Vierter Fastensonntag (A)
Vierter Fastensonntag (A) Kein Audio vorhanden! Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Penner! – Da reißt ‘s alle. Wenn Sie aber in der Lesung hören „Wach auf, du Schläfer!“, dann geschieht… nichts. Seltsam, oder? Ich bin sicher: Wenn die Christen die Zumutungen, die Sprengkraft, die Unverschämtheit des Neuen Testamentes wieder hören könnten, wäre die Kirche lebendiger und echter. So aber wird ein bisschen am Alten Testament herumgenörgelt – „dieser blutrünstige Gott!“ – und es werden einzelne Sätze aus der Bibel gepflückt, um damit Politik oder Moral zu machen. Aber sich von Paulus am Sonntagmorgen einen rechten Haken setzen zu lassen, das traut sich kaum wer. Ich bin sicher: Wer die Bibel liest oder hört, muss auf Risiko gehen. „Wach auf, du Schläfer und steh auf von den Toten. Christus wird dein Licht sein.“ So heute in der Lesung. Die Gelehrten sagen, diese Sätze stammten aus der Tauf-Feier der allerersten Christen. „Wach auf, du Schläfer und steh auf von den Toten!“ So habe man dem Täufling zugerufen, kurz bevor er ins Taufwasser getaucht wurde. „Wach auf!“ Es geht also um die Taufe. Um das, was uns hier mit den ersten Christen vor 2000 Jahren verbindet. Was die aber ganz sicher besser verstanden haben als die Christen heute. Obwohl…, vielleicht täusche ich mich. Denn in Frankreich, Amerika, England… steigen die Zahlen derer, die sich taufen lassen, sprunghaft an. Da werden keine Babys getauft, sondern junge Erwachsene, denen ihre Eltern nie vom Glauben gesprochen haben. Oft haben sie eine ernste, andächtige Messe erlebt, weil ein Freund sie mitnahm, eine Messe, die nicht selbstgemacht war oder sie haben einen jungen, gläubigen Priester gehört. Diese jungen Frauen und Männer spüren einen Lebensumbruch und lassen sich taufen. Dann stehen sie vor dem gleichen Problem, vor dem wir auch stehen: Wie wird in meinem Alltag sichtbar, dass ich getauft bin? Also nicht: hoffentlich merkt keiner, dass ich katholisch bin, sondern: Wie muss ich leben, dass auch meine Verwandten, meine Freunde, meine Kollegen zu Christus und seiner (!) Kirche finden? Es liegt auf der Hand, dass dies nicht geht, wenn man sich aufführt wie Seifenschaum im Auge. Oder wie ein fünfmal aufgewärmte Kässpätzle. Man muss gewinnend sein. In der Frühzeit blühte die Kirche, weil die Christen fabelhafte Menschen waren („Faites-vous aimer“). Was ist gewinnend? Der Epheserbrief gibt die Anleitung (sehen Sie die Bibel doch mal so: als Anleitung zum richtigen Leben; Christen ändern ihr Leben). Wenn Sie die Lesung ernst nehmen, bedeutet das für Ihr Leben als Christin oder Christ: Sie müssen wach sein. Nicht verschlafen, nicht scheintot, nicht versteinert. Lebendig. „Lebendig“ ist etwas anderes als „am Leben“, das wissen Sie selbst. Weiter ist da die Rede von Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. – Sie wissen doch, was das ist, gütig. Das Gegenteil von hart und unbarmherzig und desinteressiert. Seien Sie gütig. Mit anderen, auch mit sich selbst. Gerecht bedeutet in der Bibel: das Richtige tun. Und was ist das Richtige? Das, was Gott will. Woher weiß ich, was Gott will? Sie haben die Zehn Gebote, Sie haben die Worte Jesu. „Prüft, was dem Herrn gefällt“, heißt es in der Lesung. Wenn Sie keine Ahnung haben, müssen Sie lernen. Fragen! Wahrheit ist nicht das Gegenteil von Irrtum oder Zweifel. Wahrheit ist das Gegenteil von Lüge. Die Wahrheit muss man suchen, man muss sie sagen, man muss sie bekennen. Was ein Zeugnis wäre das in dieser verlogenen Welt! Licht in allerlei Dunkel bringen; zuerst einmal in sich selbst. Wahr sein mit sich selbst. Noch eine Weisung gibt der Epheserbrief: „Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine (gute) Frucht bringen.“ Das bedeutet: Fallweise müssen Sie sich abgrenzen. Wenn Sie wirklich Christen sein wollen, können Sie nicht alles mitmachen. Sie müssen also kritisch sein, zuerst, und dann mutig. Wer nicht alles mitmacht, wird gelegentlich alleine dastehen. Solche Einsamkeit kann man lernen. Am Ende heißt es: „Und Christus wird dein Licht sein.“ – Wie das? Christus als Vorbild? Ja, auch, aber in Wahrheit geht es viel, viel tiefer. In der Taufe wurden Sie mit Christus vereint, innerlich. In jeder hl. Kommunion (!) wird diese innere, vitale Bindung erneuert. Natürlich nur, wenn Sie sich darauf einlassen. Christus kann also wirklich Ihr inneres Licht sein. Sie werden verwandelt. Ich weiß, Sie finden das „irgendwie zu fromm“. Dazu ein letztes Wort. Ich erlebe Menschen, die sich in der Gemeinde engagieren, praktische Hilfe leisten, versuchen, etwas zu erhalten und weiterzugeben, die sich aber nicht trauen, wirklich zu glauben, wirklich zu beten. Das wird nicht gut gehen, so wird die Kirche verschwinden: erst das Wissen, dann die Disziplin, dann der Glaube. Es werden bleiben: Gebäude. Schränke voller Zeug. „Wacht auf, Ihr Schläfer – und steht auf von den Toten. Christus wird dein Licht sein.“ Bußakt Wir machen uns ein Bild von uns selbst. Das zerfällt dann wieder unter all den fremden Eindrücken des Alltags. Und wird neu errichtet. Staumauern, befestigte Vorstellungen vom guten Leben und von sich selbst. In denen sind wir dann gefangen. Wir entkommen nur, wenn wir schuldig werden an unseren eigenen hehren Selbstentwürfen, wenn wir zu viel trinken, einfach nicht mehr beten oder zynisch werden, habgierig, wenn wir alles kalkulieren. Der ganze traurige Aufwand – statt sich einfach und ernst Gott zu überlassen. Fürbitten Wir beten um Frieden in der Welt. Wir beten für die jungen Eltern in Lengfurt: dass sie den Glauben weitergeben. In der ersten Lesung hieß es: „Achte nicht auf sein Aussehen und seine Gestalt… Gottes Auge sieht anders als der Mensch!“ In der zweiten Lesung heißt es: „Das Licht aber bringt Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“ Befreie die Welt von ungerechten Politikerinnen und Politikern. Gib uns neuen, tiefen Glauben an unsere eigene Taufe. Im Evangelium: „Es kommt die Nacht, in der niemand wirken kann.“ Wir legen unsere Toten in die Hand des Vaters. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Lengfurt am 015. März 2026
Christus, befreie uns von der Macht der Bilder. Befreie uns von den Lügen-Bildern.
Befreie uns von unserer Herzenshärte.
Heiliger Geist, erfasse die, welche bald getauft werden sollen.
Heiliger Geist, befreie uns vom Verzögern und vom trägen Herzen.
Damit wir endlich handeln.
