Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

4. Sonntag im Jahreskreis

31/01/2026 


Die Predigt zum Anhören

4. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A, Zef 2-3)
Predigt in Erlenbach (Vorabendmesse) am 31. Jänner 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ich werde klein gemacht. Die strahlenden, selbstsicheren jungen Leute machen mich klein: Ich bin alt. Die erfolgreichen Mittelmanager in blauen Anzügen und braunen Schuhen machen mich klein: Ich habe keinen Erfolg. Die Audi-Fahrer machen mich klein, weil mein Auto Scheisse ist. Jedes Wartezimmer macht mich klein. Jeder, der irgendetwas wieder groß machen will, macht mich im gleichen Atemzug klein. Das Alter macht mich klein. Mein Verstand macht mich klein, denn ich verstehe immer weniger. Ich verstehe viele Menschen gar nicht mehr. Mein Gewissen macht mich klein, denn keine meiner Taten ist wirklich rein und gut, alles durchwachsen. Die Leute machen mich klein, denn ich bin umgeben von Menschen, die mir alles das ausreden wollen. Der Schmerz im Knie, die Aussicht auf den Tod, der Blick in den Spiegel und der Blick auf mein Konto: Ich werde enden als Zwerg. Unwichtig. Klein. Wenn ich Pech (oder Glück) habe, lassen sie mich im Altenheim noch einen Korb Unterhosen falten.

Und Gott macht mich klein, denn er macht mich immer wahrer. Ende der Illusionen. – Jammer, jammer, jammer (C. H.)

In meiner untergehenden Welt gilt es als sehr unerzogen, von sich selbst zu sprechen. Aber diesmal dachte ich: Ich spreche besser über mich als über Sie. Den Rest werden Sie schon verstehen.

Auch der Glaube wird klein. Ich bin oft in der Marktheidenfelder Kirche. Ich sehe die Menschen, die hereinkommen. Die Kappe bleibt am Kopf, kein Weihwasser, kein Kreuz, keine Kniebeuge, kein Gebet. Touristenführungen, Konzerte: nicht das leiseste Zeichen des Glaubens. Einige zünden ein Kerzerl an, aber kaum wer schaut dann hinauf zum Bild der Muttergottes. Beten die?

Die Seelsorgeteams wissen um all das und zucken mit den Schultern. Keine Empörung, keine Trauer. Wollen die noch oder müssen sie halt? Schon weil ich dem Malteser-Ritter-Orden angehöre, bin ich entschlossen, den Glauben zu verteidigen. „Den Armen helfen und den Glauben verteidigen!“ Wahlspruch der Malteser. Ich will das Heilige verteidigen. Weil diese Welt das Heilige braucht. Dinge, Orte, Menschen, Stunden, die heilig sind, unantastbar und unverwertbar. – Sie verteidigen den Glauben, indem Sie in die Kirche gehen – vor den Augen Ihrer Nachbarn.

Alle drei Texte dieses Sonntags stellen das Kleine vor das Große. Sie entwerten komplett, was den Leuten wertvoll gilt. Erste Lesung: „Sucht Demut, vielleicht werdet ihr geborgen am Tag des göttlichen Zorns.“ Vielleicht. Ungewissheit macht dich nicht groß. Deswegen wissen ja alle immer Bescheid über alles: weil sie nicht klein sein wollen. – Zweite Lesung: Das Törichte, das Schwache, das Niedrige, das Verachtete hat Gott erwählt: „das was nichts ist. Um das, was etwas ist, zu vernichten.“ – Evangelium: Die arm sind, die trauern, die sich nicht durchsetzen und keine Gewalt anwenden, die sind selig. Darauf muss man erst einmal kommen. Das fällt außer Jesus keinem ein. Russland sicher nicht, Amerika sicher nicht…

Ich würde nie sagen, es sei leicht, den Worten der Hl. Schrift zu folgen. Christ zu sein, ist nicht leicht. Aber man könnte diese Gedanken heute doch wenigstens einmal an sich heranlassen. Man könnte der Wahrheit ins Auge schauen. Man könnte eine neue Art entdecken, mit der Wahrheit umzugehen. Wir könnten zusammen eine Lösung entdecken. Denn die Leute, die nicht so leben, wie es die Hl. Schrift uns heute nahelegt, die Leute, die groß sind oder groß sein wollen, die bieten uns ja keine Lösung an. Das ist ja das Schreckliche (und das Gute) an dieser Zeit: Dass die, die groß sind und mächtig und schön und reich keine Lösung haben. Außer sich selbst auf den Mars zu schießen.

Bieten die Kirchenleute uns eine Lösung an? Da sagen jetzt alle: Die Volkskirche, die Kirche, wie wir sie gekannt und vielleicht geliebt haben, diese Kirche wird nie mehr wiederkommen. Die Schrumpfung der Kirche ist, sagen sie uns, eine Chance. Das ist Realismus aus Not, nicht aus Einsicht. Das ist angelernter Optimismus. Es ist sehr fern von der Botschaft der Schrift (die wir doch angeblich für das Wort Gottes halten). Das Problem ist, dass auch in der Kirche, in den Pfarreien, unter den Priestern, in den Klöstern und Büros niemand ernsthaft damit rechnet, die Lebensweise des Evangeliums könne wirklich die Lösung sein. Das Elend könne eine Chance sein. Demut, Ungewissheit, Torheit, Schwäche, Niedrigkeit, Verachtung, Armut, Traurigkeit könnten genau das Richtige sein. Wie sähe Ihr Alltag aus, wenn Sie das einfach mal durchspielen würden. Mehr ist ja erst einmal gar nicht verlangt.

Wie sähe die Kirche aus, wenn wir einwilligen würden, klein zu werden? Wenn wir die schönen alten Gebäude den Tourismusbüros, den Konzerten und den Bräuten und Brautmüttern überließen? Die Heilige Messe holt den Himmel auf die Erde, auch wenn sie in einer Garage oder an einem Bildstock gefeiert wird. Vielleicht sollten wir einfach hinausziehen, überlegen Sie mal. Vielleicht sollten wir aber auch einfach nur stillhalten, gar nichts tun, ja sagen zum Elend und zur Kleinheit. Ich habe keine klare Lösung, aber ich würde gerne mit Ihnen zusammen über eine Lösung nachdenken.

Immer kleiner werden: Ich lerne es gerade. Notgedrungen? May be. Ich lerne es erst so spät und staune, wieviel Zeit uns Gott lässt. Der Weg ins Kleine ist bisweilen grausam bitter und Angst einflößend. Was hilft mir in solchen Momenten? Mir hilft zu denken: lieber etwas Schweres als Blödsinn. Und zu denken: So will es Gott wohl. Das reicht doch. Mir hilft der Glaube beim Kleinwerden. Vielleicht macht Gott uns ja groß, eines Tages, auf eine Weise, von der wir keine Ahnung haben. Versprochen hat Er es.

FÜRBITTEN

Vielleicht bleibt ihr geborgen“.
Christus, gib uns heilige Unruhe!
Und gib uns Sorge um das Heil unserer Lieben!

Der Prophet Zefanja sieht seine Landsleute Unrecht tun, lügen, trügerische Reden führen. Die Gesellschaft gerät an den Rand der Selbstzerstörung.
Heiliger Geist, führe uns bessere Wege!
Wir beten für die, die uns hier in Deutschland und die Völker der Erde regieren.

Wir beten für die deutschen Bischöfe.

Wir beten für unsere Kranken und für die, welche sie pflegen und besuchen.

Wir opfern Gott unsere Toten.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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