Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis
Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis (Dan 5) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Mene mene tekel u parsin / Gezählt – Gewogen – Geteilt / Aus – Urteil – Untergang. Warum nicht mal feiern? Warum nicht mal ordentlich saufen? Was ist gegen einen Spaß einzuwenden? Und sind die besten Späße nicht die, die ein wenig zu weit gehen? Das, was anderen heilig ist, mal hernehmen für Spott und Spaß, warum nicht? Ja, mag sein. Mag sein, dass Partymeile und Ballermann nicht schlimm sind; mag sein, dass der Parteitag nichts Böses ist; mag sein, dass zwei Stunden auf Instagram vertan gar nicht saudumm sind. Der schrecklichste Moment in dieser Geschichte aus dem Buch Daniel ist der kurze Augenblick, in dem die Hand anfängt, an die weiße Wand zu schreiben und noch keiner im Festsaal aufmerkt. Alle feiern, und das Ende ist schon da. Der Eisberg hat den Rumpf des Schiffes schon aufgerissen, droben lachen und tanzen alle, aber das Ende ist schon da. Zwei Stunden und 40 Minuten später lag die Titanic am dunklen Grund des Eismeeres. Wir wissen nichts. Wir kennen die Stunde nicht. Aber die Uhr läuft. „Eine dieser Stunden wird deine letzte sein“, lese ich auf einer alten Standuhr. Sie feiern, sie tratschen und schimpfen, sie schauen Fern, sie „recherchieren“ im Internet, sie planen Gottesdienste und sitzen in Meetings und die ganze Zeit läuft nicht nur die Uhr, sondern es läuft die andere Wahrheit. Die wahre Wahrheit. Es laufen die Heilsgeschichte und die Geschichte dieser Welt gleichzeitig. Die meisten glauben nicht, dass Gott handelt. Gott gibt es gar nicht, Gott tut nichts, Gott schaut nur zu, Gott ist ein Hirngespinst, Gott ist irgendwann mal, aber nicht jetzt. Manche, die, die wirklich glauben, sehen ab und an helle, kurze Lichter und ahnen die Wahrheit. Manchmal, im Nachhinein, wissen sie: Gott war da; hier, an dieser Stelle hat er gehandelt. Die Schrift an der Wand ist noch einen Moment lang zu sehen, dann verschwindet sie wieder. „Belsatzar aber ward in selbiger Nacht / von seinen Knechten umgebracht.“ (Heinrich Heine) Die gesamte Heilige Schrift, der Advent, der bald beginnt, das Weihnachtsfest, alles das erzählt von nichts anderem als diesem: Das Handeln Gottes läuft schon. Wir sprechen von „Heilsgeschichte“, vom langen stillen Weg, der von Adam, Abraham, Mose, den Propheten bis zu Christus führt und dann hinein in die Kirche. In Wahrheit glauben wir aber an die Geschichte der Märkte, Konferenzen, Begegnungen, Pläne und Erledigungen. Wir nennen es Heilsgeschichte, dieses Handeln Gottes und interessieren uns nicht dafür, wer das ist, der da handelt. Wir meinen Gott zu kennen. Aber was wissen wir? Wissen wir, dass wir gerettet werden? Wissen wir, was aus unseren Lieben wird vor Gott, und was aus denen, die nicht glauben? Die glauben könnten, aber es nicht tun? Wissen wir, was unsere Sünde ist? Wissen wir, was aus den Feinden Gottes wird? Heilsgeschichte bedeutet auch Warten, Warten, Warten. Nicht verstehen. Vergessen. Sie bedeutet Rettung, aber auch Verwerfung. Nein, nichts gegen die Feste. Nichts gegen die Weihnachtsfeiern. Alles gut. Doch vielleicht hebt die Hand schon an zum ersten Buchstaben. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius am 26. November 2025
Mene mene tekel u parsin.
Es wird gezählt und es wird ein Ende gemacht.
Es wird gewogen und Du bist zu leicht. Nur Spreu im Wind.
Es wird geteilt. Das Heil wird anderen gegeben.
Ende – Urteil – Untergang. Oder Rettung.
