Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dritter Fastensonntag (A)

08/03/2026 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Sie dürfen hier nicht einfach abhängen, und ich darf nicht einfach daherreden. Das bedeutet: Es wird schwierig. Wie soll ich Ihnen dieses komplexe Evangelium nahebringen und die uralten Geschichten von einem Volk in der Wüste? Ich versuch ’s. Beide Texte haben etwas gemeinsam. Zuerst: In beiden geschieht wirklich etwas, etwas Entscheidendes. Sind Sie sicher, dass in jedem Gottesdienst, den Sie erleben, etwas Entscheidendes passiert?

Noch eine Gemeinsamkeit: Durst. Aber wie soll ich Ihnen den Durst nahebringen, Ihnen an Ihren Wasserhähnen und Red-Bull-Dosen? Sie haben keine Ahnung vom Durst der Menschen in der Wüste oder vom Durst eines Mannes in der Mittagshitze des Orients. Aber das immerhin werden Sie kennen: Verlangen. Sehnsucht. Verlangen jenseits aller Sorglosigkeit. In der Wüste, am Brunnen, bei Ihnen, bei mir: Überall ist etwas, das man unbedingt haben muss, um jeden Preis. Etwas, das lebensnotwendig ist, und sei es das Handy. Das müssen Sie doch alle kennen. Und wenn Jesus womöglich auf den Schluck Wasser hätte verzichten können, auf das Gespräch mit dieser Frau konnte er nicht verzichten. Jesus kann nicht auf die Wahrheit verzichten. Jesus dürstet nach dem Glauben dieser Frau. – Jesus spricht mit einer Frau so tief wie mit keinem Schriftgelehrten. Die Frau wird dann zur „Apostelin“ bei ihren Mitbürgern. Sie steht schon für die fremden Völker, zu denen die Kirche nach Pfingsten gehen wird.

Durst, Verlangen: Vielleicht ist das der Einstieg in die Texte, die uns doch viel bedeuten sollten, die aber auch schwierig sind, das Evangelium zumal. Zum Beispiel war ich selbst sehr erstaunt zu lernen, dass die sechs Männer, die die Frau erwähnt, nichts zu tun haben mit dem Liebesleben dieser Frau, sondern dass der Evangelist damit die verschiedenen Religionen andeutet, denen die Samariter schon nachgelaufen sind. Doch das zu wissen, ist nur interessant; für Ihr Leben spielt es keine große Rolle. Das ist mit Ihrer Sehnsucht anders. Wissen Sie überhaupt, wonach Sie sich wirklich sehnen? Ist Sehnsucht schön? Gibt es eine gute Sehnsucht und eine schlechte? Es gibt ganz sicher den einen Durst und den anderen Durst. Die Menschen in der Wüste haben Durst nach Wasser. Sie haben auch Angst, dass ihnen und ihren Kindern das Wasser ausgeht. Sie bereuen, dass sie überhaupt aufgebrochen sind. Sie suchen einen Schuldigen. Sie schimpfen auf Gott. Gott ist der, der etwas zu geben hat; mehr interessiert diese Menschen nicht. Viele Menschen sind noch immer so: Gott nur dann, wenn er liefert; Lösung des Problems jetzt, hier, aber nie ein Blick ins Weite. Oder in die Höhe.

Bei dem Mann und der Frau am Brunnen geht es um einen geistigen Durst. Und bei Ihnen? Dürsten Sie? Murren Sie? Streiten Sie mit Gott? Oder sitzen Sie nur da? Haben Sie – denn darum geht es – Durst nach der Wahrheit? Wie merkt man den? Sie haben Durst nach der Wahrheit, wenn Sie leiden unter den Lügen und den Lügnerinnen dieser Tage. Oder wenn Fragen Sie umtreiben. Die Frau am Brunnen fragt! Und Sie? Fragen Sie einen, der sich auskennt und der es gut meint? Schauen Sie sich doch die Kandidaten dieser Zeit an: Bei wem haben Sie das Gefühl, er meine es gut mit Ihnen? Die Frau am Brunnen fasst Vertrauen zu Jesus.

Auf dem Weg von Alten Testament zum Evangelium kommt es zum großen Sprung: vom bloß körperlichen Durst zum Geistigen. „Der Brunnen ist tief“, heißt es da… Können Sie mitspringen? Ist der Sonntag für Sie die Zeit für den Geist? Sie verstehen: Das null zu tun mit Bildung oder Wissen. Es geht einfach darum, dass Menschen Wahrheit wollen. Und dass die bei Christus zu finden ist. Haben Sie Durst nach Gott? Wen verstehen Sie besser, die enttäuschten, wütenden Juden oder die Frau, die allmählich die Wahrheit erkennt?

Was genau erkennt sie auf vielen Umwegen? Dass Jesus der Ort ist, an dem der eine und einzige Gott angebetet wird. Dass es jetzt um Anbetung geht und nicht mehr bloß darum, Gott mit Anliegen zu kommen wie dort in der Wüste. Viele – viele Juden damals, viele andere heute – viele weigern sich, Jesus als den Sohn Gottes anzunehmen. Sie sind unbeweglich wie ausgetrocknete Brunnen, sie sind bei dem stehen geblieben, was sie immer schon von Gott dachten. Wer verharrt, statt weiterzugehen, kann die neuen Wege Gottes verpassen. Gott ist ein lebendiger Gott. Lebendig wie frisches, fließendes, strömendes Wasser. Gott wird uns fremd, wenn wir nicht lebendig sind wie er, wenn wir nicht schöpfen aus den lebendigen Wassern.

Bußakt

Angebetet wird nicht an einem bestimmten Ort, nicht in Rothenfels, nicht in Hafenlohr, sondern im Innersten der Seele.
Haben Sie ein Innerstes?
Haben Sie eine Seele?
Ist unser gemeinsames Beten „wahr“?
Ist Ihre Seele offen? Oder zugemüllt?

Fürbitten

Die Männer und Frauen in der Wüste vertrauen Gott nicht; die Frau am Brunnen fasst Vertrauen zu Jesus: Heiliger Geist, mach uns vertrauensvoll.
Angst ist ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in Christus fehlt:

Heiliger Geist, nimm uns die Angst
Angst vor Krankheit: Heiliger Geist, nimm uns die Angst!
Angst vor dem Alter: …
Angst, nicht mehr arbeiten zu können: …
Angst, die Arbeit nicht bewältigen zu können: Heiliger Geist, schenk uns Vertrauen!
Angst, nicht geliebt zu werden: …
Angst, von der Liebe erdrückt zu werden: …

Die Lösung kommt von daher, wo es keinesfalls zu erwarten ist: Wasser aus dem Stein.
Vater im Himmel, überrasche uns! Lass und staunen!

Wir beten um Frieden in der Welt.

Wir beten für die Wahlen morgen / heute.

Wir beten für die jungen Eltern in Rothenfels / Hafenlohr: dass sie den Glauben weitergeben.

Wir legen unsere Toten in die Hand des Vaters.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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