Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

Geistlicher Machtmissbrauch – Vortrag bei den Ordensexerzitien in Stift Schlägl

22/02/2026 


V. Vortrag bei den Ordensexerzitien in Stift Schlägl – 20. bis 22. Februar 2026

Geistlicher Machtmissbrauch

Motto

Der hl. Johannes Chrysostomus († 407) schreibt in seiner Auslegung zum Epheserbrief: „Tugend der Lehrer ist es, bei ihren Schülern nicht Ehre und Ruhm zu suchen, sondern das, was diesen zum Heil dient… Wer das andere sucht, wäre kein Lehrer, sondern ein Tyrann. Denn nicht deswegen hat Gott dich ihnen übergeordnet, damit du Ehre erfährst. Deine Interessen sollen keine Rolle spielen, aber alle ihre Interessen gefördert werden[1].“ 

Einführung

Ich weiß nicht, ob Sie Erfahrung haben mit der Geistlichen Führung. Haben Sie einen Beichtvater, den Sie regelmäßig sehen, der Sie kennt? Haben Sie oder sind Sie auf der Suche nach einem directeur spirituel, einem Geistlichen Führer? Haben Sie schon einmal versucht, einen zu finden und hatten keinen Erfolg, weil Sie keinen Priester fanden, der bereit war, Sie zu führen? Wohin eigentlich führen?

Anders gefragt: Wem kann ich vertrauen? Von wem kann ich mich führen lassen? Es gibt in diesem Zusammenhang ein paar grundlegende Tatsachen. Zum Beispiel diese: Menschen sind gerne Fans von dem und Gegner von der. Menschen haben auch gerne Fans, Anhänger und Follower. Es geht dabei um die Frage: Wie nahe kommen sich Menschen? Wie beeinflussen sich Menschen gegenseitig? Damit stehen wir ganz von selbst im Kontext der Macht, untergründig oder sehr explizit. Macht ist an sich neutral. Sie kann gut eingesetzt werden, sie kann aber auch missbraucht werden.

Frühe Kirche

Alle diese Fragen beschäftigten schon die frühen Christen. Die Briefe des Apostels Paulus zeigen die frühen christlichen Gemeinden strukturiert. Bei den ersten Christen gab es offenkundig Verantwortungsträger, Lehrer, Fachleute, es gab Beratungen, Streit und Friedensstifter, Autoritäten aller Art. Wie heute in einem Pfarrverband, in Frauenklöstern und Beichtzimmern, im SMRO… Irgendeine Macht gibt es immer.

Missbrauch der Macht

In den letzten Jahren flog auf, dass sehr charismatische, spirituelle, fromme Menschen, Menschen, die von anderen beinahe als Heilige verehrt wurden, dass solche Menschen (es waren Männer, aber nicht nur) andere geistlich (und auch sexuell) missbraucht hatten. Macht-Missbrauch in geistigen Dingen. Gesinnungsterror. Großes Entsetzen. Nun denken Rom und die Bischofskonferenz darüber nach, wie sich dieser Machtmissbrauch vermeiden lässt.

Ich würde behaupten: Missbrauch entsteht, weil Menschen gerne herrschen, weil sie nicht gerne alleine sind, weil sie Beifall wollen.

Grundlagen der geistlichen Führung

Kein Christ beginnt bei null, kein Christ tut nur, was er will, kein Christ geht den Glaubensweg alleine. Es braucht also Menschen, die den Glauben der Kirche kennen, ihn verstanden haben und weitergeben an andere. Für den innerlichen Weg der Getauften braucht es eine Anleitung: Seelsorger, die ihre Erfahrung teilen, Wissen vermitteln, raten. Das nennt man geistliche Führung.

In der Taufe und in der Firmung empfangen die Gläubigen den Heiligen Geist. Deswegen können wir ein wirkliches geistliches Leben führen. Der Heilige Geist gestaltet die Seele des Gläubigen, Christus führt uns auf dem Weg zum Vater. Das innerliche, geistliche Leben beeinflusst das ganze Leben des Menschen: Denken, Fühlen, Reden, Handeln, den Glauben, das Beten und das Leben in Gemeinschaft. Das Geistliche Leben führt, wenn es gut gelebt wird,

– zur Verbundenheit mit Gott

– zu größerer Freiheit,

– zu einer gesunden, edlen Bindung an die Mitmenschen und die Schöpfung

– und zu einer ebenfalls gesunden Beziehung zu sich selbst.

Das Geistliche Leben, der gelebte, vertiefte Glaube also, kann zu einem gelingenden Leben beitragen. Denn es vermittelt einen Sinn, Orientierung, Sicherheit und Freiheit. 

Seelsorge

Dabei braucht der Mensch Hilfe. Seelsorgerinnen und Seelsorger, geistliche Begleiterinnen und Begleiter helfen, das Leben am Evangelium auszurichten.

– Dazu dient der Erfahrungsaustausch mit anderen

– und die Vermittlung von Tradition und Wissen.

Andere Menschen spielen also eine Rolle (Kirche!), aber letztlich kann die Verantwortung für das geistliche Leben nicht von einem anderen Menschen oder einer Institution übernommen werden. Es bleiben die spirituelle Autonomie und die freie Gewissensentscheidung. Die Begleiter auf dem Geistlichen Weg müssen deshalb vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes in dem Menschen, den sie leiten; d. h. sie müssen die Freiheit des anderen unbedingt ernst nehmen. Sie müssen sich hüten, dem Begleiteten ihre eigenen Vorstellungen aufzuzwingen. Seelsorge darf nicht zur Abhängigkeit vom Seelsorger führen. Die spirituellen oder physischen Rechte des Begleiteten dürfen nicht absichtlich verletzt, unterdrückt oder ausgeschaltet werden. Es kann also nicht um eine vermeintlich einzig richtige Spiritualität und einzig gottgewollte Lebensweise gehen. Das widerspräche der Freiheit des Menschen und dem Wesen der Kirche. 

Dies hat seinen Grund letztlich im jüdisch-christlichen Gottesbild. Wir glauben einerseits, dass Gott und sein göttliches Handeln in der Geschichte erfahrbar und erkennbar sind, dass Gott aber zugleich der „ganz Andere“, ein Mysterium bleibt.

Wir glauben auch, dass der Mensch immer größer ist als die Summe der über ihn möglichen Aussagen. Er ist also frei und letztlich spirituell selbstbestimmt.

Einseitige Gottes- wie Menschenbilder, eine dezidiert pessimistische Weltsicht oder ein elitäres Kirchenverständnis können zu geistlichen Engführungen beitragen. Beim Geistlichen Missbrauch werden christliche Werte, biblische Texte, kirchliche Vorgaben, theologische Aussagen missbräuchlich instrumentalisiert oder pervertiert. Frömmigkeitspraktiken z. B. werden unzulässig vereinfacht, indem sie als allein heilbringend dargestellt werden. Manipulation geschieht auch durch Verschweigen, Vorenthalten oder Unterdrücken von Kenntnissen und Informationen, weil die Verantwortlichen z. B. aus Angst oder eigener Unwissenheit keine Infragestellung im geistlichen Leben zulassen wollen.

Gewachsene Wachsamkeit

In den letzten Jahren hat sich ein Sinn entwickelt für die Risiken solcher Führung, für den Geistlichen Machtmissbrauch, – der, muss ich es extra sagen, nicht gleich ein sexueller Missbrauch ist. Gefördert wurde dieser Sinn durch die bekannt gewordenen Fälle geistlichen Machtmissbrauchs in der katholischen wie in der evangelischen Kirche[2]. Vereinfachend kann man sie so beschreiben: Höchst angesehene spirituelle Meister, Gründer von Gemeinschaften, Autoren geistlicher Werke entpuppten sich als Menschen, die andere geistlich (und eben dann auch sexuell) missbraucht hatten.

Inzwischen beschäftigen sich sowohl der Heilige Stuhl als auch Bischofskonferenzen mit dem Thema Geistlicher und Spiritueller Missbrauch. Dabei geht es nicht nur um Machtmissbrauch durch kirchliche Amtsträger. Auch andere Seelsorger*innen, geistliche Begleiter, Ausbildungsleiterinnen oder Religionslehrern können ihre geistliche Autorität missbrauchen. Diese beruht ja nicht nur auf einem kirchlichen Amt, sondern auf der Aufgabe selbst und dem Vertrauen. Der Geistliche Machtmissbrauch ist also kein Priester-Problem allein.

Geistlicher Missbrauch basiert auf einer Verwechslung von geistlichen Personen mit der Stimme Gottes. Der Missbrauch geistlicher Autorität wird legitimiert, indem Menschen sich selbst mit der „Stimme Gottes“ identifizieren oder von anderen (!) mit ihr gleichgesetzt werden. Verschärft wird das Problem, wenn spirituelle Elemente als Vorwand oder Motivation für sexualisierte Beziehungen genutzt werden[3].

Der Missbrauch geistlicher Autorität verkennt, dass Gott ein Geheimnis bleibt und der Mensch auch. Dieses Verkennen verleitet zu Fehlschlüssen wie „Ich weiß, was für Dich gut ist, ich weiß, was Gott von Dir will“. Geistlich missbrauchende Personen geben häufig vor (oder sind davon überzeugt), im Namen Gottes zu handeln und zu sprechen. Macht und Autorität spielen eine wesentliche Rolle, wenn es um geistlichen Missbrauch geht.

Moralische Autorität und Ansehen entstehen, weil eine Person wegen ihres guten Charakters, ihres Wissens oder ihrer Weisheit respektiert wird: als Quelle der Orientierung oder als Beispiel für korrektes Verhalten.

Solches Vertrauen kann aber auch zu Abhängigkeitsverhältnissen führen. Denn Vertrauen erhöht die Bereitschaft, sich zu öffnen, sehr persönliche Details von sich preiszugeben und auf den Ratschlag eben dieser Person zu vertrauen und sie nicht infrage zu stellen. Vertrauen spielt bei sämtlichen Formen von Missbrauch eine entscheidende Rolle. Entsprechend zerbricht das Vertrauen der missbrauchten Person in den Täter, in andere Menschen, aber oft auch in Gott, wenn sie erkennen muss, dass sie von einer Person, der sie vertraut hat, missbraucht wurde.

Elite

Häufig ist es die Askese, die der Macht ihren Weg bahnt; jene Askese, die Religionsführer aller Art von ihren Gläubigen erbitten oder erzwingen[4]. Dabei spielt der Glaube, eine besondere göttliche Erwählung zu haben, eine zentrale Rolle. In den neuen Geistlichen Gemeinschaften nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geht es oft um nichts weniger als um die Rettung der Kirche[5]. Das wird ungefähr so formuliert[6]: „Die Gemeinschaft ist stark von der Überzeugung bewegt, dass der Herr bald kommt und dass man sein Kommen beschleunigen kann, indem man durch den Lobpreis, die Schönheit der Liturgie und das geschwisterliche Leben das Himmelreich vorwegnimmt.“ Die Rettung der Kirche, die Vorwegnahme des Himmelreichs: hohe Ziele!

In diesem Zusammenhang muss man auch wissen, dass wer sich in den Dienst der höheren Sache stellt, sich in besonderer Weise erwählt fühlt. So entsteht ein spirituelles Elitebewusstsein: Wer bei uns mitmacht, dient dem Reich Gottes, wer dazu nicht bereit oder in der Lage ist, gehört nicht dazu. Beispiel: Der Jugendliche, der sich heute aus religiösen Gründen dazu verpflichtet, vor und außerhalb der Ehe keinen Sex zu praktizieren, grenzt sich ab gegen die anderen, die nicht so leben. Das führt zu dem, was die Soziologen einen Distinktionsgewinn nennen. In Gemeinschaften bestärken Menschen sich gegenseitig im Bewusstsein außergewöhnlicher Erwählung. Das Elitebewusstsein bestärkt auch die Opferbereitschaft: Wir folgen Jesus und sind bereit, die Konsequenzen zu tragen. So kann das gemeinschaftliche Gebet an einem besonderen Ort, zu besonderem Anlass, in einer möglichst großen Versammlung zu einer geradezu berauschenden Machterfahrung werden. Damit steigt aber die Verletzungsgefahr.

Aufgabe der Geistlichen Führung

Was ist der Sinn der Geistlichen Führung? Nun, zum Beispiel die Objektivierung.

Die Desillusionierung.

Der Rat der Erfahrung.

Oder die Vermittlung von Wissen. Der geistliche Führer mit einer gewissen Kultur kann Ihnen z. B. raten, was Sie lesen sollen – und was nicht.

Wer andere geistlich führt, wird darauf achten, dass es nicht im ganz Subjektiven, Launischen bleibt. Er räumt Illusionen aus dem Weg. Er hilft zu Abstand und einem gesunden Urteil. Geistliche Führer müssen geerdet sein, nüchtern, klar, reif. Deswegen war es jungen Priestern früher verboten, Beichtväter zu werden.

Ein guter geistlicher Führer vermeidet diffizile, überdrehte Debatten, denn er ist gebildet, aber auch einfach.

Dem Menschen, den er führen soll, begegnet der gute Seelsorger mit Diskretion, d. h. mit einem Sinn für Zurückhaltung und Unterscheidung. Er erkennt Zusammenhänge, sieht die Folgen. Er ist distanziert, aber nicht kalt; manchmal streng, aber niemals unverschämt.

Ein Führer lässt sich selber führen: Pfarrer, Kapläne, Oberinnen, WoGo-Leiter, Leiterinnen von Gebetsgruppen oder Firmhelfer: Wenn die es richtig machen, dann gehorchen sie selbst dem Evangelium und der Kirche. M. a. W. Katechismus statt Privat-Offenbarungen. 

Missbrauch. Warnsignale

In einem Punkt ist Klarheit besonders vonnöten. Ganz sicher ist der Sinn der geistlichen Führung nicht Freundschaft oder, schlimmer noch, Jüngerschaft. „Nur einer ist euer Meister! Nur einer ist euer Lehrer[7]!“ Das ist das Gerichtswort des Herrn über alle Begleiter*innen, die Fans um sich selbst sammeln, ihre Macht also für sich gebrauchen.

Angesichts der vielen Fälle von geistlichem Machtmissbrauch rate ich Ihnen: Seien Sie streng mit allen, die predigen, Interviews geben, irgendetwas leiten. Seien Sie auch streng mit sich selbst: Was suchen Sie wirklich? Einen sympathischen lustigen Priester auf Ihrer Linie? Ist es wirklich das, was Ihre Seele braucht?

– Schauen Sie hin: Verkünden diese Männer und Frauen sich selbst oder verkünden sie Christus?

– Trauen Sie nur Leuten, die alleine bleiben können. Die Ihnen gut wollen, aber nicht unbedingt Ihre Spezln werden wollen.

– Achten Sie genau darauf, ob die Seelsorger Sie freisetzen. Wenn man Sie auf einen ganz bestimmten Weg zwingen will, sagen Sie nein. Wenn eine Ihnen sagt: „Ich weiß, was Gott von Dir will“, laufen Sie weg! Gott ist auch für Seelsorger ein Geheimnis.

– Wenn er Kritik nicht aushält, wenn er mit Schuldgefühlen arbeitet, gehen Sie weg von ihm. – Seien Sie vorsichtig, wenn ein Seelsorger Sie ins Vertrauen zieht und Ihnen von seinen eigenen Problemen erzählt, anstatt Ihnen aufmerksam und gehorsam zuzuhören. Die professionelle und die persönliche Ebene darf man nicht vermischen. Ein kluger Seelsorger empfängt nicht in seinem Wohnzimmer.

– Jagen Sie die geistlichen Führerinnen und Führer in die Einsamkeit und die Stille. Sie sollen Jesus suchen, nicht sich ihren eigenen Jesus machen. Das Evangelium und die Lehre der Kirche stehen turmhoch über privaten Ansichten. Deshalb stehen alle guten Seelsorger immer von Neuem vor einer schmerzhaften, schonungslosen Gewissenserforschung: Damit sie nicht ihr eigenes Ding machen. „Damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird[8].“

Woran lässt sich erkennen, dass in einer Gemeinschaft geistlicher Missbrauch eine Gefahr darstellt? Es gibt ein paar Elemente, die wachsam machen sollten:

– Stolz auf „Missionserfolge“

– Wer mithalten will, muss immer mehr persönliche Opfer bringen, um zum Erreichen der hohen Ziele beizutragen.

– „Die Gemeinschaft strahlt Freude aus.“ Freude wird zum Erkennungszeichen der Erwählung. Eine Art Freuden-Zwang.

– Eindruck von Ordnung und Disziplin, Homogenisierungsdruck. Kritische Stimmen werden systematisch unterdrückt.

– Spiritueller Stolz und Diskreditierung anderer Menschen, die nicht zur Gemeinschaft gehören. Das führt zur Isolation von Menschen außerhalb der Gemeinschaft.

Man kann es vielleicht so formulieren: Je stärker der Erwählungsglaube und je höher das Ziel, desto höher wird die Verletzungsgefahr. Selbstverständlich können Menschen Opfer bringen, um sich in den Dienst einer höheren Sache zu stellen, aber so können auch Opferspiralen entstehen, bis es zu jenem Kipppunkt kommt, an dem aus anfänglicher Stärkung eine Schwächung des Selbstbewusstseins wird; also Zerstörung statt Aufblühen des Lebens.

Es gibt offenbar Täterstrategien, die fast stereotyp begegnen. Zum Beispiel spirituelle Manipulation als Anbahnung des sexuellen Missbrauchs. Täter sprechen von der heilsamen Liebe Gottes, die sie durch ihre Taten zum Ausdruck bringen würden. Ein spirituelles Framing wie etwa „gemeinsam beten“ wird für die sexuelle Interaktion gebraucht.

– Charakteristisch ist auch, dass dem Opfer die Schuld zugeschoben wird (victim blaming). Der Raum dafür sind z. B. auferlegte Bußgebete, Eucharistiefeiern auf engstem Raum, bei denen nur der / die Betroffene anwesend ist; die Androhung, dass ohnehin niemand dem Opfer angesichts der Beliebtheit und Autorität des klerikalen Täters glauben würde usw.

– Täter oder Täterinnen stellen sich in Anbahnung, Inszenierung und „Bewältigung“ zwischen Gott und die betroffene Person. Sie interpretieren das Leben für die Betroffenen (Marie-Dominique Philippe op hielt sich zugute, dass er „immer die Jungfräulichkeit“ einer jungen Frau bewahrt habe; er behauptet sich also als Experte des moralisch Erlaubten).

– Der Täter zieht das Opfer ins Vertrauen. Er erzählt von seinen Problemen. Das „ehrt“ das Opfer. Gleichzeitig überfordert er es völlig: Vermischung von professioneller und persönlicher Ebene.

– Vertrauen ist ein weiteres Basiselement sämtlicher Missbrauchsformen. Es kann nicht nur die Macht der missbrauchenden Person verstärken, sondern auch zu emotionalen oder geistlichen Abhängigkeitsverhältnissen führen.

– Zu nennen sind auch: „Freundschaften“. Personenkult. Geheimnisse (Außenstehende dürfen nichts erfahren).

Wie geht der Täter mit Kritik um? Ist er beleidigt? Ermuntert er Kritik? Setzt er frei? Die Fähigkeit zum Lernen ist dabei genauso wichtig wie die Bereitschaft, sich zu entschuldigen, wenn Grenzen verletzt wurden.

– Orthodoxie (Philippe nahm seinem Opfer die Beichte ab: ein klarer und schwerer Verstoß gegen das Kirchenrecht)

– Gesunder Menschenverstand.

– Distanz und räumliche Grenzen (Sprechzimmer / eigene Wohnung) 

Schlusswort

Leo XIV. an die Bewegung des Neokatechemunalen Weges, Jänner 2026: Die Verkündigung des Evangeliums muss „immer frei sein von Formen des Zwangs, der rigorosen Strenge und von Moralismen, damit diese nicht Schuldgefühle und Ängste erzeugen, statt die Menschen innerlich zu befreien“.

[1] Stundengebet der Kirche, Lesehore am Samstag der 19. Woche i. J.

[2] „Ende Januar 2024 wurde die Forum-Studie veröffentlicht, die sexualisierte Gewalt und andere Missbrauchsformen in der Evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland untersuchte (vgl. HK, März 2024, 24–26). Überraschung und Erschütterung waren bei zahlreichen Verantwortlichen und in der Öffentlichkeit groß: Auch in der Evangelischen Kirche gibt es unzählige Betroffene sexueller Gewalt, obwohl doch ein für die römisch-katholische Kirche charakteristischer Risikofaktor, die Verpflichtung von Priestern zum Zölibat, im Protestantismus keine Rolle spielen konnte. Von den 511 beschuldigten Pfarrpersonen waren drei Viertel zum Zeitpunkt der Ersttat verheiratet; 99,6 Prozent waren Männer.“ (Regina Heyder, Missbrauchsmuster im konfessionellen Bereich, S. 1).

[3] „Pesneau [ehemalige Karmeltin] begegnete ihm [Philippe op]mit großem Vertrauen; sie glaubte an die unhinterfragbare Autorität des Priesters, des „Stellvertreters Gottes“, der sich in ihren Augen durch sein Alter, seine theologische Expertise und Erfahrung auszeichnete. Dies alles wurde gestützt durch seinen Ruf: „In den Augen meiner ganzen Kommunität galt er als heiliger Mann.“ Schon bei der ersten Begegnung ergriff Philippe die Hand der Karmelitin, küsste jeden einzelnen ihrer Finger, um sie, wie er sagte, „die Liebe Jesu zu mir spüren zu lassen“. Diese Legitimationsfigur sollte in verschiedenen Variationen begegnen – Philippe sprach von sich als „Gottes kleines Werkzeug“; er versicherte, alles zu nehmen, aber nichts zu behalten. Alles ist für Ihn.“ (Heyder, S. 2). – Philippe nahm Pesneau die Beichte ab: klarer und schwerer Verstoß gegen das Kirchenrecht.

[4] Mehr dazu bei Keul.

[5] Vgl. Hoyeau (?), Der Verrat der Seelenführer. Macht und Missbrauch in Neuen Geistlichen Gemeinschaften, Freiburg 2023, SS. 61–93

[6] Zitat bei Keul.

[7] Mt 23,10.

[8] 1 Kor 1,17.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf vollständige und exakte Quellenangaben. Die Fußnoten entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Standard. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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