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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Kirchweih, 21. Oktober 2018

21/10/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Sie waren schon, als es uns noch gar nicht gab: diese Mauern.

Putz und Farbe mögen neu sein, aber darunter sind Jahrhunderte: Tage, Stunden… ohne Zahl. Was ist in diese Mauern eingedrungen? Kriegsgeschrei? Das Singen der Kinder? Blicke? Der kühle Blick der Touristen? Der aufmerksame Blick der Handwerker? // Der Blick des hl. Klemens Maria Hofbauer, der nebenan Beichte hörte? Der Blick des jungen Erzherzogs, der Kaiser werden würde und ein Heiliger? Hat er hier gebetet? War Mozart einmal hier? Er wohne in der Nähe. Trat Grillparzer auf dem Weg in sein Amt hier ein? //

Ihre Eltern, Ihre Großeltern, Ihre Urgroßeltern, Ihre Vorfahren haben diese Kirche gesehen. // Sind ihre Blicke noch da? Sind ihre Gebete eingegangen in die Mauern? Oder die Sünden, die hier begangen wurden?

Was hüten die Kirchen? Etwas oder nichts? Wenn sie fallen, eines Tages – denn sie werden fallen –, bleibt dann etwas, unsichtbar?

Haben die Kirchen ein Geheimnis?

Ist es die Stille? Sogar der Dom ist still, den das Jahr über Millionen besuchen. Was geschieht hier in der Nacht? Speichern die Kirchen die Stunden, in denen niemand da ist? Was ist, wenn die Christmette zu Ende ist und alle nach Hause gegangen sind? Geschieht da nichts?

Was, wenn ein paar Leute solche Mauern hochzögen, Bilder aufhängten – und dann nichts mehr? Manchmal ein Konzert oder ein Vortrag, aber nie ein Gebet, kein Weinen, kein Jubel, keine Messe… Wäre die Stille kalt?

Was ist es? Die Schönheit? Nein. Nicht jede Kirche ist schön, und manchmal stört die Schönheit sogar. Da mögen Meisterwerke der Kunst sein, – aber wenn darin kein Glaube ist…

Die schönste Gotik, die mächtigste Glocke, die durchdachteste Liturgie, und dennoch kommt der Dom über die Kapelle nicht hinaus. In beiden ist Derselbe.

Was ist um die Kirchen? Der Glaube allein ist es nicht, der eines einzigen erst recht nicht. Erst wenn zum Glauben die Zeit tritt, die Dauer und die Gemeinschaft und das Amt, erst dann ist da eine Kirche. 

Es ist die Weihe. Die Weihe ist das Geheimnis der Kirchen. Jener Moment, wo die Bauleute und die Gemeinde und der Bischof weggeben, was sie gemacht haben. Der Moment, wo alle zusammen sagen: Gabe! Gabe an Gott! Dann ist das Gebäude nicht mehr wie die anderen. In dem Moment, wo das Gebäude und alle darin Gott gegeben werden. Was Gott gehört, ist heilig.

Die Weihe schafft Raum über die Mauern hinaus. Sie macht hoch.

Ist die Weihe in den Steinen? In dem einen Stein, der versenkt wird in die Mitte des Altars? Der die Reste der Heiligen hütet?

Doch die Weihe spricht nicht. Wir sehen nichts.

Ohne die Weihe wäre nur unser Glaube, nur unser Gebet, nur wir hier. Nur zerstreute Momente. Nur unsere eigenen Erinnerungen, die austrocknen wie ein Mund ohne Wasser.

Mit der Weihe aber sind hier eingezogen die Sakramente. Die heilige Kirche, die eine, weltumspannend. Ihre ganze Vergangenheit und ihre Zukunft. Die Weihe bringt Rom zusammen mit Mailberg: Der Dom des Papstes hat keine andere Weihe als diese Kirche hier.

Die Weihe macht weit. Wo Weihe, da Hl. Messe, wo Messe, da Wandlung. Wo aber die Wandlung geschieht, da wird das Kreuz Christi aufgerichtet. So hoch, dass alle hinaufschauen können. Zu dem, der alle an sich ziehen wird.

Wenn der Bischof den Altar gesalbt hat und die Messe gefeiert wird, dann wird die kleinste Kapelle machtvoll. Dann sind da alle Engel und alle Heiligen. Und der, den sie anbeten. Weihe bewirkt Gegenwart.

Auch die Jahrhunderte sind da und die Stunden, die wir verlieren. Sie versammeln sich und warten. Sie werden uns anklagen, die vertanen Stunden. Sie waren schön und jede kostbar, und wir haben sie nicht einmal angeschaut. Jede Stunde hatte uns etwas zu geben. Doch wir wollten nicht.

In den Kirchen versammelt sich auch das Gericht über unser Leben.

Der Blick über das Land, das man schon so lange kennt, seit den Kindertagen, und das immer neu ist und so schön: So sind die Kirchen. Ich danke den Kirchen meines Lebens. Und der Kirche, die sie mir gibt.

Diese Kirche hier gehört dem Ritter-Orden durch das Recht, Ihnen durch die Geschichte und Ihre Erinnerung. Und Gott durch die Weihe.

Geweiht ist aber nicht nur dieses Haus. Geweiht sind nicht nur die Priester. Auch Sie sind geweiht durch Ihre Taufe. In den Kirchen versammelt sich die Gemeinschaft der Geweihten.

Es gibt Kirchen, die sie von ihrer Weihe fortzerren wollen, die Unkundigen, die Lieblosen, die zu vielen gaffenden Reisenden, die schlechten Menschen. Und ebenso gibt es Menschen, die von ihrer Weihe wegstreben.

Die Kirchen hüten das Heilige. Es hütet sich nicht von selbst (Inkarnation). Wir verteidigen das Heilige. Die eine unwandelbare, heitere, selige Wirklichkeit hinter dem wirren Traum dieser Welt. Wir hüten das Heilige: feiernd, betend. Unser Gebet dringt bis in die Mauern.

Wie lautet es? „Ich weihe mich – Dir, mein Gott.“

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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