Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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GEBETSIMPULS – Gebet der Heiligen Jungfrau Maria von Lourdes

02/05/2020 


4. Sonntag Osterzeit – Jesus, der Gute Hirt

Psalm 23

Joh 10,1-10

Einer der schönsten Texte in der ganzen Heiligen Schrift ist Psalm 23. Der Beter bringt in diesem Psalm sein Vertrauen auf Gott zum Ausdruck. Zuerst spricht er über Gott, dann spricht er ihn direkt an. Zwei Bilder dominieren im Text, nämlich Gott als „Hirt“ und Gott als „Wirt“. Vielleicht tun wir uns heute mit dem ersten Bild nicht so leicht. Wer möchte schon ein Schaf sein? Aber die zentrale Botschaft ist: Gott will unser Heil, er sorgt sich um uns, er birgt uns in seiner Liebe und schenkt uns Leben in Fülle. Auf ihn können wir uns verlassen.

„Der Herr ist mein Hirte.“ Der unendliche Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, dieser Gott hat Interesse an mir und sorgt sich um mich. Er will das Beste für mich. Er ist mein Hirte, dem ich mich ganz anvertrauen darf. Kann ich das glauben? Warum tue ich mir vielleicht schwer damit? Was könnte mir dabei helfen?

„Die grünen Auen und die finstere Schlucht.“ Gottes Zusage gilt in guten und in schlechten Zeiten, im Glück und im Leid. Im Glauben wird alle gute Erfahrung zu einem Gleichnis der Gemeinschaft mit Gott. Auch im Leid muss ich nicht mehr verzweifeln, weil Tod und Vergänglichkeit nicht mehr das letzte Wort haben. Was sind meine „grünen Auen“ und „finsteren Schluchten“? Lasse ich Gott an meine Angst und auch an meine Schuld heran?

„Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.“ Im Glauben werde ich dankbar sein, weil ich dann alles Gute in meinem Leben als ein Geschenk Gottes verstehen kann, aber nichts mit Gott verwechseln muss. Das Urteil von Menschen über mich ist nicht mehr so wichtig. Ich kann auch Konflikte durchstehen. Wofür bin ich dankbar? Verstehe ich das Gute in meinem Leben als ein Geschenk Gottes? Wo hänge ich zu sehr vom Urteil anderer ab? Kann ich für eine gute Sache auch Konflikte eingehen? Was sind meine „Feinde“?

„Und im Haus des Herrn darf ich wohnen immerdar.“ Gottes Zuwendung gilt immer, auch dann, wenn ich sterben muss. Das ist Grund zu großer Freude. Kann ich glauben, dass der Tod seine Macht über mein Leben verloren hat? Kann ich mich darüber freuen? Wie zeigt sich diese Freude in meinem Leben?

Für uns Christen erfüllt sich die Grundaussage dieses Psalms in Jesus Christus. Jesus selbst ist der Gute Hirt. Durch ihn haben wir Zugang zum Vater, durch ihn wird uns das Leben in Fülle geschenkt. Dazu ist er gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben, nämlich Anteil an seiner Gemeinschaft mit Gott. Jesus geht dem verlorenen Schaf nach und rettet es. Er ruft uns einzeln beim Namen und führt uns ins Weite, in die Freiheit der Kinder Gottes. Er gibt sein Leben für uns hin. Er unterschreibt seine Botschaft von einem unendlich liebenden Gott mit seinem Blut. Er ist anders.

In der Nachfolge Jesu können auch wir zu guten Hirten und Hirtinnen werden. Jeder Getaufte hat Anteil am Priestertum Christi und ist berufen, Zeugnis abzulegen für das Evangelium. Wir sind dazu berufen, den Menschen die Güte und Barmherzigkeit Gottes bekannt zu machen. Ein französischer Bischof meinte einmal, dass die Kirche blühen könnte, wenn es den Gläubigen gelänge, „faire circuler la parole“, nämlich das Wort Gottes im Reigen umhergehen zu lassen. Die Kirche siecht dahin, wenn man sie als religiösen Dienstleistungsbetrieb oder Kultverein oder NGO betrachtet.

Dietrich Bonhoeffer hat das Gemeinte einmal so ausgedrückt:

„Der Christ lebt ganz von der Wahrheit des Wortes Gottes in Jesus Christus. Wird er gefragt: wo ist dein Heil, deine Seligkeit, deine Gerechtigkeit? so kann er niemals auf sich selbst zeigen, sondern er weist auf das Wort Gottes in Jesus Christus, dass ihm Heil, Seligkeit, Gerechtigkeit zuspricht. Gott hat gewollt, dass wir sein lebendiges Wort suchen und finden sollen im Zeugnis des Bruders, in Menschenmund. Darum braucht der Christ den Christen, der ihm Gottes Wort sagt, er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewiss und verzagt wird; denn aus sich selbst kann er sich nicht helfen, ohne sich um die Wahrheit zu betrügen. Er braucht den Bruder als Träger und Verkündiger des göttlichen Heilswortes. Er braucht den Bruder allein um Jesu Christi willen. Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss. Damit ist zugleich das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft. Als solche lässt Gott sie zusammenkommen und schenkt ihnen Gemeinschaft.“

Dazu segne uns der in allem mächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Robert Deinhammer, S.J.

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