Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dritter Adventsonntag, 11. Dezember 2016

16/01/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Lieber Wein als Glühwein, oder? Irgendwie mag ich Weihnachtsmärkte nicht. Ein Weihnachtsmarkt glänzt genau 20 Minuten lang. Dann erst wieder nach drei Gläsern Glühwein. Es kann gemütlich dort sein, eine Riesenstimmung – aber echte Freude? Die Freuden meiner Kindheit waren echt und ganz anders. Auch echten Glanz finde ich woanders als in der Wiener Innenstadt. Echte Freude, wirklich Glanz schenkt uns die organisierte Weihnachtsstimmung nicht. Wer auch nur ein wenig Gespür für die eigene Seele behalten hat, weiß: Dort ist, trotz der vielen Lichter, trotz all der hübschen Dinge „Wüste und Öde“. All das macht unser Inneres öde. Doch „Wüste und Öde sollen sich freuen!“, sagt der Prophet Isaias. Es wird besser werden!

Im Evangelium heißt es: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ So fragt einer, der irritiert ist, ratlos, – und ich möchte den Mann von Anstand sehen und die kluge Frau, die heute nicht ratlos und irritiert sind. Heute wissen nur die Idioten auf alles eine Antwort. Das Richtige – und der Richtige – sind nicht leicht zu erkennen.

Weihnachtsfeiern, Fernsehen, Internet, Computerspiele… alles aufregend und spannend. Nur halt nicht lange. Sie wissen doch, wie man sich nach einem ganzen Sonntag vor dem Fernseher fühlt? Man hat sich nicht bewegt, nur Blödsinn gegessen und Blödsinn geschaut; man fühlt sich leer, übersatt, wirr, müde. Ohne Richtung. Man hat sich stundenlang „informiert“ und ist noch ratloser als zuvor. In solchen Momenten spüren Sie: Ich könnte besser. Da sind sie, die „schlaffen Hände“, die „schlotternden“ Knie, die Verzagten, Blinden, Tauben, Behinderten, Verhinderten, von denen die Heilige Schrift heute spricht. Wir Christen leben mitten unter Verzagten. Sogar die, die ihre Wut laut hinausbrüllen im Internet, sogar die sind verzagt. Sie haben kein Vertrauen mehr und machen ihre Augen zu und ihre Ohren; machen sich selbst zu Blinden und Tauben, um die Wahrheit nicht zu sehen.

Wie können wir Christen da Vertrauen, Hoffnung und Freude bewahren – und weitergeben?

Zuerst einmal: einfach tun. Aufwachen, einsehen, sich ändern, handeln. Es gibt so viel, was Sie tun können: Momente echter Nähe, Austausch, Zusammenhalt; etwas schaffen, Gedanken finden in einem Buch oder einem echten Gespräch. Überall dort sind Freude und Kraft. Man muss es nur tun.

Aber es geht noch weiter, weit reichender, kraftvoller. Der Glaube des Evangeliums ist keine Verzierung. Der Glaube ist die Zusatzkraft, zu unseren normalen Möglichkeiten dazu.

Das Evangelium zeigt uns, was war, damals, – aber auch, was heute ist und was noch kommen wird. Es weitet uns den Blick. Immer, wenn Sie am Sonntag von der Messe nach Hause gehen, wissen Sie mehr, sind Sie nachdenklicher, aber auch mutiger, heiterer. Sie sind gestärkt (und wenn nicht, haben Sie oder ich einen Fehler gemacht). Hier in der Kirche finden wir die Stärke der Wahrheit (so weit das in dieser Welt eben geht).

Das Evangelium zeigt uns Christus, – es zeigt uns aber auch uns selbst. Wer das Evangelium betrachtet, findet die Wahrheit über sich selbst: Ob er glaubt oder sich über den Glauben ärgert oder ob ihm der Glaube egal ist. Das Evangelium lehrt uns hinzusehen: auf die Welt, auf Gott, auf uns selbst.

„Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“, lässt Johannes Jesus fragen. Der sagt ihm nicht: „Ich bin es.“ Jesus sagt nur: Hör hin! Sieh hin! Schau auf das, was wirklich ist.“ Das ist der Beitrag zu einer Zeit, in der den Leuten Emotionen wichtiger sind als Nüchternheit, in der Lüge keine Schande mehr ist, sondern die Regel.

Wir finden Gott nicht in der Oberflächlichkeit. Wir Christen glauben an einen Gott, der Mensch geworden ist. Das feiern wir an Weihnachten. Das bedeutet: Gott in der Höhe ist herunter gekommen in meine Tiefe und in Ihre Tiefen. In die Abgründe, in die Schmerzen, in die Schuld, in die Tragik unseres Lebens. Hinsehen! Haben Sie keine Angst („Wir sind alle bei dir“, Apg). Nach dem Hinsehen und dem Einsehen kommt das Warten. Die Geduld. Auch ein Zeichen der Stärke. „Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn“, heißt es heute im Jakobusbrief. Erinnern Sie sich an die Momente, in denen der Herr schon angekommen ist in Ihrem Leben.

Weihnachten soll „ein Tag der Freude und der Zuversicht“ werden, heißt es im Tagesgebet der heutigen Messe. Das gelingt nur, wenn Weihnachten mit Christus zu tun hat. Wer sich in Christus freut, kann nicht durch irgendeinen Zufall um diese Freude gebracht werden. Alles andere, worüber wir uns freuen, ist veränderlich und flüchtig. Bleiben wird nur Christus.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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