Fest des Heiligen Stephanus
Fest des Heiligen Stephanus Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes „Stille Nacht“ und das mit dem Kind in der Krippe funktionieren gut: Alle sind gerührt. Bei manchen wird aus der Rührung Glaube und aus dem Glauben wird Mut. Andere gehen von der Rührung zur Rührseligkeit. Zur Sentimentalität. Dann bleibt alles beim Alten: immer Kindlein, nie Mann. Immer Anselm Grün, nie Evangelium. Immer synodaler Weg, nie Kirche. Lieber Wortgottesdienst als Heilige Messe. Lieber Kinder als Alte. Alles sehr verständlich, gerade heute, wo die Welt so grauslig ist. Da brauchen die meisten Wärme und Geborgenheit. Stephanus ging hinaus auf die Plätze, wo es zieht. Wo gestritten wird. Sie haben vielleicht fast schon die Kurve gekriegt: Feiertage ohne Familienkrach, uff. Ich freue mich für Sie, denn ich weiß, wie belastend ein Streit sein kann, wie anstrengend, besonders, wenn es ein dummer Streit ist. Ich weiß aber auch: Die Kirche gibt es nicht ohne Streit. Jesus kam nicht bei einem Fahrradunfall ums Leben, Stephanus ist nicht als alter Mann sanft entschlafen. Stephanus ist ein Großer, nicht weil er gerührt war, sondern weil er geglaubt hat – an Christus. Rührseligkeit führt zur x-ten Wiederholung von „Der kleine Lord“, Glaube und Mut führen zum ersten Märtyrer unserer Kirche. Ist es Ihnen aufgefallen? Die Kirche beginnt in der Nacht, in Ställen oder Höhlen, in einem gemieteten Zimmer wie beim Letzten Abendmahl, im Grau der Vorstädte. Die Kirche beginnt dort, wo keiner sein will. „Sie trieben ihn zur Stadt hinaus… so steinigten sie den Stephanus.“ Das ist der Weg der Kirche: Hinaus vor die Stadt, in die Wüste, in die Wälder, hinaus aufs Meer. Zu neuen Kontinenten. Wer nur sucht, wo es am angenehmsten ist und am sichersten, der hat von der wahren, heiligen Kirche keine Ahnung. Der kennt Christus nicht, die Mitte der Kirche. Stephanus kannte ihn: „Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah Jesus zur Rechten Gottes stehen.“ Stephanus kannte den wahren Jesus. Dass er von Ihm sprach, am falschen Ort, zur falschen Zeit, kostete ihn das Leben. In vielen Ländern der Erde werden heute die Christen verfolgt. „Die am meisten verfolgte Religion der Welt“, heißt es in einem offiziellen Bericht. Manche freut das: „Geschieht den Christen recht. Siehe Kreuzzüge, Inquisition usw.“ Was ist aus einem Menschen geworden, der so denkt? Die Statistiken der antichristlichen Zwischenfälle wird es wohl brauchen, schon um den Opfern irgendwie beizustehen. Wohl ist mir dabei nicht. Ich bewundere eher die, die verfolgt werden und schweigen. Die ahnen, dass das Schwere, das sie erleben, einen Sinn hat. Ich finde, man soll anderen helfen, aber nicht lange klagen, wenn es einen selber trifft. Jesus tröstet die weinenden Frauen, als er selbst in den Tod geht. Dass die Opfer des Missbrauchs öffentlich klagen, tut der Kirche gut; dass aber irgendein beleidigter Diakon oder irgendwelche Nonnen die Zeitungen und das Internet volljammern, weil sie finden, sie seien von irgendwelchen Oberen nicht richtig behandelt worden, finde ich … peinlich. Am Diakon Stephanus ist gar nichts peinlich. Er ist einfach mutig. Er steht drüber. Vielleicht geht das, wenn man gelernt hat, mit Streit umzugehen. Erste Lektion: Es gibt kein Leben ohne Konflikt. Seien Sie realistisch. Sie wissen doch, was Jesus sagt: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.“ Die Welt tritt nach, wenn du am Boden liegst. Ist so. Ein Zweites. Lernen Sie zu unterscheiden zwischen wichtig und unwichtig. Stephanus streitet nicht um Schmarren, nicht für sich, sondern er führt Streit um die Wahrheit von Jesus Christus. Haben Sie je für Christus gestritten? Oder immer nur gegen den Zölibat? – „Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“, heißt es im Evangelium. Die meisten trauen sich noch nicht einmal, im Büro zu erwähnen, dass sie am Sonntag in der Kirche waren. Die Leute könnten ja blöd schauen… Noch etwas Wichtiges beim Streiten: Lernen Sie, richtig zuzuhören. Geduldig. Demütig. Sympathie muss nicht sein, Respekt schon. Das führt zu Verstehen und damit zur Vermeidung von Streit. Lernen Sie zu verzeihen. Es muss heißen: „Bitte verzeih mir!“ Nicht „Ich entschuldige mich!“ Man kann sich nicht selbst ent-schuldigen. Lernen Sie auszuhalten. Stephanus läuft nicht davon. Jesus läuft nicht davon. Sie haben in Ihrer Firmung die Kraft zum Standhalten bekommen. Lernen Sie, Ihr Blut zu geben. Ihr Herzblut. Können Sie Mutter sein, Vater sein, ohne Ihr Herzblut daran zu geben? Trainer sein oder Spielerin, ohne ihr Herzblut zu geben für den Sieg? Warum denken Sie dann, Sie könnten glauben, ohne zu bluten? Und schließlich: Lernen Sie, wann Sie schweigen sollten und wann Sie reden müssen. Schlechte Laune ist kein Grund zu Reden. Die Wahrheit schon. Recht haben wollen, ist kein Grund zu streiten. So wichtig bin ich nicht, so wichtig sind Sie nicht. Christus bekennen, das ist wichtig. Riskieren Sie was für Ihren Glauben. Bleiben Sie standhaft. Also: Etwas Klugheit, etwas Disziplin, viel Schwäche – und die Kraft Christi. Denn es war nicht Stephanus, der bestanden hat, sondern es ist Christus in uns, der besteht. Immer und immer wieder, bis ans Ende der Welt. FÜRBITTEN Wir beten in Stille – also heute kein Ruf nach den Fürbitten – für die verfolgten Christen Für die Schulkinder in den großen Städten, die bedrängt werden, weil sie Christen sind. Wir beten für die Verfolger. Wir beten um Mut und Furchtlosigkeit. Um das richtige Wort. Um Klugheit. Um den Heiligen Geist Wir beten für unsere Kranken. Wir beten um eine ruhige, gesegnete Weihnachtszeit für unsere Freunde. Wir beten für unsere lieben Toten Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Waldzell am 26. Dezember 2025
