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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Kreuzerhöhung, 14. September 2015

05/10/2015 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Gut, wenn ein Versuch scheitert. Nicht, damit es dann beim nächsten Mal besser wird; auch nicht, um uns unsere Grenzen aufzuzeigen und als reife Persönlichkeiten abzurunden. Nein: einfach scheitern. Und das aushalten.

Feste sind entweder bloß Party – oder Versuche, mit dem Leben zurechtzukommen. Das gilt erst recht für die Feste der Kirche: Wir feiern Heilige, Märtyrer, welterschütternde Ideen und Ereignisse, um dann weiterzumachen. Feste sind Versuche, dem Großen oder Schrecklichen zu begegnen (weil wir ihm ja nicht auskommen) und halbwegs heil aus dieser Begegnung herauszukommen, um dann weiterzuleben.

Heute das Fest „Kreuzerhöhung“. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 335. Bis zur Grabeskirche in Jerusalem, zu den christlichen Kaisern in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Man zeigte den Menschen das wieder gefundene Kreuz Jesu. Das Siegeszeichen.

Natürlich ist das Kreuz ein Siegeszeichen. Jesus hat den Tod besiegt, und von der Auferstehung selbst kann es schließlich kein Zeichen geben. Siegeszeichen also. Aber die Liturgie, Paulus zitierend, spricht von der „Torheit des Kreuzes“. Von der Dummheit des Kreuzes also. Und, in der Lesung, von Sklaverei, Entäußerung, Gehorsam, Erniedrigung, Tod. Da kommen schon Zweifel auf an der Gestalt dieses Sieges.

Wir haben also alles zusammen. Die disparatesten, unangenehmsten, unglaublichsten Dinge. Jede Harmonisierung wäre Manipulation. Respektlos, eigenmächtig, besserwisserisch.

Wir sollen in der Torheit des Kreuzes Gottes Weisheit erkennen, heißt es im Tagesgebet. Das geht sicher nicht so, dass wir nachher beruhigt und befriedigt da sitzen können: „Jetzt hab ich ’s kapiert, das Kreuz und all das. Jetzt kann ich andere belehren.“ Wer auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt, was das ist, das Kreuz – das Kreuz eines x-beliebigen Menschen schon und erst recht das Kreuz Jesu; wer darüber nachdenkt, wer das ist: Gott, und was das sein könnte: seine Weisheit, der wird nicht mehr schlau daher reden. Der wird schweigen. Überfordert, ratlos, scheu. Weil kein Mensch das zusammenbringen kann.

Da hilft es auch nichts, wenn Paulus von der „Erhöhung“ Jesu schreibt. „Darum hat ihn Gott über alle erhöht…“ Erhöhung, ja. Aber dürfen wir an diesem Fest ausblenden, wegdenken, wie es dazu kommt? Die erste „Erhöhung“ Jesu ist die durch das Kreuz. Zwei Meter. Und die kosmische, ewige Erhöhung Jesu („größer als alle Namen“) wäre gar nicht ohne die drei Stunden am Kreuz. „Darum, deshalb hat ihn Gott über alle erhöht.“

Die Feste der Kirche sind Harmonisierungsversuche, Trostangebote. Gut. Denn wir brauchen Trost. Aber welches Leiden ließe sich harmonisch einfügen ins Leben und ins Zusammenleben mit anderen? Das gelingt noch nicht einmal mit einem Liebeskummer. Welcher Leidende wäre wirklich zu trösten, umfassend, abschließend, so, dass alles wieder gut ist? Christliche Leidensvergötterung: auch nur ein Trick. Jeder Trost ist erlaubt und jeder Trost geht schief.

Es genügt zu hören. Das Schlussgebet der Messe vom Fest Kreuzerhöhung: „durch diese Feier, in der wir deinen geopferten Leib empfangen haben“. Hallo?! Oder in jeder Messe: „Seht an das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt…“ Die Sünde der Welt?! Das erträgt man nicht mit Vernunft und fein geordneten Gedanken. Das geht nur im Schwindel. Das Kreuz lässt die Liebe Gottes tiefer verstehen – und es lässt gar nichts mehr verstehen.

Im Evangelium heißt es: „Damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben habe.“ Darum geht es: um Glauben. Nicht um Kapieren, wie man eine Billa-Rechnung kapiert. Glauben hat viel zu tun mit ertragen. Ich spreche nicht von Leiden und Schmerzen. Ich spreche von Ratlosigkeit, Verwirrung. Von Panik, weil man weiß: Alles lässt sich immer noch steigern. Unermesslich. Das Kreuz ist unermesslich. Würde man es nicht verkleiden, einhüllen, erklären, feiern wie heute: Die Leute würden weglaufen vor Angst. Das ist das Wunder der katholischen Kirche: dass sie es nicht tun, dass sie nicht wegrennen.

Das Einzige, was wir wissen: „Gott ist Liebe.“ Aber was hilft das? Wir wissen ja noch nicht einmal, was Liebe zwischen Menschen ist. Wie sollen wir da die Liebe Gottes verstehen? „Torheit“, ruft Paulus. Das Schlüsselwort. Wir verstehen gar nix. Nur das: Es ist Liebe. Es ist Liebe, wenn wir leiden. Es ist Liebe, wenn ein Vulkan hochgeht… Hochleistung, der Glaube.

Deswegen, weil wir das aushalten, führt uns Gott „zur Herrlichkeit der Auferstehung“. Nein, nicht wir: Er. Weil Er es ausgehalten hat, führt uns Gott „zur Herrlichkeit der Auferstehung“.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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