Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Vierter Adventsonntag in Zimmern 2025

21/12/2025 


Die Predigt zum Anhören

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Der König geht aufs Klo. Der König putzt die Zähne. Am Abend isst er mit seiner Familie. Das ist die erste Ebene: unser Alltag. Es gibt drei Ebenen.

Die Feinde machen Pläne, die Verbündeten machen Pläne, die Berater beraten. Das ist die zweite Ebene des Lebens: die Welt, in der es zugeht. Flugzeuge landen und Flugzeuge heben ab, Meetings finden statt, ich muss ans Telefon. Wir sind mitten in dieser Welt, aber versuchen immer wieder auszusteigen. Posten lieber völlig unnötiges Zeug in der WhatsApp-Gruppe. Unser Alltag beschäftigt uns, die Welt draußen vor dem Zaun stört. Sie macht uns Angst, die Welt da draußen, weil wir sie nicht verstehen und weil wir „eh nichts tun können“.

Dann ist da noch eine dritte Ebene. Wir sehen Ihn nicht, wir hören Ihn nicht, aber Gott handelt. Manchmal kommt einer, ein Bote und spricht von Zeichen.

Der König will keine Zeichen. Sie auch nicht, oder? Wollen Sie Zeichen von Gott? Manche frommen Leute sehen gerne Zeichen, – aber nur solche, die ihnen bestätigen, was sie eh schon denken. So ist Gott nicht.

Der König Ahas in der Ersten Lesung ist ein scheinheiliger Schwätzer. Er tut fromm, er spricht von Gott, aber in Wahrheit will er seine Ruhe vor Gott. Nicht der auch noch!

Ahas hat schon genug mit den Feinden an der Grenze und mit den Bündnispartnern, die vielleicht noch schlimmere Feinde sind als die Feinde. Ahas hat seine Ideen, er hat seine Erfahrung, er macht und tut; Ahas ist wie wir, obwohl er fast 3000 Jahre vor uns gelebt hat. Er will kein Zeichen von Gott bekommen. Er macht seine eigenen Pläne.

Wer wird sich durchsetzen? Ahas oder Gott?

Ahas ist ein Mensch in Not, der Mann hat richtig Stress.

Da tritt Gott auf ihn zu und bietet ihm etwas an: ein Zeichen. Würden Sie einschlagen? Würden Sie sagen: Ja, bitte! Ahas ahnt, was dieses Zeichen bedeuten würde: eine Hoffnung. Die allerdings von Gott kommt.

Nicht einen Sieg in den nächsten acht Tagen, nur Hoffnung. Auf Hoffnung muss man sich einlassen, sonst funktioniert das nicht. Ahas will sich nicht einlassen. Nicht auf Zeichen, nicht auf Gott, nicht auf Hoffnung. Lieber noch ein Meeting. Lieber Krieg. Der König verweigert den Kontakt mit Gott und geht weiter in die Kirche. Die meisten Menschen, die ich kenne, machen es wie Ahas. Sie reden vielleicht von Gott, aber sie lassen sich nicht ein auf Gott. Christen, die alles tun, um Gott nicht zu begegnen.

Zu Gott beten, ihn um etwas bitten, heißt noch lange nicht, sich auf Gott einlassen. Wer sich auf Gott einlässt, ist bereit, sich verändern zu lassen. Die meisten bleiben lieber in ihrem Topf aus Angst, Eigensinn, Faulheit und schlauen Argumenten.

Hoffnung von Gott, Zeichen von Gott wollen sie nicht.

Der Prophet merkt, wie Ahas bockt. Da wird der Mann Gottes zornig. Zornig auf die Menschen, die Gott nicht wollen.

Wann haben Sie zum letzten Mal von einem zornigen Bischof gehört? Wann haben Sie zum letzten Mal gefürchtet, Gott könne wirklich „ermüdet“ sein, wie es in der Lesung heißt?

Kommt die Stunde, wo Gott diese Welt satthat?

Gott gibt der Welt ein Zeichen. Ein Kind. Einen Namen: „Gott mit uns“. Die meisten denken: Was ist das schon, ein Name? Nur ganz wenige lassen sich ein auf das Zeichen von Gott. Auf ein Kind.

Die Kirche ist auch ein Zeichen von Gott: Haben Sie die Kirche schon einmal so gesehen?

Gott handelt. Mit uns oder ohne uns. Doch was wird aus denen, die nicht mit Gott handeln wollten? Bleiben die einfach am Wegrand zurück? Ich weiß es nicht.

Was ist besser: eigenmächtiges Handeln oder Gottvertrauen?

Schon damals schien die Geschichte ein Endlosschleife zu sein: Gewalt, Rache, Gewalt, wieder Rache, wieder Gewalt. Etwas Besseres fällt Ahas nicht ein. Er will kein Zeichen.

Jetzt, wo alles so verfahren erscheint in dieser Welt (und vielleicht sogar in Ihrem Alltag), da kommt Weihnachten. Was ist Weihnachten? Ein Zeichen. Ein Zeichen für Offenheit. Denn das Kind wird geboren, nicht um irgendwann zu sterben, sondern um etwas Neues anzufangen. Wir müssen nicht bleiben, wie wir sind. Nichts muss so bleiben, wie es ist.

Uns wird ein Kind geboren. Ein Zeichen wird uns gegeben werden.

FÜRBITTEN

Wir beten für die, denen Weihnachten eine Last ist.

Wir Erwachsene beten, dass wir verschont bleiben von den Wutanfällen der Kinder.

Wir beten darum, dass der nervige Onkel die Klappe hält und die stichelnde Oma liebevoll schweigt.
Heiliger Geist, rette uns vor dem bösen Wort, das unbedingt herauswill.

Wir beten für die, die im Fußballstadion Weihnachtslieder grölen: Christus, schlage sie mit Nachdenklichkeit auf ihrem Nachhauseweg.

Wir beten für alle, die jeden Tag Schmerzen haben. Zeige ihnen, wie das geht: mit Jesus zu leiden und für andere zu leiden.
Lass sie einen Sinn ihrer Schmerzen sehen.

Wir beten für die Reisenden dieser Tage. Und für die Mitarbeiter*innen der Eisenbahn.

Wir beten für die, die einen Frieden aushandeln.

Wir beten für unseren Toten.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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