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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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24. Sonntag im Jahreskreis (C), 11. September 2016

27/10/2016 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Enttäuschung und Wut. Weil ich betrogen wurde. Weil ich verlassen wurde.

Die berühmte Geschichte vom Tanz ums Goldene Kalb ist gar nicht alt; sie spielt jetzt. In Klassenzimmern, am Esstisch, im Auto, im Urlaub… wo immer Menschen sich trennen. Nicht weil beide es wollen; das ginge ja noch. Nein, einer diktiert es, aus heiterem Himmel: Schluss! Es ist aus mit uns. Ein Alptraum. Gleich, ob eine Ehe scheitert oder einer von der Firma entlassen wird: Es ist immer furchtbar; man erholt sich nie mehr davon.

Manche Menschen sind ganz frei; sie haben nur sich. Die meisten aber sind gebunden, durch Kinder, durch Geld oder kein Geld. Sie sind gebunden durch Versprechen, anders gesagt: durch einen Bund („Eid“).

Gott hat sich gebunden an dieses Volk. Er hat nicht nur Worte gemacht, – und dieses Volk lässt ihn stehen. Es betrügt ihn wie die Frau den Mann, kaum dass er aus dem Haus ist oder der Mann die Frau am ersten Abend der Fortbildung. Und jetzt wird es spannend. Wie weiter tun?

Wir können die Geschichte vereinfachen auf ein Schema. Es lautet: Ereignis – Enttäuschung – Entschluss – Einfluss – Einsicht.

Ereignis. Hier sind es eigentlich zwei Ereignisse. Gott offenbart dem Mose sein Gesetz. Die Zehn Gebote. Das Zeichen und die Bedingungen des Bundes, den Gott mit dem Volk geschlossen hat. Zur selben Zeit macht dieses Volk sich ein goldenes Kalb. Ein Götzen-Bild.

Enttäuschung: „Schnell sind sie von dem Weg abgewichen…“ – Gott realisiert, dass das Volk, das er liebt und dem er sich für immer versprochen hat, ihn betrügt. Mit einem Götzen. Das Bild des Kalbes kann man sehen und angreifen; Gott kann man nicht sehen und nicht greifen. Goldene Götter haben auch die anderen Völker. Das Volk will sein wie die anderen. Es will nicht etwas Besonderes sein. Es ist so blöde, funktioniert aber immer noch. Der Kollege legt sich eine fesche Freundin zu und ein neues Auto, und schon flüstert die innere Stimme: „Ich will sein wie er. Besser, aber nicht anders.“ – „Ich will sein wie die anderen. Deswegen gehe ich am Sonntag nicht in die Kirche, sondern ins Wirtshaus. Dort lache ich mit den anderen über die, die in die Kirche laufen.“

Entschluss. Rache. Vergeltung. Schluss machen mit diesem Volk. „Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt!“

Einfluss. So wie wir mit Freunden sprechen, wenn wir betrogen wurden und verlassen, so spricht Gott mit Mose.

Wenn einer nicht mehr spricht, mit keinem mehr, nimmt das Verhängnis seinen Lauf, und am Ende sind alle allein, unglücklich oder tot. Aber im Gespräch versteht Gott die Sache neu, anders.

Immer wieder zeigt uns die Bibel Gott, der mit einem Menschen spricht und Menschen, die für andere Menschen bitten. Fürsprecher. Abraham, Mose, Jesus. Wer wirklich spricht, mit einem anderen, der hat schon in die Veränderung eingewilligt. Und tatsächlich, es geschieht: „Da ließ sich der Herr das Böse reuen…“ Die Beziehung ist gerettet. Gott hat erfahren, was passiert ist; Gott hat den Schmerz gespürt; er hat geredet, kam zur Einsicht, änderte seine Meinung – und wird bleiben. Nicht Trennung, sondern Erlösung.

Natürlich bleibt diese Geschichte altertümlich, in mancher Hinsicht. Die Bibel fragt nicht nach den Motiven, nicht: Warum wollten die Israeliten das Kalb? Das ist keine Analyse und kein Gerichtsverfahren; es geht ohne das moderne Suchen, Fragen, Zögern. Es fragt auch keiner: Darf man denn so von Gott erzählen, so menschlich? Sicher, man soll Gott nicht klein machen, – aber wie soll man sonst von Gott reden, wenn nicht menschlich? Wir sind nun einmal Menschen und haben nur Menschensprache. Deswegen brauchen wir Bilder, Legenden, Lieder, um das Unsagbare doch zu sagen, recht und schlecht. Es genügt zu wissen, dass Gott immer größer ist, größer als jedes Wort und größer als jede Idee.

Das sage ich Ihnen aber nur um der Klarheit willen, zur theologischen Absicherung sozusagen. Das eigentlich Wichtige an diesem Text ist der innere Vorgang. Die innere Umkehr. Die Frage: „Wie kann es weitergehen?“

Wir werden alle enttäuscht. Wir werden alle wütend sein, zornig, verbittert, kurz davor, alles in Stücke zu schlagen. Was hilft dann? Reden. Einwilligen zu reden. Wer redet, ist schon offen. Was hilft dann? Andere, Hörer, Fürsprecher, Freunde: Gemeinschaft. Nicht aus der Gemeinschaft austreten!

Hören, verstehen, einsehen, bereuen, vergeben, neu anfangen. Gesinnung, Absicht, Pläne opfern. Das ist, was wir Menschen tun können, um andere und uns zu erlösen.

Und Gott? Gott lässt sich ein, er „verändert“ sich. Gleichzeitig sehen wir aber: Sein Ziel, das erste, gibt Gott nicht auf. Der Bund hält. Und mit jeder Erfahrung und jeder Entscheidung wird er tiefer (s. Ehe). Das ist ein Gott, der alles umstürzt und doch treu bleibt. Gott ist verlässlich.

„Niemand ist Vater wie er. Niemand fühlt so zart wie er. Du bist sein Sohn: selbst dann, wenn du vielleicht alles vergeudet hast, was er dir gab.“ (Tertullian)

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

 

 

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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