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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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Hl. Messe des Aidsdienstes Malteser, 2. Juni 2015

18/06/2015 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Wer hat das Sagen? Der blinde Tobit oder seine Frau? Gott oder der Kaiser? Wer sind die Herren? Betreuer oder Betreute? – Der Malteser-Ritter-Orden gibt eine überraschende Antwort. In dem Gebet, das alle Mitglieder täglich sprechen (damit es sich einprägt ins Herz und in den Verstand), da heißt es: „Meinem Nächsten will ich in Liebe begegnen. Besonders den Armen und unseren Herren Kranken.“

Die Herren Kranken… wegen solcher Dinge liebe ich den Orden! Das ist ums Eck gedacht und gesprochen. Das ist Poesie und ein Programm. Die Herren Kranken, – Sie, die Betreuten sind die Herren –, das ist ein Lebensprogramm, das mit Gewohnheiten aufräumt. Und deswegen hat es Kraft seit achthundert Jahren.

Kraft erkennt man an der Bewegung. An dem, was einer bewirkt. „Unsere Herren Kranken“, diese Idee bringt Bewegung in die Köpfe – und in verfahrene Situationen. (Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe des Aidsdienstes Malteser: nicht nur organisieren, helfen, pflegen, nein: Bewegung zu bringen in ein Leben, wo alles Schlimme festzustehen schien.)

Die Lesung erzählt von so einer verfahrenen Situation. Tobit ist krank geworden und kann nicht mehr arbeiten. Es ist an seiner Frau, die Familie zu versorgen. Tobit ist ein frommer, rechtschaffener Mann, aber er ist auch misstrauisch, pedantisch, nervig mit seiner Moral. Er erntet harte Worte von seiner Frau. „Wo ist denn der Lohn für deine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit?“ M. a. W. was hat dir deine Anständigkeit gebracht? Du hast leicht schön reden – die Arbeit habe ich!

Tobit muss seine Moral rechtfertigen; seine Frau will wissen, was der Anstand ihnen bringt: Das ist der Krach zwischen den beiden. Es sieht aus, als sei die Situation verfahren. Sie kennen das.

Aber so verfahren ist es gar nicht. Die Fragen bleiben ja offen: Was bringt es eigentlich, gut zu sein? Und wer von uns beiden hat das Sagen? Die Fragen bleiben im Raum – und wirken. Halten Sie Ihre Fragen offen!

Es ist nicht damit getan, dass die Frau ihrem kranken Mann hilft. Er wird sich rechtfertigen müssen für seine Ansichten und sein Misstrauen. Und sie muss sich rechtfertigen für das Ziegenböcklein. Sie müssen reden mit einander. Ohne diese Diskussion würde die Ziege meckern, aber sonst bliebe alles beim Alten; er bei seiner Rechthaberei und sie bei ihrem Groll. So aber wird Tobit endlich aufhören, den Boss zu spielen – und gleichzeitig wird auch seine Frau nicht der Herr im Haus nur weil sie anschafft. Beide zusammen werden das Sagen haben. Es ist, wie wenn einer dem anderen sagte: „Ich will nicht alleine der Herr sein. Sei auch du Herr im Haus!“ – So gehen Beziehungen auch. In einer Ehe, in einem Orden und zwischen Betreuten und Betreuern.

Auch Jesus bringt Bewegung in ein Dilemma. Die Gegner haben ihm eine Falle gestellt. „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“ Dem gottlosen, heidnischen Besatzer? Sagt er ja, hat er die gläubigen Juden gegen sich; sagt er nein, ist er ein Aufrührer gegen die Römer. Ausweglos. Doch sie kennen Jesus schlecht. Er sagt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Darauf war keiner gekommen. So müssen sich die Dinge bewegen. Wer das hört, muss immer wieder neu nachdenken und neu entscheiden. „Unsere Herren Kranken.“

Konflikte, Krankheiten, Krisen… alles schwer. Es geht oft an die Grenzen. Aber es ist auch fruchtbar. Kein Konflikt muss nur zerstörerisch sein, keine Krankheit nur steril und schrecklich. Man muss sich nur entscheiden: Reicht mir das Ziegenböckchen? Oder rede ich auch mit meinem Partner? Stehe ich bei Gott, aber nicht beim Kaiser? Beim Kaiser, aber nicht bei Gott? Alles klar, alles fix. Oder will ich, dass Bewegung hineinkommt? Kann ich Herr sein, aber auch dienen und kann ich Diener sein, aber auch herrschen? – Es ist so wichtig, auf gute Weise herrschen zu lernen. Anders als die Herren in dieser Welt.

Die „Herren Kranken“, das bringt Bewegung in Ihre Begegnungen. In der alten Ordnung heißt es: Ich helfe dir, aber dafür musst du mir dankbar sein. Ich helfe dir, aber ich sage dir auch, wo ’s lang geht. Oben blieb oben und unten blieb unten. Im Malteser-Ritter-Orden geht es bunter zu. Da können Herren auch Diener sein – und die Betreuten lernen, Herren zu sein, mit Würde.

Die Krankheit hat Sie zusammen gebracht. Und das Wort von den „Herren Kranken“ erinnert daran, dass aus einer echten Begegnung keiner unverändert herauskommt. Wenn man das nicht möchte, kann man die Medikamente aufs Nachtkastl stellen und wieder gehen. Sobald man aber dem anderen in die Augen schaut, sobald man dem anderen sagt: Jetzt bist du der Herr! – da geschieht etwas.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2 - 1010 Wien - Österreich | T: +43 1 512 72 44 | M: smom@malteser.at

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