Palmsonntag 2026
Palmsonntag 2026 Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Sonntag, Tag der Entscheidung. „Geh ich nei die Kirch‘ oder bleb ich dahem?“ Jahrhundertelang hatte Glaube nicht viel mit Entscheidung zu tun. Man war halt katholisch. Sehr tief kann das nicht gegangen sein, überlege ich, sonst hätte es in Deutschland keine Nazis und KZs geben können. Wenn das Land wirklich christlich gewesen wäre. Jetzt, heute, hier in Lengfurt und mainaufwärts, geht es ständig um Entscheidungen. Recht besehen ist das aber gar nicht so neu. Palmsonntag in Jerusalem: Tag der Entscheidung. Für Ihn oder gegen Ihn. Gründonnerstag auch: Lauf ich davon oder bleibe ich bei Ihm? Karfreitag wieder. Die paar, die beim Kreuz aushielten, hatten eine Entscheidung gefällt. Und Ostern? Die Entscheidung überhaupt, die Entscheidung der Entscheidungen: Glaube ich an die Auferstehung, ja oder nein? Wie sich also zu Jesus verhalten? Esel hin, Esel her… allen ist klar: Das heute war eine Machtdemonstration. Ungewöhnlich, vielleicht schräg, vielleicht nicht so gewollt, aber doch. Mit dem königlichen Einzug in Jerusalem wird Jesus endgültig zum Gegner der römischen Besatzer und des jüdischen Klerus. Es waren nicht alle begeistert von ihm. Und es sind nicht alle begeistert. Es soll sogar Christen geben, die mit Jesus nichts anfangen können. Die Stellung zu Jesus unterliegt, vorsichtig gesagt, Schwankungen. Zuerst einmal, damals, war Jesus ein Störer. / Dann, am Kreuz, ein Loser. / Dann für die ersten Christen und für die ersten Jahrhunderte, eigentlich bis ins Hohe Mittelalter, war Jesus der Herr. Man kritisierte vielleicht die Kirche, aber nicht Jesus. / Dann, zur Zeit unserer Ur-ur-großeltern ungefähr, war Jesus nur noch ein frommes Bildchen, der „Gute Hirt“, fad wie altes Spritzgebäck. / Dann, so etwa Mitte des letzten Jahrhunderts, war Jesus einer von vielen, genauso gut wie Mohammed oder Buddha oder der Dalai Lama. / Heute ist Jesus der Vergessene. Sogar in der Kirche. Zöge er heute Nachmittag in Lengfurt ein, wäre es still in den Straßen, die Leute hätten was Besseres zu tun. Dreimal dürfen Sie raten, welcher Zeit, welchem Jesus ich mich am nächsten fühle: dem Herrn. Sie verstehen: Die Beziehung zu Jesus hat viele verschiedene Formen, und sie sind keineswegs alle gleich gut. Vom ersten Anfang an war Jesus umstritten. Ist das nicht seltsam? Wenn Jesus doch vielen Menschen geholfen hat, / wenn seine Lehre so einleuchtend und so stark war, / wenn man bei Ihm eine Ahnung von Gott bekommen konnte, / warum haben Ihm nur manche Menschen geglaubt? Weil es schon damals schwierig war, Jesus zu folgen. Er wirkte Wunder, er trieb Dämonen aus. Das wurde damals nicht angezweifelt. Anders als heute hielten die Menschen Wunder für möglich. Ihr Problem war eher: Woher nimmt Jesus seine Kraft? Von Gott oder vom Bösen? Deswegen fordern sie immer wieder: Gib uns ein Zeichen vom Himmel. Aber Jesus gibt ihnen kein Zeichen. Er lässt sie weiter zweifeln. Auch die Auferstehung konnte nicht alle überzeugen. Kurz, der Moment, in dem alle glauben müssen, weil es so klar wird, der steht noch aus. Sie rufen in jeder Messe: „… bis du wiederkommst in Herrlichkeit.“ Das erst, das zweite Kommen des Herrn wird jeden Zweifel beseitigen. Es war schon damals schwierig, Jesus zu folgen. Weil es gefährlich war. Uns schrecken die Autoritäten nicht mehr (wenn wir in Russland leben würden, wäre das vermutlich anders). Aber damals musste man wirklich Angst haben vor einem Konflikt mit den Machthabern. Die Auftritte Jesus lösten Skandale aus. Es konnte gefährlich werden, sich ihm anzuschließen. Es war schon damals nicht leicht, Jesus zu glauben. Bei uns spielt die Familie keine große Rolle mehr. Niemand achtet mehr auf die richtige Heirat oder darauf, dass der Sohn den Beruf des Vaters weiterführt. Damals war die Familie alles. Jesus aber sprach immer wieder gegen die Familie. „Wer nicht Vater und Mutter verlässt…“, Sie erinnern sich. Damals führte der Ausstieg aus der Familie ins Niemandsland. Es ist immer noch nicht leicht, sich Jesus anzuschließen. Er ist ein Mann, allein das geht für viele gar nicht. Danke Weinstein, Epstein, Missbrauchspfaffen, Tate und Ulmen. / Alles, was mit Wundern, Weltuntergang, Gott zu tun hat, macht uns skeptisch. / Die Kirche scheint so verkommen, dass viele sie und ihre Lehre rundheraus ablehnen. Viele Theolog*innen lösen das Problem so, dass sie alles aus der Bibel herauskommentieren, war stören könnte. Alles Fremde, Steile, Anstößige wird wegargumentiert. Was bleibt? Langeweile. Ein Jesus, der allen gefällt. Ich will mein Leben nicht mit einem langweiligen Typen verbringen, geschweige denn so einem mein Leben schenken. Also, wenn Sie heute am Palmsonntag im Geist am Straßenrand stehen und Er vorbeizieht, was werden Sie tun? Wem werden Sie folgen? „Jeder ist willkommen!“, sagt man heute in der Kirche. Ja, jeder ist willkommen, – aber nicht zu den eigenen Bedingungen, sondern zu den Bedingungen Jesu. Jeder kann machen, was er will, heißt es heute. Ja, aber mit dem Risiko, dass Jesus irgendwann sagt: „Ich kenne euch nicht.“ Also, noch einmal: Wem werden Sie folgen? Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Lengfurt am 29. März 2026
