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Predigten aus den Malteserkirchen |
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Predigten aus der Malteserkirche
Hier finden Sie die Texte einiger Predigten des Vizerektors der Malteserkirche:
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Wien, am 5.12.11; 13:06:29 Uhr
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Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Es gibt keinen Advent mehr, und es gibt zwei Weihnachten: das der Christen und das andere, das mit dem Weihnachtsmann. Was der Advent sein könnte, sehen wir an den Texten dieses Sonntags; was er ist, sehen wir an den Weihnachtsmärkten.
Ich weiß, Sie leben als Christen heute in einer unmöglichen Situation. Aber wenn der Advent die Zeit der Wachheit ist, dann dürfen Sie es nicht leicht machen und wegschauen. So wie ich hinschauen muss auf den Widerspruch zwischen der Hl. Schrift und der Welt, in der Sie leben. Ich bin Ihr Seelsorger und soll Ihnen heute, ausgehend von den Lesungen, ganz widersprüchliche Dinge vermitteln: Trost, aber auch Strenge. Ernst, aber auch Zärtlichkeit („mit seinem Arm sammelt er sie“ – „behutsam führt er die Muttertiere“). Ich soll Ihnen Inhalte vermitteln, die kaum noch einer versteht.
Unsere Aufgabe lautet nun einmal: den Advent so nehmen, wie ihn die Liturgie zeigt und Weihnachten neu verstehen. Es kann ja ein Fest der Familie bleiben; aber für uns Christen soll es mehr sein als das: ein Fest des Glaubens. Und damit können ein paar stressige Erwartungen wegfallen. Konkret: Wenn Weihnachten vor allem das Fest des Erlösers ist, dann ist es keine Katastrophe, wenn die Kinder Weihnachten anders feiern als ihre Eltern. Wenn an Weihnachten die Geburt Christi gefeiert wird und nicht die bürgerliche Familie, die es sowieso nicht mehr gibt, dann könnte es gelassener werden. Und gläubiger. Ein neues Fest, wo nicht mehr die Alten Gewalt ausüben, die die Jungen dann mit Gegengewalt beantworten. Das angedrohte Drama, die Tränen, die gekränkte Miene sind ja Formen des Machtkampfes, der Gewaltausübung. Wo das Kind in der Krippe wirklich zählt, da geht so etwas nicht mehr. In der Lesung aus dem Petrusbrief steht deswegen der Satz: „Wir erwarten… einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ Vielleicht könnten wir entdecken, dass die Verkündigung des echten Advents nicht bloß eine Zumutung ist, sondern eine Chance.
Christlicher Advent, das ist Wachheit. Für die Welt und ihren Zustand. Das ist Auseinandersetzung. Mit der eigenen Schuld (was, welche Tat, welches Wort war wirklich nicht gut in meiner Woche?). Auseinandersetzung mit der Hoffnung (was hoffe ich eigentlich?). Mit der Geschichte und dem Ende der Geschichte. Denn darum geht es ja im christlichen Advent immer auch: um die Wiederkunft Christi (ganz egal, wie die vor sich gehen wird). Das hier hört auf.
Die Werbung will alle diese Fragen vergessen machen. Der Priester muss an sie erinnern. Auch an die Schuld. Denn wie soll einer das Geschenk der Erlösung verstehen – also Weihnachten –, wenn er Schuld nur bei den anderen findet, aber nie bei sich selbst? Das ist doch das Christentum: die Schuld sehen – und dann weitergehen zur Erlösung.
Die öffentliche Meinung reduziert Geschichte auf irgendetwas zwischen Urknall, Börsenkrise und Mit-dem-Tod-ist-alles-aus. Wir Christen sehen das anders. Die Lesungen heute zeigen es uns. Es ist uns klar, dass es Unterschiede gibt zwischen dem Weltbild der Bibel und dem heutigen. Fragen hatten schon die ersten Christen, die sich fragten, warum Gott sich so viel Zeit lässt wiederzukommen, warum von der Macht und Herrlichkeit Christi nichts zu sehen ist. – „Der Herr zögert nicht mit der Verheißung, wie einige meinen… er ist nur geduldig mit euch, denn er will nicht, dass jemand zugrunde geht.“
Aber was ist daran so schwer zu glauben, dass Christus wiederkommen wird, dass Gott Geduld mit den Menschen hat, dass keiner zugrunde gehen soll? Die wirklich wichtigen Dinge zwischen dem Menschen und Gott ändern sich nie. Und die wollen wir entdecken im Advent.
Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin
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Wien, am 5.12.11; 13:05:55 Uhr
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Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Frauen und Männer. – In der Lesung haben wir etwas von dem gehört, was die Bibel dazu zu sagen hat. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber ich mag diesen Text nicht besonders. Es geht da viel um die tüchtige Frau, die sich nützlich macht. Das ist nicht das Erste, was mich an einer Frau interessieren würde.
Der Text stammt aus einer Welt, in der es ums Überleben ging. Er sieht die Dinge sehr handfest; gar nicht romantisch. In der Lesung wie dann auch im Evangelium geht es um den tätigen Menschen. Der handelt, um sein Leben zu sichern, dabei aber die Armen nicht vergisst. „Ihre Werke sollen sie loben im Stadttor“, heißt es von der Frau. Im Stadttor saßen damals die Armen. Tüchtigkeit, Gottesfurcht, Mildtätigkeit, Treue, alles ist in diesen Worten. Aber keine Heiterkeit, keine Leichtigkeit. Wenn ich eine Frau hätte, dann müsste es eine sein, mit der ich viel lachen kann.
Wie geht man mit Bibeltexten um, die einem nicht so gefallen? So wie man wie den Worten eines Menschen umgeht, die einem nicht gleich gefallen. Man denkt sich: Aber sie kommen doch von ihm! Von einem Menschen. An dem mir vielleicht sogar liegt. Also will ich genau hinhören, will ihn verstehen und meine Vorurteile, d. h. meine ersten Urteile zurückstellen.
Wer genauer hinhört auf die Lesung, der versteht: Die Frau ist selbstständig. Natürlich hat sie einen Mann, aber sie ist nicht seine Sklavin. Sie geht ihrer Arbeit nach; sie tut anderen Gutes, hilft den Armen. Sicher, heute sitzt keine Frau mehr am Spinnrad; die Arbeit, von der der Text spricht, ist überholt. Aber die Art, wie die Frau lebt und arbeitet, die passt auch in unsere Zeit. (Wir wissen, dass diese alten Texte aus Zeiten stammen, wo es selbstverständlich war, dass die Frau sich dem Mann unterordnet. Aus einer Männerwelt (die wir ja vor 40, 50 Jahren auch noch hatten und an der die Kirche mitgearbeitet hat). Das klingt immer mit. Aber in dem kurzen Text geht es nicht um Über- und Unterordnung. Wenn man den Text für sich nimmt, so wie er da steht, dann erscheinen Mann und Frau als Partner.) Da steckt also in der Bibel auch Potenzial für ein modernes Frauen- und Männerbild.
Die Bibel spricht nicht sehr viel von Ehe und Beziehung oder Sexualität. Es geht der Bibel um Gemeinschaft in einem weiteren Sinn: der Menschen untereinander und mit Gott. Aber wir haben immerhin den Text der Lesung von heute. Er ist ein Beitrag zum Frauenbild der Kirche. Und zum Bild der christlichen Ehe.
Da ist auch die Erzählung von der Erschaffung der Welt, wo klar wird, dass der Mann kein ganzer Mann, kein ganzer Mensch ist ohne die Frau. Da geht es nicht bloß um Unter- und Überordnung, sondern auch darum, dass Mann und Frau unbedingt zu einander gehören.
Dann kommen im Alten Testament viele Paare vor. Abraham und Sarah z. B., Ruth und Boas. Und immer sind sie erstaunlich gleichwertig.
Es gibt in der Bibel auch die Außenseiterinnen. Frauen, die nicht ins Schema passen und doch wichtig werden für die Heilsgeschichte. Sie sind Fremde, die nicht dazugehören; sie sind nicht moralisch einwandfrei, aber Gott gibt ihnen einen wichtigen Platz in seinem Plan.
Dann ist da das Wort Jesu über die Ehe: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.“ Dieses Wort, das uns heute solche Schwierigkeiten macht, weil sich so viele Menschen trennen, die sich doch einmal vor Gott verbunden haben.
Dann ist da der Umstand, dass Jesus von Frauen umgeben ist und ihnen ganz unbefangen begegnet; viel unbefangener, als es damals ein frommer Jude durfte. Auch der Umstand, dass nach dem Evangelium Frauen die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind.
Da ist aber auch die Tatsache, dass Jesus trotzdem keine Frau in der Kreis der 12 Apostel aufnimmt; Frauen kein Amt überträgt. Das ist der Grund, weswegen bis heute die orthodoxe und die katholische Kirche keine Frauen zu Priesterinnen weihen. Jeder, der etwas anderes fordert, tritt also in eine Auseinandersetzung mit Jesus selbst. Er muss sich fragen lassen: Was bedeutet das Wort Jesu für dich? Alle gemeinsam, vom Papst bis hier her, müssen sich fragen: Was wollte – oder besser: was will – Jesus? Nicht: Was will die öffentliche Meinung?
Dann finden wir in der Apostelgeschichte viele Beweise dafür, dass die Frauen bei den ersten Christen eine wichtige Rolle gespielt haben, viel wichtiger als in ihrer Umgebung.
Und schließlich ist da Maria, die Mutter Jesu. Die Frau ohne Mann. Aus alledem setzt sich das Frauen– und Ehebild der Christen zusammen. Es gibt darin Dinge, die feststehen und Dinge, die sich bewegen.
Letztlich geht es immer um die gleiche Frage: Was will Gott? Was ist die wahre Liebe? Was dient der Liebe?
Die Christen sagen: Wahre Liebe ist treu. Ausschließlich und für immer. Sie ist fruchtbar. Sie ist möglich. Liegen wir damit so falsch? Jeder, der verliebt ist oder liebt, wünscht sich doch, dass es für immer sein soll. Keiner wünscht sich, dass sein Partner noch jemanden anderen liebt. Jedes Paar wünscht sich, dass seine Liebe weiterlebt in Kindern.
Die in Mailberg, die zusammenleben, aber nicht kirchlich heiraten, sind vielleicht realistischer; sie sind vielleicht zu Recht erschreckt von den Ehen, die ihre Eltern ihnen vorgelebt haben. Aber sie glauben nicht an die Liebe und sie glauben auch nicht daran, dass Gott der Liebe hilft.
Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin
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Wien, am 7.11.11; 8:41:50 Uhr
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Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Derzeit läuft im Kino ein Film, der erzählt, wie ein riesiger Planet sich unaufhaltsam unserer Erde nähert und schließlich mit ihr zusammenstößt: das Ende der Welt.
Die Menschen in diesem Film warten ganz unterschiedlich auf das, was kommt. Am Ende bleibt ihnen nur noch ihr Inneres – darin Resignation oder Verzweiflung oder Schrecken, je nach Charakter. Oder aber Liebe und Zusammenhalt. Die ohne einen Glauben nicht möglich sind. Alles andere im Leben – Besitz, Beruf, Vergangenheit, Zukunftspläne – wird völlig belanglos im Angesicht des riesigen, schönen Planeten, der alles hier unfehlbar beenden wird.
Die Macht der Bilder und die Erzählungen des Kinos machen uns deutlicher als die Bibel klar: Nichts ist für immer.
Dass Dinge an ihr Ende kommen, weiß auch die Bibel. Sie sagt es uns mit dem heutigen Evangelium; nur eben verhaltener als der Film. „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ Irgendwann ist es so weit. Ganz egal, ob man das Leben klug gestaltet hat oder töricht. Egal, was man getan oder nicht getan hat – irgendwann heißt es: jetzt. Und dann geht es nicht mehr zurück.
Aber die Bibel gibt etwas dazu, was im Kino (und vielen in dieser Zeit) fehlt: Hoffnung. Denn es macht einen Unterschied, ob eine Lebenskatastrophe das Letzte ist, das Ende – oder eine Station auf dem Weg in die gute Zukunft. Für uns Christen ist der Tod eine Station; danach geht es weiter.
Hier aber, in dieser Welt, steht irgendwann alles fest. Dann ist keine Möglichkeit mehr zu handeln.
Die dummen Mädchen im Evangelium sind die, die sich gedacht haben: Es wird schon irgendwie gehen. Oder einfach gar nichts gedacht haben. Und dann kommt der Bräutigam, und alles ist hin. Aber der Bräutigam kommt auch für die klugen Mädchen. Irgendwann schlägt die Stunde für alle. Die Dinge gehen zu Ende, im Guten wie im Bösen. So ist die Zeit. Wir aber sind für die Ewigkeit gemacht.
Man kann lange dahinleben, alles Mögliche ausprobieren. Aber es gibt auch Momente, in denen sich etwas für immer entscheidet. Einen Kampf aufnehmen, ein Wort aussprechen („ich liebe dich“ oder „sei verflucht!“), Vater werden oder Mutter werden, getauft werden, das sind alles Momente, die wir nie mehr rückgängig machen können. Vater ist man für immer. Getauft ist einer für die Ewigkeit. Denn Gott spielt und testet nicht. Gott lässt uns Zeit und Gott ist treu. Das ist die Geschichte.
Es treibt nicht alles einfach so dahin; und wir können nicht alles immer neu erfinden. Das ist ein Gesetz des Lebens. Und noch mehr ein Gesetz des Glaubens. Die Lesung heute erinnert uns daran, dass nicht alles im ewigen Fluss ist. Die Geschichte der Welt hat ihre festen Eckpunkte: die Auferstehung Jesu und seine Wiederkunft. Dieser Rahmen bedeutet für uns Christen: Hoffnung. Egal was passiert: Jesus lebt und er wird wiederkommen. „Damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.“
Wir Christen können weinen, weil wir jemanden verloren haben; wir können um Menschen trauern – aber unsere Trauer ist anders. Bei denen, die die gute Macht Gottes nicht kennen, folgen auf die Trauer Bitterkeit, Nüchternheit, Leere. Bei uns Christen kommen nach der Trauer Ruhe und Hoffnung. Wir wissen unsere Toten in guten Händen; wir glauben fest daran, sie wiederzusehen. Weil Gott alles gut macht.
Wie kommen wir darauf? Jesu wegen. Er war tot und lebt („Deinen Tod, o Herr…“). Man sieht ihn nicht, aber man spürt seine Kraft. Christen spüren: Er ist da.
Das ist der eigentliche Inhalt der Lesung von heute. In ihr geht es sicher auch darum, dass Paulus mit der ganz nahen Wiederkunft Christi rechnet. Paulus beschreibt das Ereignis sogar. So wie es sich damals die Menschen dachten. Aber das wirklich Wichtige in dieser Lesung ist etwas anderes: Jesus lebt. Taufe bedeutet: Der lebendige Jesus berührt den Menschen.
Jesus kann gar nicht allein sein. Er lebt ja für uns. „Zu unserem Heil“ ist er ja gekommen. Gott wird uns und unsere Toten mit dem lebendigen Jesus vereinen. Damit wir „immer beim Herrn“ sind.
Zwischen Ihm und uns ist Liebe und Zusammenhalt. Deswegen kann uns nichts geschehen.
Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin
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Wien, am 7.11.11; 8:41:35 Uhr
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Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Was sind schlechte Geistliche? Da steht es: Das sind die, die Wert darauf legen, die besten Plätze einzunehmen. Schlechte Geistliche sind die, die abweichen von Gott. Die, die andere zu Fall bringen (statt sie aufzuheben).
Lesung und Evangelium üben harte Kritik am Klerus. Und sie erheben einen Anspruch. Der Anspruch lautet: nur einer! Nur einer ist Gott, Vater, Lehrer, Meister. Und wehe dem Priester, der sich an seine Stelle setzt!
Die Kritik geht nur die wenigsten hier an; es sind ja nicht viele Geistliche da. Und der Anspruch ist von der Realität völlig überholt. „Nur einer ist euer Lehrer“ – ist Christus der Lehrer dieses Landes? Ist Christus wirklich der Lehrer dieser Pfarre oder des Ordens oder der Familien? Was da im Evangelium steht, ist leeres Pathos.
So könnte man denken und es damit bewenden lassen. Doch das wäre billig, falsch – und vor allem eine verpasste Chance.
Billig und falsch, weil die Kritik an den Priestern allen Christen gilt, denn im Neuen Bund sind alle Priester. Sie alle. Alle Getauften haben Anteil an den Rechten und Pflichten des Priesters. Die Mutter, die ihrem Kind ein Kreuz auf die Stirn zeichnet und es so segnet, tut einen priesterlichen Dienst, denn sie heiligt ihr Kind. Das allgemeine Priestertum der Gläubigen steht vor dem besonderen Dienst der Geistlichen. Und das bedeutet: Wir alle hier können andere zu Gott führen oder sie zu Fall bringen. Durch unser gutes oder schlechtes Beispiel.
Und der Anspruch des Evangeliums – „nur einer ist euer Meister!“ – hat sich nicht erledigt. Der Anspruch Christi bleibt, egal ob ihm eine ganze Welt folgt oder nur zwei oder drei.
Dieses Evangelium bietet uns eine Chance. – „Nur einer ist euer Meister, nur einer euer Vater, nur einer euer Lehrer“: Indem Christus das verkündet, ermöglicht er uns den Ausstieg aus einem System, das offenkundig nicht für die Ewigkeit gemacht ist.
Meister, Väter, Lehrer, alle Autoritäten dieser Welt tun Unrecht. Eltern, Chefs, Pfarrgemeinderäte, Pfarrer, Päpste tun Unrecht. Wir Menschen können gar nicht anders. Weil wir nicht nur gut sind. Weil das Leben so ist, dass man nicht mit reinen Händen hindurch kommt. Wie sollte es gehen, dass ein Vater in den 20 Jahren, in denen er Verantwortung für ein Kind trägt, nicht einen einzigen Fehler begeht? Wie sollte es gehen, dass ein Pfarrer, ein Pfarrgemeinderat, ein Oberer ein Amt ausübt, das zu so vielen Begegnungen führt und dabei nie ein Unrecht tut? Der Apostel Petrus hatte, bevor er ein Heiliger wurde, einen Saucharakter; Paulus hat als Fanatiker begonnen – und wir sollten reine Engel sein? Die Kirche ist gemacht aus Sündern, die umkehren.
Jesus verkündet den Ausstieg aus dem System. Die Befreiung. Wir werden weiter Verantwortung tragen, wir werden manches richtig machen und manches falsch, wir werden schuldig werden – aber indem Christus sagt: Nur einer ist euer Meister, nur einer euer Vater, nur einer euer Lehrer, indem er alles auf Gott zurückführt, auf Gott allein, macht er es von innen heraus gut. Denn Gott ist gut.
Christus entlastet uns. Wer die Worte des Herrn ernst nimmt, muss sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen und diese Welt auch nicht.
Jesus gibt uns heute eine Hoffnung – und er stellt uns in den Widerspruch! „Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen und nicht Vater und nicht Lehrer.“ – Ihr aber! Ihr Christen! Macht es anders! Diesen Widerspruch können wir mit Freude leben. Nicht mit Hochmut – mit Freude. Denn durch das, was Jesus uns da sagt, haben wir Raum zum Gestalten. Mit Christus auf unserer Seite.
Die vielen Menschen, die Jesus hören wollten damals, müssen das gespürt haben. Natürlich waren da solche, die nur von einer Krankheit geheilt werden wollten; solche, die sich von Jesus eine Wende in der Politik erhofften oder einfach Neugierige. Aber da waren auch Frauen und Männer (und Kinder!), die spürten: Da ist noch etwas anderes.
Christen sind Menschen, die das andere suchen. Wir wollen nicht irgendein erstes Bedürfnis befriedigen, nicht bloß einen Vorteil herausschinden, wir wollen nicht unser Spiegelbild finden, sondern den Anderen, der uns erhebt. Christus.
Er zeigt den Vater, den wir verloren hatten; den wahren Lehrer; den liebevollen Meister. Er zeigt sich als Freund. Er gibt sich. Als Nahrung der Seele, jeden Sonntag in der Messe.
In der Begegnung mit ihm liegt solche Spannung. Er ist uns ganz nah (weil Gott das Allerinnerste des Menschen ist) und er entzieht sich unseren Manipulationen (weil Gott nicht zu fassen ist). Die Autoritäten dieser Welt manipulieren uns und wir benutzen sie. Mit Gott ist das anders.
Das Haus, das wir heute einweihen, steht in diesem Spannungsfeld. „Nur einer ist euer Lehrer.“ Der Pfarrhof aber ist ein Haus von vielen. Mitten im Dorf (und auch von den Menschen dieses Dorfes mitbezahlt). Die Pfarre steht mitten im Leben, mitten in Mailberg. Der Pfarrhof steht wieder da, jahrhunderteschwer, fest und schön. Und doch soll darin der verkündet werden, der fliehen musste als Kind, der fremd war und der nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte.
Die Pfarre und der Ritter-Orden sollen, sagt uns unser Erzbischof, „Missionsstationen“ sein, „Oasen des Zeugnisses“, „Schulen der Nachfolge Christi“.
Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin
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Wien, am 13.10.11; 14:10:49 Uhr
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Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Da sagt einer: „Größeres wollen Menschen erreichen, als es ihnen selbst möglich ist.“ – Der Mensch will Dinge, der er selbst gar nicht machen kann. Frieden zum Beispiel. Ich meine: umfassenden, dauerhaften Frieden.
Natürlich gibt es auch Menschen, die längst abgewunken haben. Die nur noch das wollen, was sie auch sicher bekommen können. Was sie selbst schaffen.
Das war bei einer Besprechung mit den Eltern der Kommunionkinder zu spüren. Manche wollen ein schönes Fest, an dem ihr Kind im Mittelpunkt steht, mehr nicht. Sie werden nervös, wenn der Priester ihnen sagt: Gott begegnen, hier, in unserer Kirche! So Großes wollen sie gar nicht. Sie wollen nur, was sie selbst machen können: ein traditionelles Fest für die Kinder. Das ist sicherer.
Frieden können wir nicht machen; die Welt beweist es uns jeden Tag. So deutlich, dass kaum noch einer an den Frieden glauben will. Abkommen, Waffenstillstände, mehr oder weniger lang, das geht vielleicht. Aber Friede unter den Menschen? Friede in der Familie? Zwischen Mensch und Natur?
Weil das so ist, langweilt uns eine Lesung wie die von heute beinahe. Da heißt es: „Und der Friede Gottes wird eure Herzen in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.“ – Aber das stimmt ja hinten und vorne nicht! Haben wir denn Gemeinschaft mit Christus und deswegen Frieden? In uns? Untereinander? Das ist so blauäugig! So unrealistisch! Und weil es das ist, rauscht eine Lesung wie diese zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus.
Ich weigere mich aber zu glauben, dass es so sein muss. Ich glaube, es ist wahr, was da steht. Ich verstehe es nicht gleich, ich kenne die Zweifel – aber ich glaube: Das ist die Wahrheit. Wort Gottes! Und ich glaube: Diese Lesung ist ein Glück.
Wir Christen gehören zu den Menschen, die an den Frieden glauben und ihn suchen. Wir stehen nicht da und hören, wie Er uns sagt „meinen Frieden gebe ich euch“ und antworten ihm: „Das glaube ich dir nicht!“
Menschen wollen Frieden. Selbst Menschen, die gerne streiten, die im Kampf erst richtig aufleben, wollen hinter dem Kampf Frieden. Sie wollen ja nicht sterben, sondern siegen. Keiner kann sich vorstellen, ewig zu kämpfen. Jeder weiß: Ein Kind kämpft nicht auf Leben und Tod; ein alter Mensch hat genug vom Kampf; der Tapfere stellt sich dem Kampf, wenn es sein muss, aber er sucht ihn nicht; der Weise findet bessere Lösungen als den Kampf. Das Leben ist ein Kampf, sicher, aber wir sind nicht für den Kampf bestimmt. Wir haben Sehnsucht nach dem Frieden – und bekommen ihn nicht hin. Und dann kommt einer, der uns Frieden anbietet. Was sollen wir tun?
Unser Misstrauen ablegen. Aufhören, mit unserer Lebenserfahrung gegen den Frieden zu argumentieren.
Frieden bedeutet nicht Langeweile. Es bedeutet Fehlen von giftigem Streit, aber nicht Fehlen von Auseinandersetzung. Es bleibt spannend. Friede ist, wenn die Grundlagen klar sind. Wenn es nichts gibt, was alles grundsätzlich in Frage stellt. Friede ist nicht der Endpunkt, sondern der Start. Start zum Wachstum. So denke ich mir eine gute Ehe oder eine tiefe Freundschaft oder den Glauben an Christus: Die Grundlagen sind ganz sicher. Und auf dieser festen Grundlage ist Bewegung. Leben. Wo Friede ist, kann mehr Leben sein.
Frieden ist nicht gleich Langeweile oder Stillstand und Friede ist nichts für Schwächlinge. Denn wie kommt der Friede zustande? Durch Versöhnung. Da war ja Unfriede zwischen den Menschen und Gott; die Wunden sind noch zu spüren (Erbsünde).
Es braucht so viel Courage zur Versöhnung. Man muss hinschauen; die Schuld anschauen. Auch die eigene, denn dass einer ganz unschuldig ist und der andere ganz allein schuldig, das ist sehr selten. Den ersten Schritt machen, das braucht Mut; weil man riskiert, dass der andere nicht einsteigt. Das genau passiert Gott ja: Er macht den ersten Schritt, schickt seinen Sohn zu uns – und immer wieder sagen ihm Menschen: geh weg!
Das mit dem Frieden funktioniert also nur, wenn Verheißung und Hoffnung zusammenkommen. Gott verheißt Frieden – aber wenn wir nicht von ganzem Herzen auf Frieden hoffen, wenn wir ihn gar nicht für möglich halten, dann wird das nichts.
Es geht also um eine Begegnung zwischen Gott und dem Menschen. Und wo begegnen sich beide? Im Herzen. Hier entsteht der Friede, von dem in der Lesung die Rede ist.
Das ist der Unterschied zum Menschenfrieden. Der wird an Schreibtischen gemacht oder in Therapien. Der Friede mit Gott beginnt tief in unserem Inneren. Frieden ist nichts anderes als Einheit mit Gott. Und dann dringt der Friede aus dem Herzen heraus, nach außen. Er zeigt sich auf unseren Gesichtern, in unseren Augen, in unseren Taten. Das wirklich Gute, das Echte an dem, was wir tun, das kommt aus einem friedlichen Herzen.
Zum mündlichen Vortag bestimmt, verzichtet der Text auf exakte Zitierung und Angabe von Quellen. Er bleibt Eigentum des Autors. Jede Veröffentlichung und Vervielfältigung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. C. Martin
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