2. Sonntag im Jahreskreis
2. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A, Joh1,29-34) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Sie kennen das. „Seht das Lamm Gottes, das wegnimmt die Sünde der Welt.“ Nun wissen Sie auch, woher dieser Satz kommt: aus der Bibel. Johannes der Täufer ist der erste, der gerufen hat: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.“ Wirkt das noch bei Ihnen? Was regt sich, wenn Sie es neu hören? Wie zum ersten Mal, bis in den wachen Verstand hinein, bis ins tiefe Herz. Was regt sich in Ihnen, wenn Sie dabei auf den schauen, um den es geht: Jesus Christus. Was ist der für Sie? Ein Vorbild, ein Maßstab? Vermittelt er bestimmte Werte? Letzten Sonntag sagte mir eine Frau: „Aus der Kirche bin ich ausgetreten, aber die christlichen Werte habe ich noch.“ – Ja, und? Die Leute meinen, sie könnten mich mit ihren „christlichen Werten“ beeindrucken. Aber diese Werte langweilen mich zu Tode. Im Evangelium geht es nicht um „Werte“, sondern um eine Person, um eine Beziehung. Die CSU hat Werte, wir Christen haben eine Beziehung zu Jesus Christus. Zu dem, der sagt: „Folge mir!“ – Was ist in Ihren Ehen oder Partnerschaften das Erste? Bestimmte Werte oder der Mensch an Ihrer Seite? Also. Jesus ist kein Programm, sondern eine Hoffnung. Ich brauche Hoffnung, keine Werte. Meine Hoffnung ist, dass einer wirklich die Sünde dieser Welt wegnimmt. Meine, Ihre, die Sünde der Mächtigen und die Sünde der Armen, die Sünde der Jahrhunderte und der Kontinente. Es geht um Christus und die Welt, die sich von Gott getrennt hat (oder wollen Sie behaupten, zwischen Gott und dieser Welt sei alles fein?). Ich bin immer wieder platt, wenn ich wie vorgestern beim Gärtner Menschen treffe, die mir sagen: Zwischen mir und Gott – alles gut. Nicht die geringste Sehnsucht, ein besserer Mensch zu werden, mehr zu lieben. „Alles gut.“ Das ist kein echter Herzensfriede. Ich spüre, sehe, höre unzählige Nein zu Gott, bewusste und unbewusste. Das Leben, das Gott den Menschen anbietet, wird abgelehnt. Ich treffe Menschen, die sagen: „Vergebung will ich nicht. Ich trage meine Schuld allein. / Hilfe will ich nicht, da müsste ich ja wen bitten. / An die Liebe glaube ich nicht mehr.“ / Sie sagen: „Gott ist eine Erfindung von Menschen, die allein nicht zurechtkommen. / Die Kirche ist nur ein Verein.“ Ich treffe Menschen, welche die Kirche sehr kundig kritisieren können, sich selber aber keine Sekunde in Frage stellen. Leute, die sagen: „Meine Währung ist Erfolg, Geld, Aussehen, Unabhängigkeit. Was ich will, das nehme ich mir. Grenzen sind zum Überschreiten da. Es gibt eh zu viele Menschen und was sich nicht beweisen lässt, das gibt es nicht.“ Kurz: keinerlei Öffnung. Kein Gott. Jene Welt ist mir unerträglich. „Seht das Lamm Gottes…“ Sie wissen, was dem vorausgeht: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Das freut Sie aber nicht! Sie sind misstrauisch. Weil Sie keinen Frieden sehen. Die Schuld dafür geben Sie Gott, der so große Ansagen macht und nichts hält: kein Friede, nirgendwo. Haben Sie schon einmal gedacht, dass es nicht an Gott liegen könnte, sondern an Ihnen? Was bedeutet Friede? Nicht bloß Abwesenheit von Krieg, sondern Versöhnung. Die beginnt bei Christus, der die Sünde der Welt wegnimmt und die Welt mit Gott versöhnt. In der Tiefe ist alles gut seit dem Karfreitag. Aber die Menschen wollen die Sünde behalten. Der Friede müsste beginnen in den Herzen. Der Weltfriede beginnt in Ihrem Inneren. Aber die Herzen sind zu. Friede bedeutet Übereinstimmung mit dem Willen Gottes [1]. Das ist Herzensfriede. Und wo entsteht das? In der Kommunion, zu der Sie alle gleich laufen werden. Versuche ich gerade, Ihnen Schuldgefühle zu machen, ist das das Ziel der Predigt? Schuldgefühle bewirken nichts als Unbehagen oder Ärger; so geht nichts weiter. Es ist die Herzensreue, die eine Beziehung wiederherstellt. Jesus will den Menschen keine Schuldgefühle machen. Jesus ist keine beleidigte Religionslehrerin. Er will, dass wir unsere Taten prüfen, die bösen bereuen und etwas ändern. Er nimmt etwas weg, damit es uns leichter wird, damit wir neu anfangen können. Das Lamm erträgt die Sünden nicht bloß, es nimmt sie weg. Dieses „Lamm Gottes“ ist stark. Im letzten Buch der Bibel steht: „Das Lamm öffnete das sechste Siegel. Da entstand ein gewaltiges Beben… Und sie sagten zu den Bergen und Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns… vor dem Zorn des Lammes“ (Offb 6). So ist das Lamm Gottes. So sieht es aus für die Sünde der Welt und die Täterinnen und Täter. Alle Konzentrationslager, alle Fake News und Lügen, der Missbrauch… nichts davon hat eine Zukunft. Geleistet wird das durch den einen, einzigen Retter. Können Sie so einen akzeptieren? Ihm folgen? Denn dies ist das Wesentliche, das ist auch der Sinn der Kommunion. „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“, hieß es in der Lesung (1 Kor 1,3). Der Friede Gottes kommt bei uns an in der hl. Kommunion. Im Inneren. Von dort aus wirkt er. Wenn Sie schlecht kommunizieren, faul, kalt, ohne Ihr Herz, dann geschieht gar nichts: Diese Welt bleibt wie sie ist. [1] „Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet“ (Ez 36,27). FÜRBITTEN Wir sind alle getauft. „Mit dem Heiligen Geist“, sagt das Evangelium. „Dieser ist der Sohn Gottes“, sagt das Evangelium über Jesus. „Ich mache dich zum Licht der Nationen. Damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“ Wir beten heute besonders um die Einheit aller Christen. Diese Einheit ist bedroht. Wir beten für die Kranken und die, die sie pflegen und besuchen. Wir beten für unsere Toten. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Rettersheim am 18. Jänner 2026
Wir bitten für alle Christen in Rettersheim.
Wir beten um den wahren Glauben an Jesus Christus.
Wir beten für die Völker der Erde.
