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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Stephanitag 2017: Der Weg zur Kirche

26/12/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Draußen, vor der Stadt. Da, wo Blut fließt. Wo Kampf ist. Da, wo der Himmel offen steht.

Auch der Stall war draußen vor der Stadt. Außerhalb von Bethlehem. Jesus wurde außerhalb geboren. Stephanus starb außerhalb.

Die Geschichte beginnt nicht in sicheren Häusern, sie beginnt auf freiem Feld. Die Kirche beginnt in der Nacht. Im Grau der Vorstädte (nein, nicht die Villen-Vororte, sicher nicht). Sie beginnt dort, wo keiner sein will. Wir werden hinausgetrieben, von den anderen, vom Heiligen Geist, wer weiß das schon? „Sie trieben ihn zur Stadt hinaus… so steinigten sie den Stephanus.“

Das ist der Weg der Kirche: Hinaus. Vor die Stadt, in die Wüste, in die Wälder, aufs Meer. Zu neuen Kontinenten. Wer nur sucht, wo es am angenehmsten ist, der hat von der Kirche keine Ahnung. Der kennt Christus nicht, die Mitte der Kirche. Stephanus kannte ihn: „Er aber, voll heiligen Geistes, blickte zum Himmel empor und sah Jesus zur Rechten Gottes stehen.“ Stephanus kannte den wahren Jesus.

Das ist die Botschaft des zweiten Tages der Oktav von Weihnachten, des Tages, der den Erzmärtyrer Stephanus feiert: Es wird Kampf sein. Halten Sie die Krippe nicht für ein Idyll! Glauben Sie nicht, der Kampf könne harmlos sein oder sauber oder unschuldig. Der Kampf wird mit Blut geführt. Es tränkt den trockenen Boden unserer Herzen.

Was taugt eine Sache, an die man kein Blut gibt? Können Sie lieben, ohne Ihr Blut zu geben? Mutter sein? Vater sein? Christ und Christin sein? Können Sie an einem Krankenbett stehen, bei einer Beichte sitzen, einen Liebesbrief schreiben, am Bahnhof warten, einen Weinberg anlegen, ein Kind gebären, ohne von Ihrem Blut zu geben? Sie wissen es: Wer dem Schmerz ausweicht, wer sich nicht schmutzig machen will, wer hübsch bleiben will, der wird immer nur Halbes zustande bringen. Es fließt Blut, einen Tag nach der Christnacht. Wo einer gesteinigt wird, fließt Blut. So einfach ist das.

Und wozu? Wegen Meinungen, Wortklaubereien, wegen Religion. „Sinnlos!“, sagen viele. Sie fragen: Ist denn der Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit so wichtig? Gibt es ihn überhaupt? Ist nicht alles, was wir sagen gleichzeitig wahr und falsch? Sind fake news nicht ebenso gut wie Tatsachen? „Was ist Wahrheit?“, die berühmte Frage des Pilatus wird noch immer gestellt. Was ist schon „Wahrheit“ – und lohnt es sich, dafür zu sterben?

Für was würde ich sterben? Was ist Wahrheit? Darf Lüge sein? Existiert Gott? Hat Jesus mit Gott zu tun? Gibt es Erlösung und was bedeutet der Tod? – Manchmal verstehe ich, dass nicht viele in die Kirche kommen. Wer will schon mit solchen Fragen konfrontiert werden?

Das Blut des Stephanus versickert im Sand… Die Augenzeugen gehen weg, nach ein paar Tagen ist nichts mehr zu sehen von dem, was geschehen ist. Nutzlos: Das würden die meisten sagen. Das alles ist nutzlos. Ich sage und, was viel wichtiger ist: Der ganze große Stephansdom, das Wahrzeichen Wiens, das Heiligtum Österreichs, der ganze Bau ruft: Nein! Nicht nutzlos! Denn dieses Blut nährt. Ohne dieses Blut hätte Stephanus nur dahergeredet. Daherreden kann jeder. Man muss Herzblut dazu geben.

Aber ist, was da geschieht, vor der Stadt, nicht eine bloße Männersache? Weil Männer eben gern groß herumstreiten von „Blut vergießen“ und so? (Macht es überhaupt noch Sinn, das Weibliche und das Männliche zu suchen? Gibt es das?) Sie wissen: Der Glaube muss genährt werden, sonst vergeht er. Österreich wird den Glauben verlieren, Sie werden den Glauben verlieren, wenn Sie ihn nicht nähren; wenn Sie ihm nicht immer wieder neue Kraft zuführen. Was aber nährt den Glauben? Das Zeugnis.

Nähren ist etwas Ur-Mütterliches. Stephanus wird am Ende zum nährenden, mütterlichen Mann. Nicht bloß Worte, nicht steriles Heldentum: Gefeiert wird, dass er durch seine Worte und mit Fleisch und Blut den Glauben der anderen nährt. Wie es eine Mutter tut. Deswegen wird die Kirche auch „Mutter“ genannt. Sie nährt. Sie trägt aus, oft unter unendlichen Mühen; sie gebiert, unter Schmerzen; sie sorgt sich, sie schützt, sie tröstet. – Was davon ist mütterlich was väterlich? Egal. Es geht um Fortpflanzung, um Weiterleben.

Auch Stephanus war ein Kind gewesen wie jenes in der Krippe. Er hatte Vater und Mutter, er wurde groß. Eines Tages war er erwachsen. Nun gilt es zu reden, Zeugnis zu geben, gerade zu stehen, die Konsequenzen zu tragen. Die Menschen zu kennen und zu unterscheiden: zu wissen, wem man folgt. „Ihr werdet um meinetwillen vorgeführt, um Zeugnis abzulegen.“ Das Kind wird erwachsen. Es kommt die Zeit, hinaus zu gehen… Draußen vor der Stadt.

Kinder dürfen spielen, Erwachsene müssen ihr Herzblut daran geben. Mutter sein, Vater sein, das kann man nicht spielen. Hinaus also, dahin, wo Blut fließt, wo Kampf ist. Hinaus auf den Weg zur lebendigen Kirche. Mit dem Mut des Stephanus.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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