Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fest des Heiligen Sylvester 2025

31/12/2025 


Die Predigt zum Anhören

Fest des Heiligen Sylvester
Predigt in Esselbach am 31. Dezember 2025

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

In die Zukunft können wir gar nicht weit sehen, genaugenommen nicht einmal bis morgen früh. In die Vergangenheit sehen wir kaum weiter; unser Gedächtnis ist kurz. Sehen wir wenigstens die Gegenwart? Die meisten sind dafür nicht aufmerksam genug vor lauter Machen und Tun. Dabei müsste wer so in Problemen steckt wie wir heute, doch weit sehen, ganz weit. Wer heute nicht weit sieht, erstickt an dumpfer Panik. So geht es vielen unserer Zeitgenossen: Panik. Die geht auch vom Böllern nicht weg. Wer nur den Wirrwarr des Augenblicks sieht, wer nicht in die Tiefe schaut, verliert an Kraft. Das macht ja die Stärke der Gläubigen aus: dass sie hinter dem Tagesgeschehen Gott ahnen. Maria, die Prophetin, sieht das Jetzt und das, was kommen wird.

Strenggenommen sind wir schon im Hochfest der Gottesmutter und nicht mehr beim hl. Papst Sylvester. Die Feste der Kirche beginnen nämlich schon am Vorabend. Zum Fest der Gottesmutter am 1. Jänner passt es, dass die ganze Kirche – viele Laien, die Klöster, die Diakone, Priester, Bischöfe und der Papst –, dass die ganze Kirche jeden Abend das Magnifikat betet, das große Lob Marias auf Gott. Da gibt es einen Satz, der mir seit Tagen durch den Sinn geht: „Fecit potentiam…“ Gott „vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten… Er stürzt die Mächtigen vom Thron.“

Im Glaubensbekenntnis sagen Sie alle: „Er wird wiederkommen in Herrlichkeit zu richten.“ Mit anderen Worten: Gott ist der Herr der Geschichte. Wenn Sie Christen sind, glauben Sie: Gott ist der Herr der Geschichte, niemand sonst. Was eine Erleichterung! Was ein Trost!

Für diesen Glauben gibt es gute Gründe; Fragen gibt es auch.

Gott ist der Herr der Geschichte, sein Reich ist schon da und wird kommen. Das wissen wir aus dem, was Jesus gesagt hat. Ich habe als Christ die Worte Jesu. Ferner habe ich das, was ich erlebe. Ich sehe, wie die Mächtigen, die Tyrannen enden und glaube um so fester, dass Gott der Herr ist und kein anderer. Die ganz Alten hier können sich noch an den Hitler erinnern; jeder, der sich für Geschichte interessiert, kennt eine ganze Liste von Machthabern. Erst sah es immer toll aus, aber letztlich sind alle gescheitert. Sie wissen, wie Stalin endete. Dieses Gesetz der Geschichte wird auch für die gelten, die uns heute beschäftigen. In 200 Jahren werden nur noch ein paar Studenten den Namen Putin kennen.

Gott aber bleibt. Und die Kirche bleibt. Das ist für mich wirklich ein Argument. Die Kirche hat die Goten und die Wikinger überlebt, die erfolgreichen Sekten, Napoleon und Elvis Presley. Immer wieder wurde ihr das Ende vorausgesagt, aber sie ist noch immer da, wie die Welt noch immer da ist. Die Kirche ist die einzige Gemeinschaft der Weltgeschichte, die sich immer wieder erneuert und lebt. Diese Erneuerung beginnt bei einzelnen, in den Seelen, dort, wo Gott handelt. Ich stolpere durch mein Leben, kriege nicht viel gebacken, türme Blödsinn auf Schuld und Schuld auf Blödsinn – und merke doch immer wieder: Gott war die ganze Zeit da. Er hat mich geführt. Kennen Sie das nicht auch?

Solche Gedanken helfen mir. Trotzdem ist die Deutung der Geschichte immer schwierig. Unsere Gedanken sind nur Hilfen, keine absoluten Gewissheiten. Das Bild flimmert. Es ist nur eine Ahnung, keine Sicherheit. Es ist Glaube.

Macht Sie das nervös? Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie erkennen, dass es allen vor uns genauso ging. Maria sagte: „Mir geschehe nach seinem Wort. Ich vertraue Gott.“ Was da genau kommen würde, wusste sie nicht. Die Apostel konnten nicht wissen, worauf sie sich mit diesem Jesus einließen. Nach Pfingsten wussten sie nicht, was aus der Kirche werden würde.

Aber sie blieben und handelten Tag um Tag. Es braucht Zeit, bis wir verstehen. Gott gibt uns die Zeit.

Wir können studieren, diskutieren, lernen, alles gut und schön, aber die wirklich wichtigen Einsichten kommen einfach so, unter der Dusche, im Stau. Das ist das unerwartete Handeln Gottes. Und so leben wir Christen im beruhigenden Zweifel. Wir haben nur ein paar Anhaltspunkte, aber die reichen, um den Mächtigen ins Gesicht zu lächeln.

Ich finde Halt im Glauben, aber auch Zweifel. Gott gibt mir Fragen auf. Schmerzhafte Fragen. Kürzlich sagte mir wer: Den Moment deines Todes hat Gott in Liebe bestimmt. Einleuchtend. Denn sonst müsste ich glauben, Gott täte etwas nicht aus Liebe. Er könne auch grausam böse sein. Und dennoch: Können Sie jeden Tod als ein Zeichen der Liebe Gottes sehen? Was wissen wir von Gott? Vom Himmel? Von den Menschen?

Ich muss Gott nicht fixieren. Nur die Machthaber meinen, sie müssten festmachen und festhalten. Und hinterlassen doch nur leere Häuser.

Wenn ich Gott nicht verstehe, schaue ich auf Jesus. Er ist das einzige wahre Bild Gottes. Das reicht mir. Am Ende des alten Jahres, am Beginn des neuen reicht es mir zu wissen: Die menschliche Liebe verändert sich, manchmal endet sie auch. Aber Gott ist immer da. Mit ihm kannst Du immer wieder neu beginnen.

FÜRBITTEN

Wir verstehen Gott nicht, aber wir beten zu Ihm. Wir wollen Ihm doch vertrauen!

Wir beten um eine ruhige, gesegnete Weihnachtszeit für unsere Freunde. – Wir beten in Stille.

Gleichzeitig beten wir für die Familie des kleinen Jungen in Marienbrunn. – Wir beten in Stille.

Wir beten für die verfolgten Christen.

Wir beten um Mut und Furchtlosigkeit im neuen Jahr.

Wir beten um mehr Liebe in uns.

Wir beten für unsere Kranken.

Wir beten für unseren Papst.

Wir beten für unsere lieben Toten

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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