Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

Fest der Heiligen Katharina von Alexandrien

25/11/2025 


Die Predigt zum Anhören

Fest der Heiligen Katharina von Alexandrien (Röm 5,1-5)
Predigt in Trennfeld am Main am 25. November 2025

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Die Erde ist keine Scheibe, auf den Herbst folgt der Winter, und die Kirche hat von jeher die Frauen unterdrückt. Das sind die Überzeugungen des modernen Marktes. Manche richtig, manche falsch.

Ich schaue mir die Frauen der Kirchengeschichte an – Cäcilia z. B., Barbara, Birgitta, Katharina von Siena, Theresia von Avila oder die Heilige dieses Tages und denke mir: „Hm, hm… unterdrückt wirken die nicht; bescheiden, demütig leise hinterm Herd auch nicht. Sie alle hatten Schwierigkeiten mit den Männern, stimmt, aber am Ende haben sie gewonnen. Die Männer um sie sind vergessen, diese wunderbaren Frauen sind da; wir feiern sie. Wenn Sie Internet haben, suchen sie mal nach dem spanischen Maler Zurbaran und seine Darstellungen der heiligen Jungfrauen. Es wird Ihnen ein Licht aufgehen über Frauen in der Kirche. Das sind Frauen, die sich für Christus entscheiden. Jesus ist nicht geldgierig, er braucht keine gute Partie, er weiß nicht alles besser, er will auch nicht mit jeder ins Bett, um dann anzugeben. Jesus sagt übrigens auch nicht, der Frauenkörper sei böse, wie es jetzt eine russische Künstlerin behauptet. Dafür hasse sie Jesus, schreit die Frau (zu sehen kürzlich auf 3 Sat, wenn ich mich recht erinnere).

Zurück zu den Heiligen. Ich frage mich: Könnte es nicht sein, dass die Kirche, indem sie Frauen wie Katharina als Heilige feiert, doch ein bisschen, einiges, Entscheidendes zur Emanzipation der Frauen beigetragen hat?

Katharina von Alexandrien habe, so wird erzählt, als reiche junge Frau zum Glauben gefunden. Sie ließ sich taufen. Als der Kaiser immer mehr Christen zum Tod verurteilte, trat ihm Katharina entgegen. Die Frau gegen den Kaiser! Sie fragte ihn: „Wann bekehrst du dich endlich zum Christentum?“ Das führte zu einem öffentlichen Streitgespräch: Katharina gegen 50 Philosophen. Die gläubige Frau argumentierte so klug, dass alle 50 sich bekehrten. Der Kaiser schickte Katharina ins Gefängnis. Dort bekam sie Besuch von der Kaiserin, selbst eine gebildete Frau. Auch sie wurde bekehrt durch das Gespräch mit Katharina. Mehr braucht es nicht: Austausch, Diskussion, Beispiel. Jetzt fiel dem Kaiser nur noch Gewalt ein. Katharina sollte von mit Messern gespickten Rädern zerrissen werden. Ein Engel vom Himmel zerbrach das Folterinstrument mit gewaltiger Wucht. Katharina wurde mit dem Schwert enthauptet. Vieles in der Legende mag erfunden sein; manches rührt an schlimme Geschehnisse in der Kirchengeschichte, aber wir feiern hier nicht die historische Wahrheit, sondern die Wirkung der Legende. Eine freie, intelligente, stolze, mutige Frau wurde von der Kirche zur Ehre der Altäre erhoben. Vielleicht bewirkt Gott auch durch Legenden den Fortschritt.

Katharina war einmal die nach Maria am meisten verehrte Heilige. Sie ist die Patronin der Philosophen und Theologen, auch der Mädchen, Jungfrauen und Ehefrauen. Der Müller, Waffenschmiede, Frisöre und anderer Berufe, die mit Rädern oder Messern zu tun haben. Sie ist auch Patronin der Schneiderinnen. Die Schneiderinnen der Pariser Modehäuser heißen bis heute „les Cathérinettes“ – und feiern das Fest mit einem Glas Champagner. Katharina schützt Bibliotheken, Universitäten und Krankenhäuser. Sie wird angefleht bei Migräne und Krankheiten der Zunge. Und da dies eines der letzten Feste vor dem stillen Advent ist, hieß es früher: „Kathrein stellt den Tanz ein.“ Heute bräuchte es eher eine Heilige, welche die ganzen Weihnachtsfeiern abschießt.

Alle Heiligen haben eines gemeinsam: Sie kommen aus der Bedrängnis. Sie wissen noch, was das Wort bedeutet?

„Bedrängnis bewirkt Geduld“, schreibt Paulus den Römern. Ja, wenn es gut geht. Bedrängnis kann auch Mutlosigkeit bewirken, Aufgeben oder blinden Zorn. Wenn Bedrängnis aber Geduld bewirkt und Geduld Bewährung und Bewährung Hoffnung, dann ist es gut gegangen. Wer seinen Katechismus gelernt hat, weiß, dass die Hoffnung eine Gabe des Heiligen Geistes ist. Ohne den Heiligen Geist sind wir so gut wie unfähig zu hoffen. Das Leben treibt uns die Hoffnung nämlich aus. Welche Hoffnung haben Sie noch, die Älteren hier? Keine? Dann haben Sie den Heiligen Geist verloren und sollten schleunigst beichten gehen, damit die göttliche Hoffnung wieder strömen kann.

Den Schwierigkeiten des Lebens kann man natürlich einfach mit Hochmut begegnen. Echte Männer kennen ja gar keine Schwierigkeiten, geht nicht, gibt’s nicht. Hochmut geht immer, hilft manchmal sogar, aber schlussendlich wird man dabei eine dumme Gans oder ein eitler Depp. Tapferkeit allein macht es auch nicht besser: Man wird hart dabei.

Die Heiligen begegnen der Bedrängnis mit Wahrheit, Demut und Gebet. Sie erkennen ihre Situation so wie sie ist; sie sehen die Wahrheit. Sie erkennen: Ich bin in Bedrängnis und allein. Diese Einsamkeit in der Bedrängnis ist wichtig. Sich allein fühlen, lehrt uns etwas: Wir brauchen Gott. Gott ist da, immer, aber er zeigt sich nicht sofort. Erst wenn der Mensch sich allein fühlt und schwach, erst wenn er um Hilfe bittet, zeigt sich Gott. Die Heiligen wissen, was sie sind und was nicht; sie bilden sich nichts ein; sie wenden sich an Gott und bitten um Hilfe. Dann warten sie, bis Gott sich zeigt. Er bestimmt den Moment.

Solches lernt sich. Man muss es üben, das Sehen und Einsehen, das Alleinsein, das Bitten und das Warten. Täglich. So formt der Heilige Geist ein Herz, das hofft. „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen.“

FÜRBITTEN

Der Papst muss für die Gesamtkirche beten
der Bischof für seine Diözese
der Pfarrer für seine Gemeinde
Eltern für ihre Kinder
jeder Christ für jeden, besonders für die in Not.
Wir sind Hüter unserer Schwestern und Brüder und das bedeutet, dass nichts wichtiger ist, als sie vor Gott zu vertreten und ihre Angelegenheiten vor ihn zu bringen. Alle anderen Aufgaben sind auch wichtig, aber erst an dritter, siebter oder dreiundzwanzigster Stelle. Wir beten.

  • „Wer siegt, den werde ich zu einer Säule im Tempel meines Gottes“ – Hl. Katharina von Alexandrien, bitte für uns!
  • „Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Heiliger Geist, brich uns das Herz, damit es dir offensteht.
  • Christus und der Vater werden zum Menschen kommen „und bei ihm wohnen“ (vgl. Joh 14,25). – Heiligste Dreifaltigkeit, wohne in uns, mache uns frei und heilig.
  • „Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn schämen, wenn er in seiner Hoheit kommt“ (Lk 9,26). – Schluss mit verschämten Christen!
  • Heute ist „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen.“ – Wir beten für alle Frauen in Angst.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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