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Nachrichten

2. Sonntag im Jahreskreis (A), 15. Jänner 2017 – „Seht das Lamm Gottes“ –

08/03/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Sie sind kleine Leute. Und ich bin ein Landpfarrer mit einer kleinen Kirche in Wien, die keiner kennt. Es ist uns doch klar, dass wir die Großen nicht beeindrucken. Keiner hat Angst vor uns, keiner schmückt sich mit uns. Wir sind einfach ein kleines Dorf im Weinviertel mit seinem Pfarrer und einer alten Burg, in der es nichts zu sehen gibt.

Das sind Tatsachen. Mit denen kann man einfach leben. Oder es rumort. Da ist dann die Ahnung, dass es mehr geben muss. Irgendwie ist da die Wahl zwischen: „Ich bin klein, einfach, und zähle nicht.“ Und: „Trotzdem bin ich etwas Besonderes; in mir sind große Fähigkeiten und große Sehnsucht.“

Was ich an der Kirche mag: Sie lehrt uns Realismus und Demut. Sie sagt uns: „Bleib am Boden, träume dich nicht fort aus dem Leben.“ Sie sagt uns aber auch: „Du bist etwas Großes. Ein Sohn, eine Tochter Gottes!“ Die Kirche traut uns Großes zu. In jeder Messe. – Wer hinhört auf die Worte, kann den Gottesdienst nicht langweilig und klein finden.

In jeder Messe kommt der Moment – Sie kennen ihn alle –, wo der Ruf ertönt: „Seht an das Lamm Gottes, / das wegnimmt die Sünde der Welt!“ Sie hören… Sie schauen auf… und sehen: Brot. Ein kleines Stück Brot. Das soll das Lamm Gottes sein, das die Sünde der ganzen Welt wegnimmt?

Der Glaube sagt Ihnen: Du siehst Jesus, verborgen im Brot. Und wie um Sie herauszufordern, ruft der Priester Ihnen zu: „Das nimmt die Sünde der Welt weg!“ Wenn Sie nicht gleich sagen: „Quatsch! Nein!“, wenn Sie nicht gedankenlos, achtlos weitergehen, wenn Sie sich stattdessen einlassen auf das, was da gerufen wird, dann müsste Ihnen eigentlich schwindlig werden. Dann müssten Sie, schon in diesem Moment merken, dass die Kirche Ihnen etwas Großes zutraut: großen Glauben nämlich. Und dass die Kirche Ihnen etwas noch Größeres schenkt: Echte Hoffnung auf eine neue Welt. Zu glauben, dass hier Jesus ist und dass dieser Jesus alle Sünde dieser alten Welt wegnimmt: Mehr geht nicht.

Die Sünde der Welt: Geht Ihnen auf, manchmal wenigstens, was das bedeutet? Die Gräuel der Geschichte, allen Verrat, allen Missbrauch, alles, was je in der Welt geschah, alles, was je in diesem Dorf gesündigt wurde, alles, was Sie je Böses getan haben, alles, was ich je gesündigt habe: Alles das schultert Jesus. Hier ahnt man, was die Nacht am Ölberg bedeutet…

Diese Gedanken kann nur der akzeptieren, der glaubt: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Ein Mensch kann die Sünde der Weltgeschichte gar nicht tragen. Das kann nur Gott. Hier, an dieser Stelle der Messe, die aus dem heutigen Evangelium zu uns kommt, hier verstehen Sie, wer Jesus Christus ist und dass alles von ihm abhängt. Er kann die Welt von innen heraus erneuern. Von Ihrem Inneren heraus.

Die Hostie wird Ihnen gezeigt. Die Kirche macht kein Geheimnis; die Kirche ist immer sichtbar. Denn sie kennt das Evangelium von heute, die Geschichte von der Begegnung zwischen Johannes und Jesus. Schon an diesem Evangelium wird klar, wie wichtig das Zeigen und das Sehen sind: Viermal (wenn ich recht zähle) ist in dem kurzen Text die Rede vom Sehen. Wir müssen sehen, um zu verstehen. Wir müssen sehen, um angerührt zu werden (Besuch der Messe). Also schauen Sie hin!

Schauen Sie hin – und glauben Sie! Schauen Sie hin – und erkennen sich selbst. „Das Lamm, das die Sünden der Welt wegnimmt“ – dieser Ruf funktioniert nur dann, wenn wir unsere Not begreifen. Wer sein Leben lang sagt: „Ich war ’s nicht. Ich habe keine Sünden“, der versteht diesen Moment nicht. Und braucht ihn auch nicht. Klagen Sie nicht immer nur über den Zustand der Welt, über die Geschichte und die Gegenwart. Blicken Sie auch auf Ihren eigenen Zustand. Das hilft zur Wahrheit; das hilft aber auch zum Zusammenleben. Wer weiß, dass er gescheitert ist, wird auch geduldiger mit den anderen, die scheitern.

„Seht… seht das Lamm Gottes!“ Wir sollen sehen – damit wir verstehen, wie die Welt ist, wer wir sind, und wer Jesus Christus ist.

 

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

 

 

 

 

 

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