Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Freitag der ersten Adventwoche

05/12/2025 


Die Predigt zum Anhören

Freitag der ersten Adventwoche (Mt 9,27-31, Version des alten Lektionars)
Predigt am 05. Dezember 2025 in Oberndorf

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann?“

Wer auf diese Frage hin nur blöd schaut, der wird Weihnachten nicht feiern können. Er wird halt irgendwas machen, aber sein Herz wird nicht feiern. Er wird nicht glauben. Es wird sich an Weihnachten nichts verändern außer dem Kontostand. Wollen Sie Feste, die nichts ändern? – Wie wichtig diese Frage ist, habe ich letzten Sonntag verstanden, als ich in der Hl. Schrift auf die Stelle beim Propheten Isaias stieß, wo es heißt: „Eure Feste sind mir verhasst, ich bin es müde, sie zu ertragen [1].“ Wie müssen unsere Feste sein, damit sie Gott gefallen?

Sie wissen: Die Fragen, die Jesus im Evangelium stellt, sind Fragen an Sie. Warum sollten uns Fragen interessieren, die vor 2000 Jahren irgendeiner irgendwem gestellt hat? Nein, der Heiland fragt Sie: „Glaubst du, dass ich dir helfen kann?“ Und da wird’s spannend. Brauchen Sie Hilfe? Wenn ja, wo genau? Glauben Sie, dass Jesus Christus etwas für Sie tun kann? Wo genau kann er Ihnen helfen und wo nicht?

Damit sind wir beim Advent oder besser gleich bei Weihnachten. Den Advent gibt es ja nur, weil es Weihnachten gibt. Und Weihnachten gibt es … warum?

Diese Frage stellte mir dieser Tage einer, der mir gegenübersaß: Wozu gibt es Weihnachten? Eine gute Frage! (Übrigens, stellen Sie Ihren Priestern die richtigen Fragen? Solche wie diese?)

Ich musste selbst überlegen. Ja, wozu genau Weihnachten? Zum Geschenkemachen und Geschenkekriegen? Scheidet aus. Ich bin ja nicht mehr sechs Jahre alt.

Gibt es Weihnachten, damit sich die Familie mal wieder trifft? Nun, erstens habe ich keine Familie; ganz viele Leute haben keine Familie. Und zweitens: Was taugt eine Familie, die es nur einmal im Jahr zusammenschafft? Was soll man von Geschwistern halten, die in zwei Jahren nicht einmal miteinander telefoniert haben? Was von erwachsenen Kindern, die ihre Eltern nie besuchen, erst recht nicht, wenn die im Pflegeheim sind. „Die Mutter kriegt eh nichts mehr mit.“ Nicht einmal, dass du ihre Hand hältst? Warum ist es für die meisten sogenannten Christen undenkbar mit dem alten Vater ein Vaterunser zu beten? Dabei wissen sie doch: Je weniger wir mit den Alten sprechen, je länger wir sie alleine hocken lassen, desto schneller verblöden die.

Weihnachten also für die Familie? Da geht mehr. Die Welt braucht mehr als ein fragwürdiges Familienglück.

„Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann?“ Wenn Sie keine Hilfe brauchen; wenn Sie es nicht zugeben können, dass Sie sich nach Hilfe sehnen; wenn Sie beim besten Willen keine Ahnung haben, wie Christus Ihnen eine Hilfe sein könnte, weil Sie ihn ja gar nicht kennen, wenn das alles so ist, dann blockiert es hier schon und Sie werden Weihnachten halt nur irgendwie feiern. Wenn Sie aber entdecken, dass Sie sich nach Erlösung sehnen, dann geht es weiter.

Wovon kann Christus Sie erlösen, Sie und die anderen und die ganze Welt? Von der nächsten Finanzkrise? Vom Klimawandel? Von jenem Politiker? Kaum. Der Jesus der Evangelien macht immer wieder klar, wofür er nicht zuständig ist.

Nicht für Erbstreitigkeiten, nicht für Beerdigungen („lass die Toten ihre Toten begraben!“), nicht für Wunder auf Wunsch („Frau, meine Stunde ist noch nicht gekommen“), nicht für Verurteilungen („Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“), nicht für politischen Umsturz („Mein Reich ist nicht von dieser Welt“). Für all dieses Zeug ist Jesus nicht da.

Jesus widersteht dem Bösen, er heilt und er verkündet das Reich, d. h. die Herrschaft Gottes.

Sehnen Sie sich nach Heilung? Heilung von einem Streit? Heilung von Trotz und Widerstand und Misstrauen und Trägheit? Sehnen Sie sich nach Heilung von Unglauben? Nach der Erlösung von Hoffnungslosigkeit oder von der Verachtung für sich selbst? Wünschen Sie sich die Heilung vom harten Herzen oder von der Angst? Wäre die Klarheit eine Erlösung, die Ihnen zeigt, was wichtig ist und was unwichtig? Würde solche Klarheit Ihnen helfen, die Blödschwätzer fortzuschicken?

a. W. Sehnen Sie sich nach einem anderen Leben, nach dem Reich Gottes also?

Dazu ist Weihnachten da, dazu ist die Kirche da: dass das Reich Gottes sich ausbreite. Jesus gibt (anders als die Pfarrer) nicht bloß gute Ratschläge. Er gibt echte, konkrete, innere, reale Hilfe. Die Kirche nennt das „Gnade“. Gnade ist in der Begegnung mit der Heiligen Schrift, in der hl. Kommunion, in den Armen, die Sie besuchen. Wer sein Herz aufreißt, dem wird Gnade geschenkt.

„Glaubt ihr, dass ich euch helfen kann?“ – Die Antwort ist: „Ja, Herr.“

[1] Vgl. Is 1,1-18.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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