Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Weihnachten 2025

25/12/2025 


Die Predigt zum Anhören

Weihnachten 2025
Predigt in Marktheidenfeld St.-Joseph am 25. Dezember 2025

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ich bin ratlos. Die Krippe sagt mir nichts. Nicht viel. Vielleicht bin ich gerührt, das schon; erinnere ich mich an meine Kindheit oder denke an die schwierige Lage der Heiligen Familie, aber im Grund sagt das Kind mir nichts.

Hell wird es erst, wenn ich daran denke, was aus diesem Kind wurde. Sie hier können vielleicht mit der Gestalt Jesu Christi nicht viel anfangen, in Ihrem Herzen tut sich vielleicht mehr, wenn Sie an das Kind und seine Mutter, an Ochs und Esel denken. Bei mir geht das nicht mehr. Mich fasziniert der Erlöser. Ich will erlöst werden. Sie nicht? Wollen Sie erlöst werden? Wollen Sie aufatmen? 

So frage ich, so denke ich, – aber wer von Ihnen wird diesen Schritt mitgehen? Werde ich in dieser Nacht / an diesem Christtag auch nur einen von Ihnen für Christus gewinnen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber: Der moderne Christ muss zur Not (!) alleine glauben können.

Wenn einer – ein Heide, eine Heidin – Sie fragte: Wozu habt Ihr Weihnachten, dann wäre die einzige wirklich christliche Antwort: zur Erlösung. Weihnachten geschah, um die Menschen zu erlösen.

Diese Antwort ist richtig, aber nutzlos. Predigten, in denen Sie mit Behauptungen und Moral-Appellen abgefertigt werden, sind nutzlos, ergo falsch. Die Menschen von heute begegnen der Kirche und dem Glauben mit Fragen. Und mit Vorwürfen. Das ist ihr gutes Recht. Also darf, wer predigt, nicht einfach behaupten. Der Prediger muss Gründe geben, gute Gründe. Er muss verteidigen. Oder um Verzeihung bitten. Er muss die eigenartig schönen Worte des Glaubens erklären, nicht bloß hersagen. „An Weihnachten wurde der Erlöser geboren“, – was soll das bedeuten, Erlösung? Wovon? Wozu?

So viel darf man vom Personal der Kirche erwarten: dass es sich die Mühe macht, zu studieren, zu verstehen, zu wissen und liebevoll zu erklären. Dann haben wir eine Chance.

Wenn wir hier diskutieren könnten und auch streiten, würden Sie mir vielleicht sagen: Na, Weihnachten ist doch da für die Geschenke und für die Familie. Jeder Geschäftsmann und jede Schwiegeromama würde Ihnen Recht geben. Ich nicht. Geschenke? Ich bin nicht mehr sechs Jahre alt. Ich bin erwachsen. Ich will einen Glauben für Erwachsene!

Weihnachten und Familie? Ganz viele Menschen haben keine Familie. Und was taugt eine Familie, die es nur einmal im Jahr zusammenschafft? Was soll man von Menschen halten, die ihre Eltern im Pflegeheim nie besuchen? „Die Mutter kriegt eh nichts mehr mit.“ Auch nicht, dass du ihre Hand hältst? Diese Welt braucht mehr als fragwürdiges Familienglück.

Wovon kann Christus Sie erlösen? Überlegen Sie gut!

Von der nächsten Finanzkrise? Vom Klimawandel? Von jenem Politiker? Kaum. Der Jesus der Evangelien macht immer wieder klar, wofür er nicht zuständig ist. Nicht für Erbstreitigkeiten und nicht für das Wetter, nicht für Beerdigungen („lass die Toten ihre Toten begraben!“), nicht für Wunder auf Wunsch („Frau, meine Stunde ist noch nicht gekommen“), nicht für Verurteilungen („Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf diese Frau“), nicht für politischen Umsturz („Mein Reich ist nicht von dieser Welt“). Für all dieses Zeug ist Jesus nicht da.

Werden Sie also mit diesem Erlöser etwas anfangen können? Grundfrage von Weihnachten. Was macht dieser Christus? Er heilt. Sie wissen alle, dass ein einziges Wort verwunden kann, töten kann, eine Ehe z. B. Jesus heilt von tödlichen Verwundungen. Er heilt böse Strukturen. / Er vergibt, damit es weitergehen kann. Wer nicht vergibt, blockiert. /

Jesus widersteht dem Bösen, jener Kraft, die vernichten will. / Jesus verkündet das Reich, d. h. die Herrschaft Gottes (…). Und Er sagt Sätze, die man nicht mehr loswird und setzt sein Leben für diese Worte ein. Er ist der Mann, der nicht nur daherredet. Das alles ist Erlösung. Das ist das „Leben in Fülle“, von dem das Evangelium spricht (Joh 10,10). Also, gibt Jesus Ihnen, wonach Sie sich sehnen? Dieser Jesus, der nicht fesselt, sondern frei macht. Der ein ernster Mann ist, aber einem keine Angst macht (Trump z. B. ist unernst, aber er macht Angst). Christus gibt mir das tiefe Gefühl, das Wissen, dass das Ganze hier einen Sinn hat. Das ist mir Erlösung.

Ist Jesus also ein Vorbild? Setzt er irgendwelche Psycho-Tricks in Gang? Ist er ersetzbar, also genauso gut wie jeder andere Guru? Dreimal nein. Christus ist eine machtvolle, lebendige Realität, keine Erinnerung, keine Idee. Er lebt. Ich kann ihm begegnen. Er gibt mir reale Kraft in die Seele, trägt mich, verändert mich. Und ich merke es oft erst so spät…

Mit Christus muss ich nicht bleiben wie ich bin. Nichts muss so bleiben wie es ist. Weihnachten ist der Moment größter Offenheit und das in dieser Welt, wo alles so verfahren ist! Der Mensch, dieser Mensch ist geboren, nicht um zu sterben, sondern um etwas Neues anzufangen. Uns ist ein Kind geboren. Wir sehen es an – und können wieder vertrauen.

Ohne Vertrauen keine Erlösung. Ist so.

FÜRBITTEN

An der Krippe sagt dir keiner „alles schlecht“.
Er sagt dir: „Es wird gut.“
Wir beten um den Frieden von Weihnachten. – Nach den Tagen der Hektik beten wir einfach in Stille.

Dieses Kind ist stärker als sie denken.
Wir beten um die Zerstörung des Falschen, / der Lüge, / des Scheins. – Stille.

Der Erlöser heilt.
Wir beten um die Heilung von Trotz, Widerstand, Misstrauen und Trägheit.
Wir beten um die Heilung vom Unglauben.
Um Erlösung von Hoffnungslosigkeit und von der Verachtung für sich selbst.
Wir beten um die Heilung vom harten Herzen und von der Angst.
Wir beten um Klarheit. – Stille.

Die Krippe, das Kreuz, das Grab… Gott gibt nie das, was wir erwarten, nie Glanz und Herrlichkeit sichtbar für alle. Gott enttäuscht diese Welt.
Wir beten um Liebe zu Gott. – Stille

Moderne Zeiten:
Jeder arbeitet an sich selbst;
keiner kommt auf den Gedanken, dass man mit anderen zusammenarbeiten könnte (das fängt schon damit an, dass niemand mehr gemeinsam fernsieht; jeder schaut seinen eigenen Film…).
Wir beten um Gemeinschaft unter den Menschen von Steinfeld / Trennfeld / Marktheidenfeld. Wir beten für die Familien an Weihnachten. – Stille

Wir beten um Donner und Blitz oder mildes Licht für Herrn Putin, Herrn Trump, Frau Weidel und Frau Reichinnek.
Gib, du Göttliches Kind, milde Liebe in die Herzen! – Stille

Wir beten für die, die im Stadion Weihnachtslieder grölen: Lass sie nachdenklich nach Hause gehen. – Stille

Wir beten für alle, die jeden Tag Schmerzen haben. Zeige ihnen, wie das geht: mit Jesus zu leiden und für andere zu leiden. Lass sie den Sinn ihrer Schmerzen sehen. – Stille

Wir beten für alle die, welche letztes Jahr noch mit uns gefeiert haben und jetzt tot sind. – Stille

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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