17. Sonntag im Jahreskreis 2025
17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C: Lk 11,1-13) Predigt am 27. Juli 2025 in Marktheidenfeld St.-Joseph Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Hochmut. Sagt Ihnen was? Viele meinen, der Hochmut sei in Schlössern zuhause oder in den chicen Cafés der großen Städte. Ich bin nicht sicher. Der hochmütigste Mensch, den ich je getroffen habe, war ein österreichischer Landwirt, der gelegentlich nach Wien fuhr, um dort seine Frau zu betrügen. Mit welcher Verachtung dieser Bauer auf die Menschen der Stadt herabschaute, ganz besonders auf Menschen, die Bücher lesen: „unnütze, hilflose, lächerliche Leute!“ Es war ihm anzusehen, dass er genau so dachte. Das hochmütigste Wort, das mir im religiösen Bereich je begegnete, das ging so: „Das Vaterunser? Was gibt ‘s denn dazu zu sagen?“ Ich hatte Vorträge über das Gebet des Herrn erwähnt. Der Typ, der so sprach, – getauft, Katholik –, war keine jener schlichten Seelen, die einfach und tief beten, ohne geschickte Worte zu suchen. Nein, das war ein durch und durch hochmütiger Mensch, der jeden Gedanken über Handwerk und Fußball hinaus für Gedöns hielt. Zum Vaterunser gibt’s doch nichts zu sagen: eine Ohrfeige für alle Frauen und Männer, die seit 2000 Jahren nachdenken über das Gebet, das Jesus seine Jünger lehrte. Die nachdenken, um dann besser zu beten; die ihre Erfahrungen weitergeben; die aus Gedankenlosigkeit keine Tugend machen. Der Glaube steht nicht gut da bei uns. Mehr und mehr werde ich sicher: Es sind nicht nur Unwissen, Gedankenfaulheit oder „der Zeitgeist“, welche dem Glauben zusetzen. Es ist auch der unfassbare Hochmut, mit dem weite Teile der Gesellschaft an religiöse Themen herantreten. Man erwartet von uns Katholiken, dass wir uns der modernen Welt stellen, aufgeschlossen und respektvoll; dass wir bereit sind, die eigenen Positionen zu hinterfragen. Aber selber bleibt man sehr zufrieden in seiner Blase aus Dünkel und Blasiertheit und hält sich dabei für „tolerant“. Ich bin sehr für das kritische Hinterfragen. Ich nehme es wie eine Pflicht, bei allen meinen Überzeugungen zu fragen: Ist es nicht vielleicht anders als ich denke? Kann es nicht sein, dass ich mich täusche? Wo ich denke, gibt es keine Sicherheit. Wo ich glaube, ist alles fest. Ich glaube an Gott. Aber ich bin auch bereit zu fragen: Kann es sein, dass es Gott gar nicht gibt? Das ist denkbar. Bei vielen Zeitgenossen ist es umgekehrt: Sie denken stur immer dasselbe, aber ihre Religion geht mit jeder Mode durch. Ihr Denken ist Zement, ihr „Glaube“ läppriger Milchkaffee. Wie auch immer, der oder die Hochmütige wird das Vaterunser nie beten können, soviel steht fest. Wer schon alles weiß, bleibt blöd. Das Evangelium dieses Sonntags stellt mir die Frage: Wie näherst du dich dem Gebet des Herrn? Und natürlich gebe ich diese Frage weiter an Sie. Wie nähern Sie sich dem Vaterunser? Liegt es nicht auf der Hand, zu fragen: Was ist das genau, das „Reich Gottes“? – Wäre es nicht ehrlich zu fragen: Wünsche ich mir wirklich, dass der Wille Gottes geschehe, wenn ich bete „Dein Wille geschehe“? – Könnte man nicht darüber nachdenken, warum es heißt „unser tägliches Brot gib uns“? Es heißt so, weil wir Christen von einem Tag auf den anderen leben sollen, ohne allzu viel Sorgen um die Zukunft. Das ist „Gottvertrauen“. Gott möge uns heute das Brot geben, das wir heute brauchen, dann sehen wir weiter. – Einzig über „führe uns nicht in Versuchung“ wird nachgedacht. Aber nie, um Gott zu verstehen, sondern um Gott anzuklagen: „Was ist das für ein Gott, der uns in Versuchung führt?“ Die Leute verdächtigen Gott. Mir ist das unerträglich. Die Bibel sieht in der Versuchung eine Herausforderung. Durch sie soll der Mensch im Glauben wachsen, in ein neues Verhältnis zu Gott hinein. Die Versuchung ist kein Spielchen, mit dem Gott uns testen will. Nein, der Mensch gerät in dieser Welt in Umstände, die ihn auf die Probe stellen. Damit er Stabilität in Gott gewinnt. Ich kann in einer Sonntagspredigt unmöglich das ganze Vaterunser erklären, aber ich kann Ihnen helfen, sich diesem Gebet überhaupt zu nähern. Die ernsthafte Annäherung an das Gebet des Herrn beginnt damit, es nicht selbstverständlich zu nehmen. Nicht gleich zu denken: Kenn‘ ich schon. Das Vaterunser einmal nehmen, als höre man es zum allerersten Mal. Oder bei einem einzelnen Wort stehenbleiben, während die Lippen weiterbeten. Allein dieses Wort: „Vater“ (und eben nicht „Mutter“). Oder dieses: „Himmel.“ Wenn Sie sich dem Vaterunser nähern, dann sollten Sie wissen, wo es herkommt. Es ist das einzige Gebet, das Jesus seine Jünger lehrte. Schon um seiner Herkunft willen sollten Sie dieses Gebet achten und lieben. Und ab und an bedenken: Das Vaterunser ein Geschenk Jesu an uns Menschen. Und Sie sollen nicht vergessen, dass Sie zu jemandem sprechen, wenn Sie das Vaterunser beten. Sie haben ein Gegenüber, das wirklich hört. Sie nennen es „Gott“. Und „Vater“. Wenn Sie es so angehen, werden Sie staunen darüber, dass wir, wir Menschen, dass wir Gott, Gott!, überhaupt denken und anreden können. So bleibt am Ende nicht Hochmut, sondern Staunen und Dankbarkeit. FÜRBITTEN Dieser Sonntag erzählt uns vom berühmten Handel zwischen Abraham und Gott; er bringt uns die Gedanken des Paulus über Sünde, Taufe und neues Leben nahe; schließlich die Lehren des Herrn über das rechte Beten. In Abrahams Welt scheinen Unrecht und Sünde immer mehr um sich zu greifen. Abraham fürchtet die vernichtende Strafe Gottes. Auch eine kleine Gruppe guter Menschen kann viel für alle erreichen. Wir Katholiken sind in Marktheidenfeld eine Minderheit. In der Taufe lassen wir die Schuld hinter uns und starten in eine ganz neue Existenzweise, eine neue Form der Gottesbeziehung. Vater, gib uns allen heute das Brot, das unser Körper braucht. Und Nahrung für unseren Geist und unsere Seele. Verlass uns auch morgen nicht. „Vergib uns wie auch wir vergeben.“ Jesus, du wurdest vom Teufel versucht. Wir beten für unsere Kranken, für die Sterbenden und für die Trauernden. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt am 27. Juli 2025 in Marktheidenfeld St.-Laurentius
Wir beten jetzt für uns hier, für die ganze Kirche und für die Welt. – Wir beten in Stille.
Vater im Himmel, wende dich nicht ab von den Menschen und ihrer Welt.
Heiliger Geist, hilf uns, in dieser Woche fest auf Gott zu vertrauen.
Christus, gib uns das neue Leben. Erhalte es in uns.
Heiliger Geist, heile unsere gestörten Beziehungen zu anderen Menschen und zu Gott.
Bleibe in unserer Nähe, wenn jemand versucht, uns von Gott zu trennen.