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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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23. Sonntag im Jahreskreis, 7. Sept.2014

25/09/2014 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Recht und Ordnung! – Die Kombination gefällt den Katholiken. Sie fühlen sich bestätigt, wenn Paulus schreibt: „Bleibt niemand etwas schuldig.“ Jedem das Seine, keinem etwas schulden, den Preis bezahlen: Das ist eine klare Ordnung. Das ist Gerechtigkeit. Und eine saubere Trennung. Ich gebe jedem, was ich ihm schulde – und damit habe ich getan, was ich tun muss. Der andere bleibt, wo er ist. Nahe kommen mir nur die, die ich mag. Und ich mag nur die, die zu mir passen. Diese Art gibt es, vielfach. Aber ist sie christlich? Nein. Sie passt nicht zum Leben Jesu, auf das wir uns berufen.

So ist es nicht erstaunlich, dass Paulus den Satz „Bleibt niemand etwas schuldig“ ergänzt. Er sagt: „Doch zu gegenseitiger Liebe seid ihr stets verpflichtet.“

Die Zeiten, in denen Pflichten unverkrampft als etwas Selbstverständliches gesehen wurden, sind vorbei. Heute gilt: Ich bin frei, ich bestimme selbst, ganz allein. Pflicht ist da nur noch das, was von anderen vorgegeben wird; was man nicht wählt und schon gar nicht liebt. So wird das Wort unsympathisch: „Ihr seid zu gegenseitiger Liebe verpflichtet.“ Dieser Satz freut keinen. Liebe und Pflicht, das ist heute ein Gegensatz.

Es gibt offenbar unterschiedliche Ideen von Liebe; so wie es unterschiedliche Ideen von Freundschaft gibt. Der antike Philosoph Aristoteles sagt: Ein Freund, das ist der, der für dich das Gute will. Facebook sagt: Ein Freund ist der, der dich verlinkt. Hier liegt die neue, welthistorische Aufgabe der Christen: unserer Zeit eine andere Idee von Freundschaft und Liebe zu geben. Weil die Art, wie Liebe und Freundschaft heute gelebt werden, die Menschen nicht glücklich macht.

Für die meisten heute ist Liebe etwas Spontanes. Etwas in den Gefühlen und Trieben. Wer heute verliebt ist, liebt nicht unbedingt den Geliebten um seiner selbst willen. Er liebt das Gefühl der Liebe. Es geht also um den, der liebt und nicht um den, der geliebt wird. Bei den Christen ist es umgekehrt: Der Geliebte ist wichtiger als der Liebende.

„Doch zu gegenseitiger Liebe seid ihr stets verpflichtet.“ – Hier ist die Liebe etwas, das man will; das man gestaltet; nicht etwas, das einfach da ist. Nicht Liebe um der Liebe willen (und schon gar nicht um meiner selbst willen), sondern Liebe um des anderen willen.

Die Liebe ist „die Erfüllung des Gesetzes“, sagt Paulus. Er traut sich, Liebe, Pflicht und Gesetz zu kombinieren. Für uns ganz ungeheuer.

 

Gott gibt ein Gesetz – warum? Wegen der Freiheit. Wir haben die Fähigkeit zu lieben. Wir haben aber auch die Fähigkeit, verdammte Egoisten zu sein, die ihre Freiheit für sich gebrauchen, gegen den anderen. Deswegen das Gesetz: Weil die Welt Schutz braucht. Weil Liebe nicht von selbst kommt und bleibt.

Liebe bedeutet für Christen: Gutheißen; jemandem sagen: Gut, dass du auf der Welt bist. Nicht wohlwollend-neutral, sondern im Sinn von: Ich will, dass es dich gibt. Lieben hat mit Wollen zu tun. Wollen, was schon ist, nicht was nach meinen Wünschen erst werden soll.

„Liebe deinen Nächsten!“ – Einer, der einen liebt, will, dass dieser Mensch existiert. Einer, der wirklich liebt, würde eine Welt nicht wollen, in der dieser Mensch fehlt. „Zur Liebe seid ihr stets verpflichtet.“ Also immer, überall, bei jedem.

Habe ich wirklich im Innersten nichts dagegen, dass es diesen Kollegen, Nachbarn, Passanten gibt? Kann ich vielleicht sogar sagen: Wunderbar, dass er existiert! Oder reserviere ich meine Liebe nur für meine Kinder, meine besten Freunde und den Menschen, mit dem ich gerade ins Bett will?

Die Liebe ist in letzter Konsequenz die Kraft, die den Tod ausschließt; so sehr will sie den Menschen. Einen Menschen lieben heißt sagen: Du wirst nicht sterben. Hier geht uns auf, dass nur Gott wirklich liebt. Aber wir haben durch die Taufe Anteil an Gott.

Christen wollen ihre Liebe nicht nur auf Gefühlen und Trieben bauen. Wir wollen uns dem Anspruch der Hl. Schrift stellen, weil die Gesellschaft das braucht.

Schon der banale Alltag oder die Existenz von Todesstrafe oder Krieg zeigen uns, wie die Liebe immer wieder scheitert. Krieg bedeutet ja nichts anderes als: Ich will, dass du von dieser Welt verschwindest. Wir wissen, dass wir immer wieder scheitern werden – schon am nächsten Unsympathen, am nächsten Ehekrach – aber wir verlassen die Komfortzone und lernen: Unser Scheitern verweist uns auf die Kraft Christi. Wir lernen, mit der Kraft Christi zu lieben. Jeden Tag.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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