3. Sonntag im Jahreskreis
3. Sonntag im Jahreskreis (A, 1 Kor 1) Predigt am 25. Jänner 2026 in Bischbrunn Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Aus der zweiten Lesung: „Ich halte zu Paulus. Ich zu Apóllos. Ich zu Kephas.“ Ich zu Becker. Oder Wolpert. Oder Sie nehmen andere Namen: Wolf, Stein, Pfeifer, Fuchs, Martin oder Meister Eder und sein Pumuckel. Menschen sind gerne Fans von dem und Gegner von der. Menschen haben auch gerne Fans, Anhänger und Follower. In der Lesung geht es um Gemeinden. Bei den ersten Christen gab es Verantwortungsträger, Lehrer, Fachleute, es gab Beratungen, Streit und Friedensstifter, Autoritäten aller Art wie heute in einer Pfarreien-Gemeinschaft, in Frauenklöstern und Beichtzimmern. Irgendeine Macht gibt es immer. In den letzten Jahren flog auf, dass sehr charismatische, spirituelle, fromme Menschen, Menschen, die von anderen beinahe als Heilige verehrt wurden, dass solche Menschen (es waren Männer, aber nicht nur) andere geistlich (und auch sexuell) missbraucht hatten. Macht-Missbrauch in geistigen Dingen. Gesinnungsterror. Großes Entsetzen. Nun denken Rom und die Bischofskonferenz darüber nach, wie sich dieser Machtmissbrauch vermeiden lässt. Übrigens, wenn man den Zölibat abschafft, wird alles gut: Das glauben nur noch ein paar Christkindle. Missbrauch entsteht, weil Menschen gerne herrschen, weil sie nicht gerne alleine sind, weil sie Beifall wollen. Paulus zieht weiter. Er hat Gemeinden, die er liebt, aber er bleibt nicht. Deswegen kann er auch keine großen Freundschaften schließen. Seine Gemeinden sind unterschiedlich, und so lässt er sie auch. Paulus taugt als Vorbild für jede und jeden, der Seelsorge betreibt. Kein Christ beginnt bei null, kein Christ tut nur, was er will, kein Christ geht den Glaubensweg alleine. Es braucht also Menschen, die den Glauben der Kirche kennen, ihn verstanden haben und weitergeben an andere. Für den innerlichen Weg der Getauften braucht es eine Anleitung: Seelsorger, die ihre Erfahrung teilen, Wissen vermitteln, raten. Das nennt man geistliche Führung. Wer andere geistlich führt, wird darauf achten, dass es nicht im ganz Subjektiven, Launischen bleibt. Er räumt Illusionen aus dem Weg. Er hilft zu Abstand und einem gesunden Urteil. Geistliche Führer müssen geerdet sein, nüchtern, klar, reif. Deswegen war es jungen Priestern früher verboten, Beichtväter zu werden. Ein guter geistlicher Führer vermeidet diffizile, überdrehte Debatten, denn er ist gebildet, aber auch einfach. Ein Führer lässt sich selber führen: Pfarrer, Kapläne, Oberinnen, WoGo-Leiter, Leiterinnen von Gebetsgruppen oder Firmhelfer: Wenn die es richtig machen, dann gehorchen sie selbst dem Evangelium und der Kirche. M. a. W. Katechismus statt Privat-Offenbarungen. Dem Menschen, den er führen soll, begegnet der gute Seelsorger mit Diskretion, d. h. mit einem Sinn für Zurückhaltung und Unterscheidung. Er erkennt Zusammenhänge, sieht die Folgen. Er ist distanziert, aber nicht kalt; manchmal streng, aber niemals unverschämt. Angesichts der vielen Fälle von geistlichem Machtmissbrauch rate ich Ihnen: Seien Sie streng mit allen, die predigen, Interviews geben, irgendetwas leiten. Seien Sie auch streng mit sich selbst: Was suchen Sie wirklich? Einen sympathischen lustigen Priester auf Ihrer Linie? Ist es das, was Ihre Seele braucht? Schauen Sie hin: Verkünden diese Männer und Frauen sich selbst oder verkünden sie Christus? „Nur einer ist euer Meister!“ – Gerichtswort des Herrn über alle Seelsorger*innen, die Fans um sich sammeln. Trauen Sie nur Leuten, die alleine bleiben können. Die Ihnen gut wollen, aber nicht unbedingt Ihre Spezln werden wollen. Achten Sie genau darauf, ob die Seelsorger Sie freisetzen. Wenn man Sie auf einen ganz bestimmten Weg zwingen will, sagen Sie nein. Wenn eine Ihnen sagt: „Ich weiß, was Gott von Dir will“, laufen Sie weg! Gott ist auch für Seelsorger ein Geheimnis. Wenn er Kritik nicht aushält, wenn er mit Schuldgefühlen arbeitet, gehen Sie weg von ihm. Seien Sie vorsichtig, wenn ein Seelsorger Sie ins Vertrauen zieht und Ihnen von seinen eigenen Problemen erzählt, anstatt Ihnen aufmerksam und gehorsam zuzuhören. Die professionelle und die persönliche Ebene darf man nicht vermischen. Ein kluger Seelsorger empfängt nicht in seinem Wohnzimmer. Jagen Sie die geistlichen Führerinnen und Führer in die Einsamkeit und die Stille. Sie sollen Jesus suchen, nicht sich ihren eigenen Jesus machen. Das Evangelium und die Lehre der Kirche stehen turmhoch über privaten Ansichten. Deshalb stehen alle guten Seelsorger immer von Neuem vor einer schmerzhaften, schonungslosen Gewissenserforschung: Damit sie nicht ihr eigenes Ding machen. „Damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird“ (1 Kor 1,17). FÜRBITTEN Für viele eine Zeit der Mutlosigkeit. Wir beten für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger. Wir beten für die Mächtigen und für die Ohnmächtigen. Jesus beruft die ersten Apostel. Wir beten um Berufungen. Wir beten für die Eltern, die verstört sind, weil ihr Junge Priester werden will. „Er zog in ganz Galiläa umher.“ Wir beten für eine Kirche, die aufbricht. Wir beten für unsere Kranken. Und für die Einsamen. Wir schenken dem Himmlischen Vater alle, die je in Esselbach / Bischbrunn gestorben sind. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt am 24. Jänner 2026 in Esselbach
Aber Gott lässt sein Volk nicht im Finstern.
Wir beten für die Völker dieser Welt.
Für alle, die Gefahr laufen, den Ruf Gottes zu überhören.
