranken. Wir beten besonders für die schwer verletzten jungen Leute in der Schweiz. Wir beten für unseren Papst. Dein Licht ist heute der Welt erschienen: Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Lengfurt am 06. Jänner 2026
offenbare dich unseren Freunden und Verwandten, die dich noch nicht kennen.
führe alle zu dir, die dich suchen.
gib deiner Kirche helle Freude, die sie durch das Jahr trägt.
gib den Ländern, die Krieg führen, deinen Frieden.
lass es unseren lieben Toten für immer leuchten.
