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900 Jahre Dienst am Nächsten

Kreuzzüge

Der Islam breitet sich aus. Nach seiner Gründung durch Mohammed im Jahre 622 n. Chr. eroberte der Islam in knapp 100 Jahren weite Teile der damals bekannten Welt, ausgehend von der Arabischen Halbinsel bis nach Indien im Osten, über Palästina (Einnahme Jerusalems: 638) und Nordafrika bis nach Spanien im Westen. Die Eroberung und Plünderung der Grabeskirche Christi durch die Seldschucken gab den entscheidenden Auslöser für die Kreuzzüge.

Jerusalem: Idealtypische Ansicht aus der Zeit der Kreuzüge.

Aufruf zum Kreuzzug. Als am 26. November 1095 Papst Urban II auf der Synode von Clermont die abendländische Aristokratie durch eine mit Begeisterung aufgenommene Rede für den 1. Kreuzzug gewann, bestand am Zielort Jerusalem schon seit geraumer Zeit ein christliches Hospital.

Eroberung Jerusalems. Nach Fehlschlägen eroberten am 15. Juli 1099 die Kreuzritter im ersten Kreuzzug Jerusalem. Es waren Christen, sie trugen weiße Kreuze auf den Mänteln.

Die Eroberung war mit einem fürchterlichen Gemetzel verbunden - die Saat für die Vertreibung der Christen aus Palästina war gesät. 

Hospitalorden

Der Dienst am "Herren Kranken". Das Hospiz in Jerusalem, das dem Hl. Johannes geweiht war, und vermutlich um 1048 gegründet worden ist, diente der Beherbergung, Verköstigung und Pflege von Pilgern und Kranken. Mit dem Fall Jerusalems und den ansteigenden Pilgerströmen vergrößerte sich das Hospital sehr rasch. Geleitet wurde die Laienbruderschaft von Fra' (Bruder) Gerhard, dessen Leitsatz "Unseren Herren, den Kranken, zu dienen" im Malteser-Johanniter-Orden damals wie heute seine zentrale Gültigkeit besitzt.

Fra Gerhard in Jerusalem: Er leitete das Hospital nach seinem Grundsatz "Unseren Herren, den Kranken, zu dienen."

Aus der Hospitalbruderschaft des Heiligen Johannes zu Jerusalem entstand schließlich 1113 durch das päpstliche Schreiben " piae postulatio voluntatis" von Papst Paschalis II. feierlich ein neuer Orden. Unter dem Nachfolger des später selig gesprochenen Gerhard, Raimund de Puy, der auch als erster den Titel Großmeister führte, wurde der Orden zum Schutz der Pilger auch militärisch aktiv. Die Ritter wurden nach ihrem Schutzpatron Johannes-Ritter oder Johanniter genannt.

Nach Zypern und Rhodos. Die nächsten Kreuzzüge zur Errichtung eines Kreuzfahrerstaates wurden mit extrem hohen Verlusten geführt. Die Kreuzfahrer verloren an Terrain. Akkon - die letzte christliche Festung im Hl. Land - fällt im Jahre 1291.
Die Johanniter setzten sich nach Zypern ab. Von dort aus breiten sie sich weiter aus, und die Insel Rhodos wird sukzessiv zum Ordenssitz ausgebaut.

Angriff der Türken auf Rhodos: 1522 greift Soliman der Prächtige mit 200.000 Mann die Insel Rhodos an.

Nach zwei Jahren wird Rhodos von einem türkischen Geschwader angegriffen. Diesmal siegen die Ritter und es folgt eine 30-jährige Phase der Eroberungspolitik, in deren Verlauf der Orden seinen Einflußbereich durch seine Flotte stark ausweiten kann und zum souveränen Staat wird. Die islamische Welt sieht jedoch diesem Treiben nicht tatenlos zu und rüstet erneut zum Kampf. Nach einem ersten Fehlschlag greift schließlich Soliman der Prächtige 1522 mit 200.000 Mann die Insel Rhodos an.

Der Kampf wird unter großen Verlusten auf beiden Seiten geführt und endet schließlich mit der Vertreibung des Johanniterordens.

Reformation

31. Oktober 1517. Mit den 95 Thesen Martin Luthers zog sich eine Spaltung durch Gesellschaft, Kirche und auch den Johanniterorden. 1538 war ein Teil der deutschen Zunge, die Balley Brandenburg, evangelisch geworden - zu jener Zeit bildeten "Balleyen"  Verwaltungsbezirke - und wurde aus dem katholischen Orden entlassen.

Schild Europas

Malta. Dem aus Rhodos vertriebenen Orden gibt Kaiser Karl V. 1530 Malta als Lehen, wo die Ritter sofort mit dem Ausbau von Festung und Spital, dem größten der damaligen Welt, beginnen. 1565 wird die militärstrategisch wichtige Insel Malta fast vier Monate lang von einer überwältigenden See- und Landmacht von 40.000 türkischen Elitekriegern unter Mustapha Pascha belagert.

Belagerung von Malta: Dank der heldenhaften Verteidigung gelang den 40.000 Angreifern die Eroberung Maltas nicht.

Nur einer kleinen Schar von 9.000 Verteidigern, darunter rund 400 Ordensritter, gelingt es aber unter Großmeister Jean Parisot de la Valette, Malta zu verteidigen und den Angriff abzuwehren. Dieser Erfolg führt in ganz Europa zu Enthusiasmus und in weiterer Folge zur Bildung der Heiligen Liga, der es gelingt, 1571 die Türken bei Lepanto entscheidend zu schlagen. Große Ehre wurde aber den Rittern des Hl. Johannes zuteil, die fortan Malteser genannt wurden.

Verlust von Malta. Kaiser Karl V. erhoffte sich von den kampferprobten Rittern eine Unterstützung seiner Politik, aus dem westlichen Mittelmeer eine von ihm beherrschte Zone zu machen. Der Orden bekämpfte in den nächsten 200 Jahren die nordafrikanischen Seepiraten und leistete erfolgreich Widerstand gegen die Angriffe der Türken.
1798 mußte der Malteser-Orden schließlich, geschwächt durch das neue Gedankengut der französischen Revolution und die Konfiskation der Ordensbesitzungen, Malta so gut wie kampflos an Napoleon übergeben. Durch die napoleonischen Kriege gehen, mit Ausnahme der böhmischen und österreichischen, fast die gesamten Malteserbesitzungen in Europa verloren. Die Balley Brandenburg wird 1811 sogar aufgelöst. Für die Ritter des Heiligen Johannes vom Hospital zu Jerusalem schien es keine Zukunft mehr zu geben. Diese Existenzkrise der Orden führte zu einer tiefgreifenden Neubesinnung, die zur Aufgabe des militärischen Daseins und in weiterer Folge zur Konzentration auf den Dienst für den bedürftigen Nächsten und damit wieder zu den Wurzeln zurückführt.

Besinnung auf Altbewährtes. Nachdem Zar Paul I. für kurze Zeit zwar "de facto" aber nicht "de jure" den sieglosen Großmeister Ferdinand von Hompesch, unter dem Malta verloren gegangen war, den Großmeistertitel streitig machte, kam der Sitz des Malteser-Ordens 1834 nach Rom.

Hier hat der Orden noch heute in seinem exterritorialen Sitz unter der Bezeichnung "Souveräner Ritter-Orden vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta" oder kurz "Souveräner Malteser-Ritter-Orden".

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird das Ordensleben durch die Gründung von einigen europäischen Assoziationen (Gliederungen) wiederbelebt, und der Orden ist vor allem bei kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa pflegerisch tätig.
Der Kampf mit der Waffe gegen die Moslems hatte seinen Sinn verloren, die Hinwendung der katholischen Malteser und der evangelischen Johanniter zu ihrer ursprünglichen Aufgabe des Dienstes an Alten, Kranken und Schwachen gab den Orden nun neue Impulse.

Lazarettzüge: An den Fronten des 1. Weltkriegs versorgten die Malteser 400.000 Verwundete.

Neuaufbau nach 1945.

Kein Stein bleibt auf dem anderen. Konnte der Souveräne Malteser-Ritter-Orden allein durch das Großpriorat in Österreich im I. Weltkrieg noch Spitäler, Autoambulanzen und acht Lazarettzüge stellen, die auf ihren Fahrten an die Front mehr als 400.000 Verwundete versorgten, so erfuhr er durch den II. Weltkrieg einen starken Verlust an Mitgliedern, Spitälern und Ordensbesitzungen, vor allem in Osteuropa. Da der Malteser-Orden das Nationalsozialistische Regime nicht anerkannte, wurden seine Besitzungen unter Protektorat gestellt.

Nach 1945 beginnt der Orden mit dem Wiederaufbau und die ersten Ordenswerke wurden errichtet. Seit den Anfängen setzte sich der Orden aus adeligen Rittern und "Dienenden Brüdern" zusammen, zu denen Priester, die den Zölibat befolgten, aber auch Frauen kamen. Nun öffnete sich der Orden, so daß heute nur mehr der "Adel des Geistes und der Gesinnung" ein wesentliches Merkmal der Ordensritter und -damen ist.

Der Orden weltweit heute

Heute besitzt der Souveräne Malteser-Ritter-Orden 59 Gliederungen (sechs Großpriorate, sechs Subpriorate sowie 47 Nationale Assoziationen) weltweit.
Mit insgesamt mehr als 12.500 Mitgliedern, rund 10.000 hauptamtlichen und über 80.000 freiwilligen Helfern unterstützt der Orden über 15 Millionen Menschen.

Humanitäre Mission: Rund 10.000 hauptamtliche und über 70.000 freiwillige Helfer im Dienst am Nächsten.

In 71 Krankenhäusern und Kliniken, 13 Behindertenheimen bzw. -werkstätten, 26 Alten- und Obdachloseneinrichtungen und über 700 Erste-Hilfe- und Sozialzentren in über 120 Ländern der Welt, wird der Dienst am Nächsten in die Tat umgesetzt.

Souveränität

Der Malteser Orden unterhält als Völkerrechtssubjekt diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl - dem er als religiöse Gemeinschaft zwar untergeordnet ist, als Souveräner Ritterorden aber unabhängig gegenübersteht - und zu 104 Staaten, dem Europarat, der Europäischen Kommission sowie den internationalen Organisationen in New York, Genf, Paris, Rom und Wien.

Mit Österreich hat der Orden seit dem 14. Jahrhundert eine diplomatische Tradition und ist nun durch eine Botschaft vertreten. Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter in Österreich ist Herr Dr. Alessandro Quaroni und sein Gesandter Herr Dr. Ottokarl Finsterwalder.

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