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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Stephanitag 2016 – Die Unsicherheit –

16/01/2017 


m Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Glaube ist unnötig. Man kann Weihnachten auch so feiern. Es genügt, Familie und Freunde einzuladen, sich zu beschenken, gut zu essen, zusammen fröhlich zu sein. Das ergibt schon ein ganz schönes Weihnachtsfest. Dazu braucht es keine Kirche. Es geht auch ohne Glauben.

Doch der Glaube schleicht um das Fest herum. Er ist in der Nähe. Da sind doch irgendwo Fragen: Glaubst du das, das mit Gott? Oder: Was ist das Leben für dich? Warum hast du Kinder? Was wünschst du dir am meisten? Fragen, die zum Glauben führen.

Wie sehe ich die Welt? Mit dieser Frage geht alles los. Jeder stellt sie sich irgendwann; die einen öfter, die anderen nur selten, aber jeder fragt: Was ist die Welt? Was ist das Leben?

Ich behaupte: Die Welt ist voller Veränderung und Schmerz. Ich behaupte: Leben, das heißt, in der Patsche sitzen. Natürlich nicht immer. Es gibt auch tolle, schöne Momente, weiß Gott. Es gibt die echten Glückskinder. Aber die anderen sind so deutlich da, dass ich sie nicht wegdrängen kann.

Wenn Sie zugeben, dass es Veränderung und Schmerz gibt im Leben, zuviel davon, dann stellen Sie doch mit mir die Frage: Gibt es einen Ausweg! Ist der Glaube ein Ausweg? Hilft der Glaube? Hilft Weihnachten zu irgendetwas (außer zur Steigerung der Umsätze)? Wie besteht man eine Welt voller Veränderung und Schmerz? Indem man Sicherheit sucht? Ist der Glaube dazu da, Sicherheit zu geben? Unempfindlich zu machen gegen den Schmerz? Viele fromme Leute tun so.

Stephanus war gläubig. Er hat an Christus geglaubt. War Stephanus in Sicherheit, ja oder nein? Hat er Schmerzen empfunden? Ja oder nein?  Ja und nein. – Aber bevor ich Ihnen dieses Paradox aufkläre, schauen wir auf unsere Tage.

Anschlag auf Anschlag, beinahe monatlich Tote. Da ist es verständlich, dass die Leute sich Sicherheit wünschen. Sicherheit sei das höchste Gut der Demokratie, sagte der bayerische Ministerpräsident neulich (ich dachte immer, das höchste Gut der Demokratie sei die Freiheit oder das gleiche Recht für alle…).

Hier kommen wir an den wunden Punkt. Hier geraten die, die wirklich Christen sein wollen, in Schwierigkeiten. Christen glauben nun einmal an einen Gott, der ein schutzloses und verletzliches Kind wird: Weihnachten. Christen berufen sich auf Christus. Den Typen, der als Wanderprediger herumzog, ohne die Sicherheit eines eigenen Hauses oder Kontos. Dem der Prozess gemacht wurde als Staatsgefährder. Ein Gott, der sich verwundbar macht. Kann einer Christ sein, der vor allem Sicherheit will? Der keine Schwäche zeigen will und sie anderen nicht erlaubt? Der nichts riskiert?

Der Staat muss für Sicherheit sorgen. Er braucht aber auch die Christen, die ihm sagen: Sicherheit ist nicht das höchste Gut. Freiheit, Gerechtigkeit, Würde, Wahrheit sind mindestens eben so wichtig. Viele wollen jetzt Mauern hochziehen, um in Sicherheit zu sein. Christen setzen nicht auf Mauern und Zäune. Christen haben noch andere Werte. Es ist naiv zu meinen, es gebe ein Leben in totaler Sicherheit. Christen sind nicht naiv. Noch heute kann es jeden hier treffen. Mich. Sie. Das Leben ist nicht sicher. Die Sicherheit, nach der wir uns sehnen, die Sicherheit, die Stephanus hatte, die ist woanders zu finden.

Es beginnt damit, die Fragen nicht zu verdrängen. „Gott gibt es nicht!“, sagt einer und meint, jetzt keine Frage mehr zu Gott zu haben. Hat, wer so redet, überhaupt eine Vorstellung, was das ist: Gott? Ich sage ihm: Du meinst, du wüsstest mehr als die Gläubigen. Und verlierst mit deiner Behauptung jeden Zugang zu dem, was die Gläubigen sind und glauben. „Ich glaube nicht!“, sagt einer – und im selben Moment wachsen die Mauern um ihn in die Höhe. Statt dass er offen bleibt, um zu lernen, erteilt er anderen Lektionen. Keiner soll sich zwingen – oder gezwungen werde – an etwas zu glauben. Aber dass einer offen bleibt für das Geheimnis, statt es gleich aus dem Weg zu räumen, das darf man verlangen. Der Mensch, der seine Fragen und seine Verletzlichkeit nicht verdrängt, sondern weiß, dass er verwundet werden kann, geht besser mit Krisen, Rückschlägen und Verwundungen um. Sagen sogar die Psychologen. Und ich füge hinzu: Wer verunsichert sein kann, braucht die anderen. So stärkt er Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit.

Die Kirche zeigt der Welt in diesen Tagen zuerst ein Kind und dann gleich ein Opfer. Jesus in der Krippe und Stephanus draußen vor der Stadt. Verletzlichkeit und Verletzung. Hätte Stephanus Sicherheit gesucht, hätte er einfach den Mund gehalten (oder die Inquisition eingeführt). Doch für ihn gab es Wichtigeres als Sicherheit und Komfort: Wahrheit! Christus!

Bei Christus war er sicher, bei den Menschen nicht. Das Herz des Stephanus war stark, sein Körper war verwundbar. Er konnte die Unsicherheit des Lebens und die Unterlegenheit vor den Feinden aushalten, weil seine Sicherheit und seine Stärke von woanders her kamen. Der Glaube macht stark. So stark, dass man die eigene Schwäche ertragen kann.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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